Anzeige

Regional-Star 2016 Mit Herz und Verstand

Bettina Röttig | 16. Februar 2016

Die Vermarktung heimischer Produkte verspricht eine starke Kundenbindung, bringt jedoch einen hohen Aufwand mit sich. Wie man mit innovativen, zukunftsfähigen Konzepten Geld verdient, zeigen die Regional-Stars 2016.

Anzeige

Sechs Wochen lang drücken erfahrene Verkäufer im Westen Deutschlands noch einmal freiwillig die Schulbank. Ihr Ziel: jedes Detail zum Regionalmarkenprogramm ihres Unternehmens verinnerlichen, um alle Fragen von Kunden beantworten zu können. Derweil werden im Süden der Republik alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Kunden hochwertigste Bio-Produkte aus der Gegend und Öko-Bauern neue Vermarktungschancen in der Region zu bieten. Während Händler und Landwirte im Nordosten, am Niederrhein sowie in der Mitte Deutschlands partnerschaftlich die Zucht von robusten Nutztierrassen vorantreiben, die an regionale Lebensbedingungen angepasst sind, eine Alternative bieten zu Fleisch-Importen aus Übersee oder den Verbraucherwunsch nach garantiert gentechnikfreiem Fleisch bedienen.

Landauf, landab stellen Lebensmittelhandel, -industrie und Landwirtschaft Außergewöhnliches auf die Beine, um den wachsenden Hunger der Verbraucher auf heimische Spezialitäten zu stillen, die Wahrnehmung der Produkte im Supermarkt zu stärken und die eigene Region zu unterstützen. Das stellen die ersten Preisträger der Auszeichnung „Regional-Star“ eindrucksvoll unter Beweis.

Gemeinsam hatten die Lebensmittel Praxis und Internationale Grüne Woche Berlin im Herbst zur Teilnahme an dem neuen Branchenwettbewerb aufgerufen. Gesucht wurden die überzeugendsten Konzepte aus Handel, Industrie und Landwirtschaft, die unter nachhaltigen Aspekten (ökonomisch erfolgreich, ökologisch sinnvoll und sozial verantwortlich) die Vermarktung regionaler Produkte voranbringen – und der Branche als Best-Practice-Beispiele und Inspirationsquellen dienen können.


Und keine Frage: Inspirierend sind die Konzepte und deren Gestalter, die es am 19. Januar in Berlin auf die Bühne geschafft hatten und von ihren Kollegen, aber auch Wettbewerbern gefeiert wurden. In vier Kategorien (Kooperation, Präsentation, Innovation sowie Organisation) hatte die Experten-Jury jeweils Platz 1 bis 3 vergeben. Vorangegangen war ein mehrstufiger Auswahlprozess, der sich bis zum Tage der Preisverleihung hinzog. Mehrere Stunden nahm sich das Gremium an diesem Tag Zeit, um die Vertreter der zwölf Nominierten noch einmal persönlich auf Herz und Nieren zu prüfen. Live und spontan galt es, die letzten offenen Fragen zu beantworten und vor allem herausragendes Engagement und Herzblut zu beweisen. Dabei wurde so manches vorgefertigte Ranking noch einmal komplett durcheinandergewürfelt.

Der Auftritt vor der Experten-Jury gab den Ausschlag
Auf die Spitzenplätze wählten die Experten die aus ihrer Sicht konsequentesten, innovativsten und zukunftsfähigsten Konzepte. In der Kategorie Innovation (innovative Produkte und Konzepte regionaler Prägung, die maximal zwei Jahre am Markt sein durften) überzeugte die Block Foods AG mit ihrem Rinderaufzuchtprogramm. Gemeinsam mit Partnerbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern hat die AG die Zucht der Rasse Uckermärker unter Tierwohl_Aspekten aufgebaut. Damit sichert sich der Fleisch-Spezialist eine regionale, hochwertige Alternative zu Fleisch-Importen aus Argentinien und Uruguay – und den ersten Platz im Wettbewerb Regional-Star. Vermarktet wird das Qualitätsfleisch über Famila-Märkte.

Auch der zweite Platz wurde für ein Fleisch-Konzept vergeben. Das Frischecenter Komp sicherte sich die Auszeichnung für das Weseler Landschwein Obrighovico, eine neue Züchtung des Landwirts Holger Vens aus Obrighoven. Hochwertige Fleischqualität ist dabei garantiert. Aufzucht und Schlachtung sowie die Vermarktung der Tiere über Komp erfolgen in einem Umkreis von rund 6 km. Mit Granit Bavarian Gin, einem Wacholderbrand auf Basis bayerischer Kräuter, Beeren und anderer Pflanzen, gefiltert mit heimischen Granitkieseln, überzeugte die Alte Hausbrennerei Penninger und schaffte es auf Rang 3.

In der Kategorie Präsentation (Praktische Umsetzung eines Regionalkonzepts im Supermarkt) vergab die Jury den ersten Platz an die Rewe Richrath Supermärkte. Um den Auftritt der eigenen Regionalmarke WIR aus der Region – Kurze Wege, langer Genuss – am PoS zu perfektionieren, investieren die Kaufleute Lutz und Peter Richrath in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu regionalen Fachverkäufern. Sechs Wochen lang werden die Teilnehmer in einem zertifizierten Trainingsprogramm fit gemacht zum Thema heimische Lieferanten und Produkte. Auf den zweiten Rang kamen die Habig Supermärkte mit ihrer Jahres-Promotion Regional ist optimal. Für sein ausgeklügeltes Kennzeichnungs- und Informationssystem unter dem Namen Regional Produkt wählten die Experten Edeka Kempken auf den dritten Rang.

Pokal und Urkunde für den Spitzenplatz in der Kategorie Organisation (Aktionen und Konzepte von absatzfördernden Vereinigungen bzw. Regionalvermarktungsorganisationen) erhielt die Bio-Region-Niederrhein, ein Zusammenschluss von 34 Bio-Erzeugern und -Vermarktern. Die Jury überzeugte die konsequente Vermarktungsstrategie ausschließlich über Direktvermarkter.

Das Gremium wählte darüber hinaus den Harzer Tourismusverband (Typisch Harz) auf Platz 2 und die Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft (Kulinarischer Botschafter Niedersachsen) auf Platz 3.

Unter LandPrimus bietet das Handelsunternehmen Tegut konventionelles, gentechnikfreies Schweinefleisch aus der Rhön und dem Vogelsberg an. Die Übernahme und Ausweitung des Programms – sowohl geografisch als auch gattungsspezifisch – war der Fach-Jury die Auszeichnung Regional-Star in Gold in der Kategorie Kooperation (Konzepte, die auf eine Zusammenarbeit zwischen Handel und Produzenten bzw. Landwirten setzen) wert. Ebenfalls auf dem Treppchen standen die Edeka Handelsgesellschaft Südwest für das Demeter Bio-Heumilch-Sortiment der Regionalmarke Unsere Heimat – echt & gut sowie Konsum Dresden für die Promotion Heimatwoche 2015 als Teil des Projekts Hier ist Heimat.