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Fruit Logistica Trocken bis heiter

Stefanie Aue | 10. März 2020
Fruit Logistica: Trocken bis heiter
Bildquelle: Volkmar Otto

Anbau und Handel von Obst und Gemüse stehen jedes Jahr zur Fruit Logistica im Mittelpunkt der Messe. Aktuelle Zahlen zeigen, wie sich Wetter, Importe und Handelsbeziehungen auf den deutschen Markt auswirken.

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Mit 3.300 Ausstellern und 72.000 Besuchern profilierte sich die Fruit Logistica in diesem Jahr erneut als führende Leitmesse der Obst- und Gemüsebranche. Im Fokus standen Themen rund um Nachhaltigkeit und Innovation. Die Fachbesucher aus 130 Ländern konnten sich unter anderem über ökologisch-soziale Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette, Verpackungsreduktion und Vertical Farming eingehend informieren.

Präsentiert wurden insbesondere auch die Chancen, welche sich durch das Engagement bieten, und wie die zusätzlichen Bemühungen für Unternehmen lukrativ sein können. Ziel der Exporteure des diesjährigen Partnerlandes Ecuador – aber auch aller übrigen Großexport-Länder – ist es, vor allem neue Märkte in Europa zu erschließen sowie die gestandenen Märkte weiter zu stabilisieren

Ernteeinbußen durch Trockenheit
Der größte klimatische Einflussfaktor der letzten zwei Jahre war die sommerliche Trockenheit. Diese war 2019 jedoch weniger stark ausgeprägt als im vorangegangenen Jahr. Dennoch reichte dies aus, um der Gemüseproduktion einen Dämpfer zu verpassen. Insbesondere Herbstgemüse wie Zwiebeln, Karotten und Kohl waren von der Trockenheit betroffen. Dies ist umso einschneidender, da diese Sorten einen Großteil des in Deutschland produzierten Gemüses ausmachen. Dennoch konnten einige Regionen vom Regen im September und Oktober profitieren, was unter anderem dazu führte, dass die Ernte höher ausfiel als 2018.

Nach einer sehr schwachen Obsternte in 2017 erreichte die Obstproduktion 2018 einen Rekordstand von knapp 1,5 Millionen Tonnen. Die Frostschäden in 2017 hatten die Ernte auf 0,8 Millionen Tonnen reduziert. In 2019 konnte das Hoch von 2018 jedoch nicht erreicht werden. Die Hitzewelle im vergangenen Juni sorgte beim Obstanbau für Ertragseinbußen. Insbesondere der Apfelanbau erwirtschaftete, unter anderem aufgrund des heißen Sommers, geringere Erträge.

Importe bedienen Beerenboom
Nur wenige Obstsorten werden in nennenswerten Mengen in Deutschland angebaut. Äpfel machen etwa 75 Prozent der gesamten deutschen Obsternte aus. Darauf folgen Erdbeeren. Und obwohl der Markt für Beeren boomt, stagniert deren Anbau hierzulande. Die Nachfrage der deutschen Verbraucher nach Heidelbeeren und insbesondere nach Himbeeren wurde 2019 größtenteils durch Importe gedeckt. Heidelbeeren steigen kontinuierlich in der Gunst der Konsumenten. Nie zuvor haben deutsche Haushalte mehr für die runden Früchtchen ausgegeben als im vergangenen Jahr. Gleichzeitig expandiert die globale Soft Fruit-Industrie, was größere Mengen auf den deutschen Markt schwemmt und die Preise unter Druck setzt.

Dass Heidelbeeren stetig an Beliebtheit gewinnen, kann auch die AMI bestätigen. „Der Boom des Heidelbeermarktes kennt keine Grenzen mehr. Steigende Mengen aus Übersee und zahlreiche Angebotsaktionen befeuern die Nachfrage“, fasst Claudio Gläßer, Marktexperte Gartenbau bei der AMI, zusammen. Mit 31 Werbeaktionen in den Prospekten der Ketten und Regionalgesellschaften erreichten Heidelbeeren in Kalenderwoche sechs dieses Jahres einen Wert, der sonst für die werbeintensivsten Wochen während der deutschen Saison typisch ist. Gleichzeitig sanken die Preise im Vergleich zur Vorwoche, was den Marktexperten veranlasst von einer steigenden Nachfrage auszugehen.

Der überwiegende Teil der Heidelbeeren wird derzeit aus Chile und Peru importiert. Die Nachfrage wird hauptsächlich durch die in der chilenischen Saison geernteten Früchte gedeckt und von der peruanischen Ernte unterstützt. Der peruanische Exportverband Adex teilte mit, dass die Heidelbeerexporte im Jahr 2019 um über 50 Prozent zum Vorjahr gestiegen sind (Quelle: AMI). Ab Ende Februar werden nennenswerte Heidelbeermengen aus Marokko und Spanien erwartet.

Weniger aus dem Ausland
Trotz zahlreicher Einfuhren, fielen deutsche Importe in 2019 etwas geringer aus als in 2018. Mit Gemüse versorgen wir uns zu 36 Prozent selbst (frisch und verarbeitet). Wohingegen die in Deutschland verzehrten Früchte lediglich zu 15 Prozent auch hierzulande angebaut werden. Dauerbrenner bei den Importen sind Bananen, von denen rund 1,3 Millionen Tonnen dieses Jahr nach Deutschland eingeführt wurden (gesamte Obstimporte 5,3 Millionen Tonnen). Aber auch Melonen, Zitrusfrüchte und Exoten stehen hoch im Kurs. Beim Gemüse sind es vor allem Tomaten (0,7 Millionen Tonnen), Gurken (0,5 Millionen Tonnen) und Paprika (0,4 Millionen Tonnen), die den Verbrauchern aus dem Ausland angeboten werden. Insgesamt wurden 2019 3,3 Millionen Tonnen Gemüse nach Deutschland importiert.

Im europäischen Vergleich sind Deutschland, Frankreich und Großbritannien die EU-Länder mit dem höchsten Import. Doch verglichen mit vielen anderen kleineren europäischen Staaten, wächst der Import in diesen Ländern kaum. Größter EU-Exporteur von frischem Obst und Gemüse ist Spanien. Hier kommen vor allem Kernobst, Beeren und Tafeltrauben her, aber auch Zitrusfrüchte und Gemüse.

Top-Thema Brexit
Einen Ausblick auf die Top-Themen der Obst- und Gemüsebranche gab es auf der Fruit Logitica Media Preview. Dort waren neben den Themen Klimawandel, Nachhaltigkeit und Verpackung vor allem auch der Brexit und die Handelsbeziehungen zu den zukünftigen Ex-Europäern ein Gesprächsthema. Philippe Binard, General Delegate bei Freshfel Europe, der European Fresh Fruit and Vegetables Association, erwartet bis Ende 2020 nur wenige Änderungen in den Handelsbeziehungen zu Großbritannien. Und darüber hinaus? „Wir streben ein Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union an“, so Binard. Letztendlich wird das Vereinigte Königreich jedoch weiterhin von Importen abhängen. Und der europäische Kontinent wird dabei einer der wichtigsten Handelspartner für Obst und Gemüse bleiben.

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