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WPR Saubere Sache für die Umwelt

Susanne Klopsch | 09. Oktober 2015

Phosphate haben ab 2017 nichts mehr in den Formeln der Geschirrspülreiniger verloren. Eine Herausforderung für die Branche, wie ein Test zeigt.

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An der Deadline gibt es nichts zu rütteln: Ab Januar 2017 dürfen nach einer Richtlinie EU-weit die an Privatverbraucher verkauften Maschinen-Geschirrspülmittel maximal nur noch 0,3 g Phosphor (der Basisstoff für Phosphate) pro Standardspülgang enthalten. Das ist allerdings eine derart geringe Menge, dass dies einem Verbot gleichkommt, denn „der Einsatz von Phosphat ist dann nicht mehr sinnvoll“, wie es beim IKW heißt, dem Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel.

Derzeit enthalten Spültabs im Schnitt 2,25 g Phosphor, das sind 9 g Phosphat – sie machen damit fast 40 Prozent eines Tabs aus. Phosphate haben fatale Auswirkungen auf unsere Gewässer (mehr dazu im Kasten auf S. 80). In Waschmitteln sind sie schon lange tabu, weswegen ihr Verbrauch (und damit die Gewässerbelastung) schon im Jahr 1993 drastisch gesunken ist. Die immer stärkere Verbreitung von Geschirrspülmaschinen in den Haushalten hierzulande führte seit Jahren aber nun wieder zu einem Anstieg des Verbrauchs. Ihn soll die 2013 von der EU verabschiedete Neuregelung eindämmen. Um eine Hausnummer zu nennen: Laut Nielsen werden in Deutschland im LEH jährlich rund 390 Mio. Euro für Maschinengeschirrspülmittel ausgegeben.

Auf die Hersteller von Geschirrspültabs kam damit eine ziemliche Herausforderung zu. Sie bleibt es bis heute. Denn Phosphate sind wahre Tausendsassa und sorgen zuverlässig für sehr gute Reinigungsergebnisse bei den Geschirrspülmitteln (mehr dazu im Kasten auf S. 80). Und noch 2010 fielen die phosphatfreien Reinigungsmittel für Geschirrspüler bei der Stiftung Warentest durch. Nach einem erneuten Test in diesem Jahr ließ sich in der Mai-Ausgabe 2015 der Projektleiter Konrad Giersdorf allerdings zur Aussage hinreißen: „Unser Testergebnis ist eine kleine Sensation.“ Denn mit den von der Fit GmbH aus Zittau hergestellten „Fit Power Tabs 12“ für den Geschirrspüler gibt es erstmals einen Sieger, der mit einer Formel ohne Phosphate überzeugend reinigt und die Maschine schont. Mit auf dem Siegertreppchen steht Somat Gold von Henkel , das im Test die beste Reinigungsleistung hatte. Da zum Enthärten des Wassers aber Phosphate eingesetzt werden, gab es von der Stiftung Warentest Abzüge bei den Umwelt-Eigenschaften. Beide Produkte erreichten die Gesamtnote 2,2.

Mittelständler Fit kann nach jahrelangen Forschungen, so Marketingleiter Markus Jahnke, seine Maschinengeschirrspülmittel bereits seit 2014 komplett phosphatfrei produzieren. Die Zittauer setzen auf Methylglycindiessigsäure (MGDA). Diese verhindere Kalkablagerungen und ist laut Umweltbundesamt zudem noch leicht biologisch abbaubar.

Für Fit ist das Ergebnis der Warentester Gold wert: „Wir konnten nach der Veröffentlichung auch einige neue Listungen im Handel erzielen“, sagt Jahnke, „insgesamt ist der Umsatz der Fit Power Tabs 12 damit um fast 50 Prozent gewachsen.“ Im Rahmen einer Funk-Werbekampagne wurden die Verbraucher über das Phosphat-Verbot und die Produkte, die Fit als Alternative anbietet, informiert. Broschüren, die den Packungen beiliegen, vermitteln Wissenswertes über das Thema Phosphat. Diese Infos sind auch online via QR-Code auf der Packung abrufbar.

Mit dem Qualitätsurteil 2,4 der Stiftung Warentest, und damit ebenfalls mit dem Prädikat Gut, absolvierten auch die „Fit Grüne Kraft Tabs Alles in 1“ die Untersuchung. Bereits seit 2008 werden die Produkte der Range „Grüne Kraft“ auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Die Tabs sind damit ebenfalls phosphatfrei.

Bei Mitbewerber Henkel ist man in gleicher Weise stolz auf das gute Ergebnis für Somat Gold – das allerdings Phosphat enthält. „Selbstverständlich werden wir unsere Maschinen-Geschirrspülmittel bis spätestens 2017 auf phosphatfreie Rezepturen umstellen“, sagt Stephan Füsti-Molnar, Geschäftsführer Henkel Wasch- und Reinigungsmittel Deutschland. „Wie Sie sich jedoch vermutlich vorstellen können, haben wir den Anspruch, dass auch die neue Somat-Generation ohne Phosphat die besten Reinigungsergebnisse erzielen wird.“ An dieser Formel werde weiter geforscht. Im Test hatten die Tabs der Düsseldorfer das beste Reinigungsergebnis geliefert – für Henkel die entscheidende Messlatte.

Die Hausaufgaben in Sachen Phosphat gemacht hat auch dm : Die Karlsruher haben mit „Denkmit Nature“ ebenfalls ein Gut bei der Stiftung Warentest erreicht (2,3). Die Tester lobten auch hier die insgesamt guten Reinigungsergebnisse. Schon seit 1996, als das Unternehmen die ersten Spülmaschinentabs auf den Markt brachte, ist für das belgische Unternehmen Ecover Phosphat tabu. Seit 2010 werden in den Tabs Zellstoff-Tenside eingesetzt, die auf Basis von Stroh hergestellt werden. So unterschiedlich die Lösungen auch sind – sie kommen alle der Umwelt zugute.

Beträgt aktuell nach einer Schätzung des Bundesumweltamtes der Verbrauch von Phosphor im Haushaltsbereich. Dies sei vor allem auf die weite Verbreitung von Geschirrspülmaschinen in Privathaushalten zurückzuführen.

Phosphat hat in Gewässern nichts zu suchen. Doch die Menschheit braucht es dennoch.

Phosphate sorgen in Maschinen-Geschirrspülmitteln für weiches Wasser, lösen Kalkbeläge, unterstützen die Waschwirkung von Tensiden, binden Schmutz in der Lauge. In Flüssen oder Bächen wirken sie laut Umweltbundesamt (UBA) als Pflanzennährstoff: Algen wachsen, der Sauerstoff im Gewässer reduziert sich, in der Folge sterben Fische. Waschmittel kommen schon viele Jahre ohne Phosphate aus. Aktuell ist laut UBA aber der Phosphatverbrauch durch die Verbreitung von Geschirrspülern hierzulande von 4.000 t 1993 auf bis zu 25.000 t gestiegen. 2013 schob die EU daher mit ihrer Richtlinie, die 2017 greift, einen Riegel vor.

Phosphat ist zudem eine endliche Ressource und wird meist im Tagebau gewonnen. Die steigende Weltbevölkerung wird den Bedarf an Düngern für die Landwirtschaft weiter steigen lassen – diese basieren oftmals auf Phosphat.

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