Genuport Eiscreme wird eine signifikante Säule

Andreas Nickenig ist seit 2021 Geschäftsführer von Genuport. Seitdem gibt es vor allem bei Eis Neues – die Vertriebsübernahme der Marke Häagen Dazs gehört dazu. Nickenig und der Head of Field-Management and E-Commerce, Konstantin Lebens, erläutern die Pläne mit dem eiskalten Sortiment.

Donnerstag, 09. Juni 2022 - Sortimente
Andrea Kurtz
Artikelbild Eiscreme wird eine signifikante Säule
Bildquelle: Genuport

100 Tage sind immer so eine erste Wegmarke in einem neuen Job. Aber in Corona-Zeiten stimmt diese Zeitrechnung einfach nicht mehr. Wie war denn Ihr Einstieg?
Andreas Nickenig:
Das gilt wahrscheinlich derzeit für alle Jobwechsel und alle Unternehmen – es gibt keine Warmlaufphasen mehr. Man ist sofort mittendrin statt nur dabei. Ich hatte den Vorteil, dass ich die Sortimente gut kannte und nur die Marken und die Ansprechpartner dahinter kennenlernen musste. Wir hatten alle schon ein Jahr Pandemie hinter uns und wussten, wie persönliche Gespräche on- oder offline gut funktionieren können. Das galt für die Mitarbeiter hier bei Genuport ebenso wie für unsere Markenpartner. Und wir hatten Glück: Anuga und ISM konnten stattfinden; wir waren mit einem Genuport-Stand präsent und konnten die Kontakte persönlich aufbauen und pflegen. Alles in allem: ein gelungener Einstieg für mich.

Was war die größte Umstellung für Sie beim Wechsel zu Genuport?
Andreas Nickenig: Zum einen die Sandwich-Position zwischen Hersteller und Handel zu managen, die wir als Distributeur haben. Zum anderen ist es die Vielfalt, die wir durch die verschiedenen Warengruppen abdecken. Der Handel nennt das gern ‚Bauchladen‘, aber da steckt ja etwas Positives dahinter, denn wir bieten ein internationales Markenportfolio und übernehmen das Handling für die Handelspartner aus einer Hand. Eine spannende Herausforderung ist der Umgang mit unseren Markenpartnern, denn da ist vom kleinen Familienunternehmen bis zum großen Konzern alles vertreten. Die Ansprüche der Unternehmen sind dementsprechend auch verschieden. Die Kleinen sind oft zufrieden, wenn die grundsätzliche Distribution in Deutschland gelingt. Anschließend sitzen wir mit den Vertretern eines Konzerns mit vielen Marken zusammen, die sehr detaillierte und komplexe Vorstellungen und Anforderungen haben. Diese Mischung macht den Job sehr abwechslungsreich.

Was sind die größten Herausforderungen derzeit?
Nickenig:
Es gibt Preissteigerungen an allen Fronten, die wir durch unsere Position aus erster Hand mitbekommen – und die wir natürlich auch weitergeben müssen. Der Spielraum ist eng. Dazu kommt, dass es in erster Linie darum geht, die Supply Chain aufrechtzuerhalten und alle Bestände immer im Blick zu haben. Bei dem einen Zulieferer fehlt es an Verpackungsmaterial, bei dem anderen an Rohstoffen; diese Problematik ist in den vergangenen Monaten durch die anhaltendende Pandemie und die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine exponentiell gestiegen.

Gibt es Sortimente, die mehr betroffen sind als andere?
Nickenig:
Bei den Rohstoffen trifft es die Süßgebäck-Hersteller durch die Engpässe zum Beispiel bei Weizen und den pflanzlichen Ölen besonders. Im Bereich der Verpackungen fallen mir Weißblechdosen ein, deren Verfügbarkeit stark eingeschränkt ist; das merken wir an unserer eigenen Marke Scho-ka-kola. Aber auch Papierverpackungen beziehungsweise die Kartonagen für die Umverpackungen und sogar Paletten sind ebenfalls unter Druck. Das sind eigentlich banale Dinge. Vor zwei Jahren hätte noch niemand damit gerechnet, dass diese Engpässe entstehen – und vor allem so lange andauern. Ich bin jetzt fast 30 Jahren in dieser Branche tätig, aber so eng waren die Spielräume noch nie.

Genuport hat seit 2020 die Online-Aktivitäten deutlich ausgebaut. Wie geht es weiter?
Konstantin Lebens:
Scho-ka-kola ist ein fantastisches Beispiel für den Erfolg. Durch unsere Online-Optimierung ist dieser Klassiker zum Renner geworden. Auch der B2C-Shop für die Marke Multipower, welcher Ende 2021 Online ging, mit dem wir jetzt die Endkunden direkt beliefern, ist super angelaufen. Unsere positiven Prognosen für diesen Bereich sind eingetreten.

Wie funktioniert denn der Online-Aufschaltungsprozess?
Lebens:
Der Prozess funktioniert im Grunde genauso als würden wir im direkten Gespräch bei Rewe oder Edeka ein neues Produkt vorstellen – nur eben digital. Wie im stationären Handel gibt es auch im Online-Handel Jahresvereinbarungen. Online-Kunden schätzen es, wenn die Angaben zum Produkt präzise und auffällig sind. Je besser der Auftritt ist, desto höher sind die Bezüge. Im Back-End können wir alles hinterlegen, von Produktbildern und -beschreibungen bis hin zu Marketingkampagnen. Bei Produkten, die sich dafür eignen direkt an den Endkunden weiter versendet zu werden, wie beispielsweise unsere Riegel von Nature Valley, geht dieser Prozess noch schneller und dies spiegelt sich in den Umsätzen wider. Marmeladen oder Nussaufstriche im Glas laufen schwächer, eben weil das Handling der Verpackungen aufwendiger ist.

Wie steht Genuport derzeit da?
Nickenig:
2021 war kein leichtes Jahr; wir hatten Abgänge von Marken zu verzeichnen und sind trotzdem mit einem blauen Auge davongekommen. Wir haben bewusst kein Personal abgebaut, weil wir schon wussten, da kommt etwas Neues – ohne schon über Häagen Dazs und Nature Valley von General Mills und die Gebäcke von Bon Maman sowie unsere eigene neue Marke Pretzel Pete sprechen zu können. Das heißt: 2022 ist sehr gut angelaufen. Jetzt müssen wir die zusätzlichen Herausforderungen in der Lieferkette sowie der notwendigen weiteren Preiserhöhungen meistern, um an den positiven Jahresstart anknüpfen zu können.

Sie haben Häagen Dazs erwähnt, Valsoia hatten Sie schon vorher im Programm. Wird Eis ein neuer Schwerpunkt für Genuport?
Lebens:
Schaut man sich an, wie gut Häagen Dazs eingeschlagen hat, ist Eis eine signifikante Säule im Sortiment. Wir sind attraktiv für Eishersteller und das macht uns als Unternehmen stolz. Auch mit Valsoia sind wir schon seit 2017 gut vertreten. Diese Marke richtet sich an eine andere Premium-Zielgruppe und spricht Personen an, die sich noch bewusster ernähren möchten. Unser Fazit: Wir können diese Kategorie.

Werden Sie diesen Bereich ausbauen? Es gibt ja eine Fülle von jungen Marken, die Unterstützung im Vertrieb benötigen könnten ...
Lebens:
Erst einmal mal sind wir hochzufrieden mit Häagen Dazs und haben damit auch alle Hände voll zu tun, um dem Anspruch dieser Marke als Premiumprodukt gerecht werden.

Mit Valsoia haben Sie den veganen Trend vorweggenommen. Was muss Eiscreme derzeit können?
Nickenig:
Hier gibt es Parallelen zum Süßwarenmarkt. Bei Eis laufen die klassischen Sorten Vanille, Schoko, Haselnuss und Erdbeere nach wie vor am besten; diese bestimmen den Markt – abgerundet von Trends und Neuheiten. Trends im Eissegment sind sicher veganes Eis, aber auch Premiumeis im Becher für zuhause, das haben wir in der Pandemie gesehen. Der letztere ist für uns mit Häagen Dazs sehr interessant, weil wir damit saisonunabhängig sind. Einen weiteren Trend, den wir beobachten, sind die Markenkooperationen, insbesondere mit erfolgreichen Süßwarenmarken.

Wie hat sich Ihre Logistik durch die Kategorie Tiefkühlkost verändert?
Nickenig:
Wir haben mehr Läger geschaffen, das war der aufwendigste und kostenintensivste Schritt. Dabei haben wir sorgfältig den richtigen Logistikpartner gesucht, der in der Lage ist, das Handling mit uns gemeinsam zu stemmen. Der Rest war dann nur eine logische Folge daraus – bis hin zur Schulung unseres Außendienstes.

Werden Sie nach der Eiscreme jetzt in weitere Tiefkühlsortimente einsteigen?
Lebens:
Offen für weitere Sortimente sind wir immer. Natürlich prüfen wir, ob und wie wir eine neue Marke integrieren können, aber logistisch ist Tiefkühlkost kein Problem. Diese Kette haben wir bereits gut aufgebaut.

Wie sieht es aus mit einer Hinwendung zu gekühlten Produkten?
Lebens:
Unsere Tür für Anbieter aus aller Welt steht immer offen. Auch hier gilt, eine Marke muss zu uns passen.

Gibt es Wunschsortimente?
Nickenig:
Es gibt keine konkreten Wunschsortimente. Unter dem Strich müssen Marke, Produkte und Ansprechpartner zu uns passen und entsprechende Potentiale zur Weiterentwicklung aufweisen. Der zunehmende Kostendruck spielt uns möglicherweise neue Optionen in die Hände. Viele Unternehmen werden sich den Aufbau oder das Halten einer eigenen Organisation in Deutschland nicht mehr leisten können oder wollen.
Lebens: Unsere Markenlandschaft ist stetig im Wandel, es bleibt weiterhin spannend, so wie wir es in den vergangenen Jahren auch schon erlebt haben.

Was tut sich im Bereich Feinkost?
Lebens:
Wir sehen an diesem Sortiment, wie wichtig der ganze Bereich Italien für den deutschen Verbraucher ist. Im Jahr 2021 haben wir rund 20 bis 25 Prozent unseres Umsatzes mit italienischen Marken erzielt. Wir sind daher offen für die Zusammenarbeit mit weiteren Marken aus Italien, aber auch aus anderen Ländern.

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