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Länder-Report Thüringen „Es gibt nichts, was nicht noch verbessert werden könnte“

Susanne Klopsch | 19. Mai 2015

Birgit Keller, Thüringens Linke Ministerin des neuen Ressorts Infrastruktur und Landwirtschaft, will in Zukunft vermehrt Landwirte und das Ernährungshandwerk fördern.

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Wie soll die Förderung des Agrarmarketings aussehen?
Birgit Keller: Erst einmal möchte ich festhalten, dass Förderung nicht nur im Sinne von finanzieller Unterstützung verstanden werden sollte. Fördern heißt auch gute Rahmenbedingungen zu gestalten.

Welche Rahmenbedingungen meinen Sie konkret?
Ein sehr wichtiges Projekt, das wir in diesem Zusammenhang aktuell angehen, ist die Weiterentwicklung der Kriterien für das Thüringer Qualitätszeichen ’Geprüfte Qualität aus Thüringen’. Wertschöpfungsketten und Prozessqualitäten sollen hier beispielsweise stärker betont werden. Für den Verbraucher soll zudem transparenter gemacht werden, was hinter dem Zeichen steckt. Hohes Potenzial sehe ich noch bei der Integrierung regionaler Produkte in die Außer-Haus-Verpflegung. Hier ist vor allem eine stärkere Vernetzung der Akteure erforderlich. Wir initiieren als Landwirtschaftsministerium dazu gerade einen entsprechenden Erzeuger-Abnehmer-Dialog, den wir aktiv begleiten wollen.

Wie hoch werden die Haushaltsmittel 2016 für diesen Bereich sein?
Der Landeshaushalt 2016 ist noch nicht beschlossen worden. Es ist daher zu früh, an dieser Stelle entsprechende Aussagen zu treffen.

Gibt es eine Neuausrichtung für das Thüringer Agrarmarketing?
Das Thüringer Agrarmarketing leistet seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag, um Thüringer Lebensmittel beim Verbraucher bekannt zu machen und dafür zu werben. Als Gemeinschaftsmarketing unterstützt es die Unternehmen der Land- und Ernährungswirtschaft dabei, die Marktposition der Thüringer Produkte zu verbessern und deren Absatz zu fördern. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Durchführung von Messen und Warenbörsen sowie die Organisation von Produkttagen. Eine wichtige Aufgabe des Thüringer Agrarmarketings in der Zukunft wird sein, Lebensmittelerzeuger noch stärker dabei zu unterstützen, Verbrauchern, aber auch dem Handel zu vermitteln, worin konkret die besondere Qualität regionaler Produkte aus Thüringen besteht und ein Bewusstsein für den Mehrwert zu schaffen.

Um die Branche wettbewerbsfähig zu halten und Potenziale auszubauen, hat man auf Initiative der Wirtschaft und unter Beteiligung verschiedener Ministerien, so auch des Ministeriums für Landwirtschaft und Infrastruktur, das Thüringer Ernährungsnetz aus der Taufe gehoben. Braucht man es auch weiterhin?
Das im November 2011 gegründete Thüringer Ernährungsnetzwerk ist als Interessensvertretung für unsere Ernährungswirtschaft unerlässlich. Mit der Gründung wurde eine solide Grundlage geschaffen, um die Wettbewerbsfähigkeit dieser bedeutenden Branche dauerhaft zu stärken. Auf Grund der kleinteiligen Strukturierung ist die Thüringer Ernährungswirtschaft umso mehr auf eine gute Vernetzung und gebündelten Wissenstransfer angewiesen. Nur gemeinsam können die Potenziale voll ausgeschöpft und wichtige Zukunftsthemen, wie z. B. die Sicherung von Fachkräften oder die Entwicklung neuer Absatzstrategien effizient bearbeitet werden. Neben der Entwicklung von Kooperationen beteiligter Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft sehe ich es als eine wesentliche Aufgabe des Netzwerkes an, einen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit und Imagebildung zu leisten.

Regional soll produziert und gegessen werden. Reicht das, um alle Thüringer Erzeugnisse an Mann und Frau zu bringen? Wie steht es um den Export?
Die Mehrzahl der hiesigen kleinen und mittleren Unternehmen ist nach wie vor auf den regionalen und nationalen Markt ausgerichtet. Exportaktivitäten ins europäische Ausland sind organisatorisch und finanziell für diese Unternehmen schwer zu stemmen. Ebenso sind Exporte außerhalb der EU zu werten. Jedoch kann Export als sinnvolle Ergänzung der Vermarktungswege angesehen werden, wenn es darum geht, hochwertige Lebensmittelspezialitäten in Ländern abzusetzen, in denen eine entsprechende Kaufkraft vorhanden ist. Im Agrarmarketingkonzept Thüringens und in Zusammenarbeit mit dem Bund finden diese Überlegungen Berücksichtigung.

Was essen Sie von den Spezialitäten am liebsten?
Vor allem esse ich gern Wurst von Thüringer Fleischern. Besonders mag ich Leberwurst mit Majoran und den Eichsfelder Feldgieker. Auch Käse und Milchprodukte fehlen nie im Kühlschrank.

Mehr als Ostalgie

Dass regionale Erzeugnisse nichts mit Ostalgie zu tun haben müssen, beweisen Bereichsleiter Jens-Uwe Hauffe und Geschäftsleiter Torsten Perlick des Globus-Marktes in Isserstedt jedes Jahr aufs Neue. Sie zeigen mit „ihrer“ Thüringen Woche, dass Regionalität kein Beigeschmack von Vorwendezeiten haben muss.

Regional, modern und innovativ – so ist das Programm, das in diesem Jahr in der Kalenderwoche 18 geplant ist. Für jeden Kunden offensichtlich, stellen sich auf einer großen Aktionsfläche regionale Erzeuger mit Verkostungsständen vor, wie ein lokaler Kartoffelproduzent oder das Thüringer Bratwurstmuseum. Über den gesamten Markt verteilt, gibt es Zweitplatzierungen regionaler Erzeugnisse – von der hauseigenen Metzgerei bis zur Bäckerei. Hauffe will aber nicht nur Kunden dazu bringen, regionale Produkte in den Einkaufskorb zu legen, sondern selber aktiv zu werden. Unter dem Stichwort „Kids an die Knolle“ legen Schulkinder auf dem betriebseigenen Acker ein Kartoffelfeld an. Beim Genießerabend empfehlen Hauffe und die amtierende Weinprinzessin Weine zu den jeweiligen Gängen. Die Kunden entscheiden, wer von beiden dabei die bessere Empfehlung gegeben hat. Samstags kommt die größte Bratwurst auf den Grill. An jedem Tag der Aktionswoche bereitet ein Koch live drei bis vier Gerichte aus Thüringer Produkten vor den Kundenaugen zu. Bei einem Spaziergang durch den Markt finden die Kunden Antworten auf die Fragen zu einem Thüringen Quiz. Wie viel Liter Milch ein Thüringer so durchschnittlich zum Beispiel trinkt, kann er an der Moprotheke erfahren.