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HIT 2020 Produkt-Innovationen im „New Normal“

Markus Wörmann | 08. August 2020
HIT 2020: Produkt-Innovationen im „New Normal“
Bildquelle: Getty Images

Was bringt die Nach-Corona-Zeit an Innovation? Wonach verlangen die Kunden aktuell? Ein kleiner Ausblick in die „Neue Normalität“ mit mehr Convenience und Fleischalternativen.

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Turbulente Zeiten liegen hinter Deutschland, Europa und der ganzen Welt. Ein Virus hat ganze Wirtschaftszweige in eine Rezession gestürzt und prägt immer noch den Alltag vieler Menschen. Doch es scheint wieder aufwärts zu gehen. So stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex im Juni auf 86,2 Punkte, nach 79,7 Punkten (saisonbereinigt) im Mai. Dies sei der stärkste jemals gemessene Anstieg, heißt es vom Ifo-Institut, das regelmäßig die Stimmung in den deutschen Chefetagen erfragt.

Der Rückblick auf die deutschen Foodhersteller ist bei aller ausgelobten Systemrelevanz getrübt: Im April verzeichnete die Branche einen Umsatzrückgang von 5,1 Prozent im Vorjahresvergleich, so die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Hätten die Erzeugerpreise im In- und Ausland nicht gleichzeitig leicht zugelegt, wäre das Absatzminus von 7,5 Prozent voll zum Tragen gekommen. Der kalender- und saisonbereinigte Produktionsindex sank laut BVE sogar deutlich um 15,6 Prozent im Vorjahresvergleich. Zahlen, die man bis dato nicht kannte.

Starker Trend zu Convenience
Doch wie im Gesamtklima richten auch die Lebensmittelhersteller den Blick lieber nach vorn, beispielsweise die Rügenwalder Mühle. „Wir haben bereits vor Corona den generellen Trend zu Convenience erkannt und unser Sortiment und unsere F&E-Aktivitäten darauf ausgerichtet“, schildert Michael Hähnel, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Rügenwalder Mühle. Infolge der Corona-Pandemie würde der Verbraucher nun häufiger zu Hause essen und selbst kochen. „Insbesondere conveniente Produkte, die sich schnell und unkompliziert im Homeoffice und beim Home-Schooling zubereiten lassen, sind hier gefragt“, weiß Hähnel.

Das Segment „vegetarische und vegane Alternativen“ wurde in der aktuellen HIT-Befragung 2020 als eines der innovativsten Felder bewertet. „Ein Schwerpunkt sind hier Produkt-Innovationen, die den Verbraucher an neuen Touchpoints erreichen“, erläutert Michael Hähnel die Strategie der Rügenwalder Mühle. Ein gutes Beispiel dafür seien ihre neuen veganen Griller, der neue vegane Mühlen-Burger und das neue vegane Mühlen-Hack, die alle drei im SB-Fleischbereich zu finden sind. „An welchen Produkten genau gerade gearbeitet wird, können wir aber nicht verraten“, hüllt der Rügenwalder-Chef den Mantel des Schweigens über die nächsten Produktinnovationen.

Generell würden sich seine Mitarbeiter mit pflanzlichen Proteinen als Rohstoff für die vegetarischen und veganen Artikel intensiv beschäftigen. „Allen voran arbeiten sie mit vielversprechenden neuen Proteinquellen, wie Ackerbohnen, Kartoffeln oder Lupinen“, gibt Michael Hähnel preis, „und natürlich begleiten die Kollegen auch unsere Umstellung von Soja aus Nordamerika auf Soja aus Europa beziehungsweise Deutschland.“

Die neue Ess-Klasse von Iglo
„Weniger Fleisch und mehr gemüsebasierte Mahlzeiten sind der Mega-Trend“, ist sich auch Anne Räwel, Senior Brand Managerin Green Cuisine bei Iglo, sicher. Neben der steigenden Relevanz von Nachhaltigkeitsaspekten wie Klimawandel oder Tierwohl spiele dabei die eigene Gesundheit eine maßgebliche Rolle.

Schon heute bezeichnen sich 55 Prozent der Deutschen laut Ernährungsreport 2020 als Flexitarier. Sie reduzieren ihren Fleischkonsum ohne auf Fleisch komplett zu verzichten. So erleben aktuell pflanzenbasierte Proteine einen Wachstumsschub. „Mit der Qualität, die Tiefkühlkost ermöglicht, und der Kraft der Marke will Iglo ganz bewusst zur dynamischen Marktentwicklung beitragen“, lässt sich Anne Räwel ein wenig in die Karten schauen, ohne wirklich zu verraten, welche Pfeile Iglo im Innovations-Köcher hat.

Lieblingsgerichte ohne Mehraufwand fleischfrei in den Küchenalltag zu integrieren – das sei der Fokus bei ihren Produkten. „Um die Konsumenten bei ihrem Ernährungswandel zu unterstützen, gilt es, die Hemmschwelle der Gewohnheiten abzubauen. Vegane Fertiggerichte sind ideale Starter, aber sie müssen variantenreich und immer lecker sein“, erklärt die Iglo-Managerin. „Und wenn die Verbraucher dabei beispielsweise die veganen Hackbällchen als Zutat schätzen gelernt haben, dann trauen sie sich auch an eine eigene Zubereitung ran. So fördern wir als Ankermarke im TK-Bereich eine ganz neue ESS-Klasse“, fügt sie noch selbstbewusst an.

Vom Lockdown über die Zwischenwelt ins New Normal
Den Trend zu Convenience und Selbsterfahrung in der eigenen Küche bestätigt auch eine aktuelle Studie des Rheingold-Instituts. Allerdings gehen die Forscher aus Köln davon aus, dass sich die Gesellschaft nach dem Lockdown aktuell in einer Art „Zwischenwelt“ befinde, die vor allem durch Routine geprägt sei. Der Einkauf als Erlebnis werde durch Maskenpflicht, Abstandsregeln und Zugangsbeschränkungen immer noch getrübt. Dadurch wurde der Einkauf geplanter, egal ob online oder im stationären Handel.

Kochen und Essen hätte laut Studie den Menschen geholfen, den Alltag beispielsweise im Homeoffice besser zu strukturieren und für Abwechslung zu sorgen. „Gelockerte Perfektionsansprüche und ein neuer Pragmatismus“ hätten insgesamt die Akzeptanz von convenienten Produkten gefördert.

Ein Trend, den Jens Ohlig, Group Managing Director für DACH beim Marktforscher Nielsen, bereits vor einigen Wochen für den Einzelhandel konkretisierte. „Möglicherweise werden Self-Service-Stationen von Fertiggerichten an Bedeutung verlieren. Es gibt eine Entwicklung hin zu hygienischeren, vorverpackten Fertiggerichten“, sagte er im LP-Interview. Viele Einzelhändler seien bereits auf der Suche nach Produkten, die das „Neue Normale“ bedienten und ihnen einen Vorsprung verschafften. Dabei läge der Schlüssel zum Erfolg nicht nur in einer guten Innovation, sondern auch in der entsprechenden Aktivierung, so Ohlig.