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Kaffeeernte Wer zahlt?

Elena Kuss | 09. Oktober 2020
Kaffeeernte: Wer zahlt?
Bildquelle: Rodrigo Flores, unsplash

Kaffeekirschen konnten in vielen Anbauländern durch die Corona-Pandemie nur mit erhöhtem Aufwand geerntet werden. Während Lieferengpässe immer unwahrscheinlicher werden, bleibt die Frage nach dem Preis offen.

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In Honduras stehen die Farmer kurz vor der Kaffeeernte. Normalerweise unterstützen sich die Farmer gegenseitig, aber derzeit ist diese Bewegungsfreiheit durch die Corona-Pandemie stark eingeschränkt. Die Kleinbäuerin Olga Alvarado weiß noch nicht, ob sie in diesem Jahr überhaupt Erntehelfer haben wird. Derzeit kann sie nur auf die Unterstützung ihres Mannes bauen, der derzeit auch die Schul- und Ernährungskosten trägt. Alvarado ist Mitglied der Fairtrade-zertifizierten Genossenschaft Coaquil. Und sie war schon vor der Corona-Krise überzeugt, dass der Kaffeeanbau nur mit Fairtrade eine Zukunft hat. Der faire Handel verbessert die Lebensbedingungen von Kleinbäuerinnen und -bauern, indem er sie in ihrer Selbstorganisation und Professionalisierung stärkt und die Preisschwankungen am Weltmarkt durch stabile Mindestpreise abfedert. Dieses Minimum liegt, auch für die Organisation von Olga Alvarado, bei 190 US-Dollar für 50 Kilogramm Kaffeebohnen in Bio-Qualität inklusive der Fairtrade-Prämie. Im Jahr sind es an die 28 Einheiten, die die Kleinbäuerin auf ihren drei Hektar in Honduras ernten kann. Wer den Kaffee konventionell verkauft, bekommt aktuell deutlich weniger.

Der Weltmarktpreis für Kaffee ist niedrig. Zwar erholte er sich im September leicht. Trotzdem reicht es für die Bauern, die nur einmal im Jahr ihre Ernte einfahren können, nicht aus, sagt Claudia Brück, Vorstand von Fairtrade. „Die Kaffeeernte konnte in vielen Anbauländern nur unter großen Schwierigkeiten vorgenommen werden“, sagt Brück. Gleichzeitig macht Fairtrade nur fünf Prozent des Kaffeemarktes aus, kann also bei Weitem nicht alle Bestände der Bauern aufkaufen. Während der Corona-Pandemie hat die Kooperative Olga Alverado mit Masken und Desinfektionsmitteln ausgeholfen. Die finanziellen Mittel der Familie sind ausgeschöpft. Daher erwartet Alverado mit großer Sorge die nächste Ernte – verbunden mit der Hoffnung, dass der Preis die viele Arbeit auch wertschätzt.

Lieferengpässe unwahrscheinlich
Verarbeiter von Kaffee bunkerten zu Beginn der Corona-Pandemie Bohnen – und warnten vor Knappheit: Die zuverlässige Versorgung mit Kaffee sei möglicherweise nicht zu gewährleisten, hieß es beispielsweise bei Melitta. Susanne Wege, Geschäftsführerin von Lavazza Deutschland und Österreich, gibt sich im September optimistischer: „Der Schienentransport von Turin in Italien, wo der Großteil der Bohnen von Lavazza geröstet wird, nach Deutschland und Österreich läuft bisher ohne Probleme.“ Grund für den Optimismus gibt die in vielen Ländern gelaufene Ernte der Kaffeekirschen. Der Zeitdruck sei auf jeden Fall raus, sagt Claudia Brück von Fairtrade.

Kritisch sei nur der Zeitpunkt zwischen Ernte der Kaffeekirschen und Entnahme des Kerns, der späteren Kaffeebohne. Das müsse binnen 24 Stunden passieren, damit die Bohne dann getrocknet werden kann. „In Peru beispielsweise ist das bereits passiert und lief gut, zwar mit höhrem Aufwand, aber ohne Mengeneinbußen“, so Brück. Die brasilianische Statistikbehörde IBGE veröffentliche beispielsweise im Juli eine Schätzung zur laufenden Kaffeeernte 2020/21 in Brasilien von 59 Millionen Sack, einem üblichen Ergebnis. Das Problem sei nun der Transport, sagt Brück.

Auch die Internationale Kaffeeorganisation ICO, in der sich wichtige Export- und Importländer zusammengeschlossen haben, berichtet von Sorgen um die kurzfristige Verfügbarkeit von Arabica-Kaffee. Schon im Februar waren laut ICO die Exporte aus Kolumbien um rund 13 Prozent zurückgegangen. Die Organisation führt dies etwa auf einen Mangel an Seecontainern zurück.

„Ich denke, der Lebensmittel-Einzelhandel in Deutschland muss sich keine Sorgen um Lieferengpässe machen“, sagt Brück. Anders sehe es mit dem Preis aus. Auch bei Fairtrade stehen die üblichen Preisverhandlungen an. „Ich kann mir vorstellen, dass wir da etwas tut müssen“, sagt Brück. Sie vermutet, dass die deutschen Konsumenten noch nicht 2021, aber 2022 mit steigenden Preisen für ihr Lieblingsgetränk rechnen müssen.

Kaffeesteuer aussetzen
Im Moment profitieren die Röster noch von der gestie‧genen Nachfrage nach Kaffee während der geltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Im März und April dieses Jahres sei der Konsum um rund drei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen, teilte der Deutsche Kaffeeverband mit.

Während in den Cafés und Restaurants 76 Prozent weniger Tassen Kaffee getrunken wurde, stieg der Konsum zu Hause um 20 Prozent. Fairtrade verzeichnete beispielsweise ein Absatzplus von zehn Prozent.

Um den gestiegenen Kosten gerecht werden zu können und gleichzeitig im Regal nicht teurer werden zu müssen, fordert Fairtrade dazu auf, die Kaffeesteuer für faire Produkte fallen zu lassen. „Unsere Forderung wird vom Entwicklungs- und vom Arbeitsminister unterstützt“, sagt Brück. Die Entwicklungsorganisation One startete dazu gemeinsam mit den Schwestern Sara und Sali Nuru von Nuru Coffee die Kampagne „Fairness darf kein Luxus sein“.

Die Kaffeesteuer, für Röstkaffee 2,19 Euro je Kilogramm und für löslichen Kaffee 4,78 Euro je Kilogramm, entfallen zu lassen, würde den Konsum von fairem Kaffee ankurbeln. Bei fair gehandeltem Kaffee werde der Kaffeeproduzent fair bezahlt und Sozial- und Umwelt-standards beachtet. Schaffe die Bundesregierung die Kaffeesteuer für fairen Kaffee ab, komme Deutschland den Globalen Nachhaltigkeitszielen ein Stück näher, argumentiert die Organisation. Die Petition der Kampagne richtet sich an den Finanzminister Olaf Scholz.
Nachhaltige Standards wie Rainforest Alliance sollen der Forderung nach nicht von der Steuer befreit werden. „Entscheidungskriterium sollte sein, dass der Preis am Regal auch soziale Ausgaben deckt“, erklärt Fairtrade-Vorstand Brück.

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