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Snacking Die „Snackification“ ist im vollen Gange

Andrea Kurtz | 08. Juli 2020
Snacking: Die „Snackification“ ist im vollen Gange
Bildquelle: Getty Images

Bis vor der Corona-Pandemie sah es so aus, als sei die gemeinsame Mahlzeit zuhause passé und der schnelle Snack das Mittel der Wahl. Das hat sich kaum geändert: In Homeoffice wurde weiter gesnackt.

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Das persönliche Essverhalten hat immer mehr an Bedeutung gewonnen und ist zu einem echten Lifestyle-Thema geworden. Daran hat auch die aktuelle Corona-Pandemie nichts geändert; im Gegenteil: Essen sei ein Ausdruck der eigenen Werte und zunehmend eine individuelle Entscheidung, die sich nach dem eigenen Lebensstil und der persönlichen Sicht auf die Welt richte, beschreibt es Food-Trend-Expertin Hanni Rützler in einem Interview.

Gesundheit bestimmt den Trend
Einer der weltweit wirksamsten und gerade in der Krise besonders robuster Megatrend ist laut Hanni Rützler das Thema Gesundheit: „Trotz oder gerade in der Krise ist dieser nämlich besonders wichtig: Im entschleunigten Alltag gewinnen die Trends an Gewicht, die den Menschen zuhause einen differenzierten Genuss und eine ausgewogene und gesundheitsbewusste Ernährung bieten.“ Das gelte auch für Snacks und erkläre, warum Nüsse und Hülsenfrüchte eine große Rolle spielen. „Gutes Snacking ist im Trend und spricht jeden an, der bei To-go-Produkten viel Wert auf auf eine ausgewogene Ernährung und einen gesunden Lebensstil legt“, betont auch Made-Good-Pressefrau Petra Schönfeld.

Vor allem Verbraucher über 55 Jahren schauen – so die Mintel-Studie – offenbar nach Lebensmitteln mit niedrigem Zuckergehalt – im Vergleich sind es bei den deutschen der Generation Z nur 36 Prozent, die auf diesen Aspekt achten. „Der sicherste Weg, um auf das Verbraucherinteresse nach gesünderen Snacks zu reagieren und gleichzeitig die Regierungsziele für niedrigere Zucker-, Salz- und Fettwerte in Lebensmitteln einzuhalten, besteht darin, gesunde und dennoch glaubhafte Alternativen zu entwickeln, die den Verbrauchern die Snackauswahl potenziell erleichtern“, empfiehlt Heidi Lanschützer, Food & Drink Analystin bei Mintel.

Corona als Kategorietreiber
Insgesamt, so belegen die Nielsen-Zahlen für die vergangenen Wochen, stehen und standen mit rund plus zehn Prozent salzige Snacks, darunter in erster Linie die Edelnüsse, beim Verbraucher hoch im Kurs. Zuhause wurde offenbar genauso viel – oder sogar noch mehr – gesnackt als zuvor unterwegs. Und das auch in Bio: „Bei unseren Snacks haben wir auch während der Corona-Zeit eine deutlich erhöhte Nachfrage wahrgenommen“, so Dennis Lange, Marketingleiter der Bio-Zentrale. „Wir erwarten, dass dieser Trend zu Bio-Snacks auch mittel- bis langfristig weiter anhält.“

Vegan Boomt
Weiteren Aufwind im Snack-Regal bringt der Trend zu veganen Produkten. Waren 2015 gerade einmal ein Zehntel (neun Prozent) aller Snackeinführungen als vegan ausgezeichnet, hat sich dieser Anteil im letzten Jahr auf 17 Prozent fast verdoppel, so das Marktforschungsinstitut Mintel. „Dies kann darauf zurückzuführen sein, dass 38 Prozent der Deutschen selbst bei der Snackauswahl Umweltbelange berücksichtigen“, so Lanschützer. Gutes Beispiel sind für die Marktforscherin die aktuellen Energieriegel: Während 2015 ein Fünftel (22 Prozent) aller Energieriegel als vegan ausgezeichnet waren, stieg dieser Anteil vergangenes Jahr auf 34 Prozent.

„Im Snackbereich sehen wir ein stetiges Wachstum, wobei der Trend im Bereich der herzhaften Snacks weggeht vom klassischen Kartoffelchip hin zu alternativen Chipssorten und Snacks mit Mehrwert“, so Dennis Lange, für den sich Bio bei Snacks als gleichberechtigtes Sortiment etabliert hat. Sehr gut von den Verbrauchern würden derzeit beispielsweise Gemüse- bzw. Tortilla Chips als Alternative zur klassischen Variante aus Kartoffeln angenommen; wie auch Mini Maiswaffeln, die im Gegensatz zu normalen Chips nicht frittiert sind.

Bio und Protein hoch im Kurs
Neben veganen Snackneuheiten haben auch proteinreiche Produktinnovationen Wachstum verbuchen können: Gerade einmal zwei Prozent aller gelaunchten Snackeinführungen 2015 warben mit einer proteinreichen Rezeptur, 2019 taten dies immerhin sieben Prozent, hat Mintel ermittelt. Obwohl die Neuproduktentwicklung bei Snacks auf Basis von Bohnen und Hülsenfrüchten noch einen sehr geringen Anteil ausmacht (weniger als ein Prozent aller Snacklaunches beinhalteten Bohnen oder Hülsenfrüchte in 2019), weisen Snacks mit diesen Inhaltsstoffen Wachstumspotenzial auf.

Vor allem Hülsenfrüchte scheinen weiter im Kommen. So wurde die Sojabohne vergangenes Jahr in 3,4 Prozent aller Snackeinführungen verwendet, Erbsenprotein in 0,9 Prozent und Kichererbsenmehl in 0,2 Prozent aller Lancierungen. Bei Bohnen scheinen Hersteller zwar noch etwas zaghaft zu sein, dennoch lässt sich auch hier eine leichte Wachstumsdynamik beobachten – von 0,2 Prozent aller Neuprodukte auf Bohnenbasis in 2015 stieg der Anteil jener Snacks in 2019 auf 0,7 Prozent.
Flexiblere Arbeitswelten haben zudem den Foodtrend „Snackification“ hervorgerufen, ist Rützler überzeugt. Dieser werde das Ende der klassischen Mahlzeiten einläuten, die stattdessen von mehreren Minimahlzeiten ersetzt werden. Dass während der Corona-Krise dieser Trend etwas ins Wanken geraten sei, weil Menschen wieder vermehrt zu den klassischen und strukturgebenden Mahlzeiten zurückgekehrt seien, ist für Hanni Rützler ein vorübergehendes Phänomen: „Eine Rückkehr ins kulinarische Biedermeier und eine Renaissance der Drei-Gänge-Menüs ist damit im Alltag aber nicht automatisch verbunden.“ 43 Prozent der deutschen Verbraucher erachten Snacks aufgrund ihres geschäftigen Lebensstils „für unverzichtbar“, bestätigen die Mintel-Marktforscher.

Das Ende der klassischen Mahlzeit
Mondelez-Geschäftsführer Fridolin Frost geht sogar noch einen Schritt weiter. Er betont, dass der Verbraucher heute immer auf der Suche nach dem richtigen Snack, zum richtigen Zeitpunkt, auf die richtige Art und Weise hergestellt, sei. Mondelez hat deshalb schon zu Beginn des Frühjahrs einen eigenen Unternehmensbereich entwickelt, für neue kreative Snack-Lösungen und die Förderung von Startups. Frost verspricht sich davon, dass sich beide Unternehmensbereiche befeuern. Auch bei ihm steht Gesundheit beim Snacken hoch im Kurs. „Die Fokusbereiche von SnackFutures sind Well-being (Snacks und Zutaten für das Wohlbefinden), Premium (hochwertige Snacks und Zutaten) sowie digitale Plattformen“, erklärt er.

Saisonanlässe lösen sich auf
Mit seinem ersten Ganzjahres-Lebkuchen bringt das Nürnberger Traditionshaus Wicklein einen eigentlich saisonalen Snack für alle Fans immer in die Regale. Der Gebäckhersteller hat aus der alljährlichen Diskussion, ab wann es Lebkuchen geben soll, gelernt. „Genuss hat immer Saison“, erklärt Wicklein-Geschäftsführer Dr. Jürgen Brandstetter. „Ursprünglich wurden Nürnberger Lebkuchen nicht nur für die Weihnachtszeit hergestellt, sondern immer, wenn es etwas zu feiern gab: Die exotischen Gewürze wie Zimt, Kardamom oder Piment, der seltene Honig sowie die teuren Nüsse sollten die Besonderheit des jeweiligen Anlasses verdeutlichen. Wegen seiner guten Haltbarkeit diente der Lebkuchen den Mönchen auch als nahrhafte Klosterspeise.“ Die Mini-Elisen-Lebkuchen heißen daher auch „Every Day“ und können auch als Unterwegs-Snack eine neue Rolle einnehmen. „Wir greifen mit unserer Produktidee einen uralten Brauch wieder auf“, so Brandstetter.

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