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Edeka Auenwald Genuss im Weckglas

Sonja Plachetta | 22. September 2017

Eigene Rinder, eigene Schweine, eigene Kartoffelfelder und dazu eine Eigenmarke mit selbst hergestellten Gerichten: Der Edekaner Bastian Bangemann setzt im Rems-Murr-Kreis ganz auf regionale und hochwertige Lebensmittel.

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Der stärkste Bulle unter den Dexter-Rindern auf der Weise in Hohnweiler ist derzeit besonders aggressiv. Ob das Tier spürt, dass es das nächste ist, das sterben wird?

Fakten im Fokus
  • Verkaufsfläche (ohne Mall): 1.143 qm
  • Mitarbeiter: 30
  • Artikel: 17.000
  • Durchschnittsbon: 26 Euro
  • Umsatzziel für 1. Jahr: 4,8 Mio. Euro

Wenn es Ende September so weit ist, wird jedoch kein Stück Frischfleich des massigen Rinds in der Theke des Edeka-Markts von Bastian Bangemann im rund einen Kilometer entfernten Auenwald-Lippoldsweiler (Rems-Murr-Kreis) landen. Und das, obwohl Züchter Peter Fischer die Dexter-Herde im Auftrag des Händlers hält, der für alle Kosten aufkommt. „Wir haben das Tier schon komplett vermarktet, bevor es geschlachtet wird“, erklärt Bangemann. Seine Kunden schätzen die Fleischqualität der alten Hausrind-Rasse und die lokale Herkunft so sehr, dass sie bereit sind, z. B. für einen Braten mit 33 Euro pro kg mehr als das Dreifache des herkömmlichen Preises zu zahlen. Die Rinder grasen zwischen 18 und 28 Monate auf der Weide in Hohnweiler und wachsen mit natürlichem Futter in Mutterkuh-Haltung auf.

Seit Mitte 2015 arbeiten Bangemann und Fischer zusammen. Fünf Tiere werden pro Jahr geschlachtet. Das Dexter-Fleisch ist derart beliebt bei den Kunden, dass der Kaufmann selbst noch nie ein frisches Stück probiert hat. Für ihn und alle, die ihre Bestellung nicht schnell genug abgeben, gibt es aber – von einer Metzgerei hergestellt – Dexter-Wurst, darunter Cabanossi, Salami und Lyoner, sowie selbst produzierte Fertiggerichte im Weckglas. Für 480 g Dexter-Haschee zahlen die Kunden 7,99 Euro. „Vielleicht finden das manche zunächst teuer, doch wenn sie einmal ein Glas gekauft haben, sind sie von der Qualität überzeugt“, sagt Bastians Bruder Martin Bangemann.

Der Frischeleiter kreiert gemeinsam mit einer Köchin die Rezepte für die Produkte der Bangemann‘schen Eigenmarke. Sein Team, bestehend aus sechs Mitarbeitern bzw. Küchenhilfen, stellt sie in der Küche im rückwärtigen Bereich der Theken im Auenwalder Markt her – wie übrigens auch andere Artikel für die Theken, darunter Frischkäsesorten, Fischfrikadellen und Salate. Besonders gern greifen die Kunden beim Kartoffelsalat zu, von dem allein 100 kg pro Woche über die Theke gehen. Derzeit gibt es rund 100 verschiedene Bangemann-Artikel, von denen einige, wie die Dexter-Produkte, nur zeitweise oder saisonal im Sortiment sind. Neu sind seit September acht Sorten Salatdressing.

Mit der Weckglas-Eigenproduktion begonnen hat alles mit den Mangalica-Wollschweinen, die in unmittelbarer Nähe zu Bangemanns erstem Markt in Weissach im Tal auf einem Demeter-zertifizierten Hofgut für die Edekaner gezüchtet und nach 12 bis 16 Monaten geschlachtet werden. Auch deren Fleisch ist trotz des hohen Preises (70 Euro pro kg fürs Filet) begehrt, die Nachfrage größer als das Angebot.

Schnell gelsen

Hauptstrasse 100,  71549 Auenwald

  • Der Edekaner Bastian Bangemann wirbt mit „Qualität durch Regionalität“. Er lässt Schweine und Lämmer in Demeter-Qualität sowie die alte Rinderrasse Dexter für sich züchten und vermarktet das Fleisch in seinen beiden Märkten – wie auch die Kartoffeln von eigenen Feldern.
  • In der Küche im neuen Markt in Auenwald stellt Frischeleiter Martin Bangemann mit seinem Team die Produkte für die Eigenmarke her, die in Weckgläsern verkauft werden.
  • Mit dem neuen Bangemann-Logo mit ihren Köpfen wollen die Brüder Vertrauen schaffen.

Weil Bangemanns aber aus Respekt vor der Natur das ganze Tier nutzen wollen, stellte sich die Frage, was sie mit dem hochwertigen Fett der Schweine machen könnten. So entstand mit den Wollschwein-Rillettes das erste Produkt im Weckglas. 200 Gläser verkaufen sie davon im Jahr. „Es ginge mehr, aber mehr Tiere haben wir nicht“, sagt Martin Bangemann. Das meistverkaufte Produkt der Range ist aktuell die Hühnersuppe Tom Kha Gai (480 g für 5,99 Euro), von dem das Brüder-Team 70 Stück in zwei Monaten absetzt. Das Portfolio an Weckgläser-Produkten, die Bangemanns aktuell mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum von einem halben Jahr verkaufen, soll ausgebaut werden – und über kurz oder lang auch bei befreundeten Edeka-Händlern in den Regalen stehen.

Zunächst einmal konzentrieren sich die Brüder, die zudem eigene Bio-Lämmer aufziehen sowie 1 ha Kartoffelfelder bewirtschaften lassen, aber darauf, ihren im März eröffneten Markt in Auenwald richtig ans Laufen zu kriegen. Dabei sind die Marktleiter Alexandra Achhammer und Marius Bangemann, der dritte Bruder, wichtige Stützen. Der inklusive Mall 1.250 qm große Markt liegt nur 3 km entfernt vom ersten Bangemann-Laden in Weissach im Tal. Aktuell verliert letzterer, wie die Brüder erwartet hatten, etwas an Umsatz, weil einige Kunden nach Auenwald gewechselt sind.

Damit sich die Menschen in beiden Geschäften zurecht findet, war es Bastian Bangemann wichtig, in beiden das gleiche Sortiment, darunter so viele qualitativ hochwertige und regionale Artikel wie möglich, zu führen. Obwohl der neue Standort 200 qm kleiner ist als der erste, ist ihm das außer bei den Getränken gelungen. Er hat z. B. in der Frühstücksabteilung 12 Regalmeter gewonnen, weil er die Gänge mit 1,55 m etwas schmaler geplant hat als von der Edeka Südwest empfohlen. Da er weitgehend auf Displays verzichtet, stört das jedoch nicht. Anderes Beispiel: Um das TK-Sortiment unterzubringen, hat er sich statt für Truhen für hohe Schränke entschieden, die deswegen nicht vor der Kasse platziert sind.

Insgesamt hat Bangemann 1,7 Mio. Euro in den Markt investiert, darunter allein 250.000 Euro für die Küche, die die Brüder „Self-Cooking-Center“ nennen. Seit sie in Betrieb ist, können Bangemanns Catering-Aufträge für bis zu 200 Personen annehmen. Vorher waren 50 Personen die Grenze.

Neues Branding

Für den Auenwalder Markt hat Bastian Bangemann ein neues Branding entwickelt, das künftig durchgängig für einen Wiedererkennungswert sorgen soll – nicht nur im Laden, sondern z. B. auch auf den Eigenmarken- Produkten oder der Homepage. Texte und Sorti- „WER FRISCHE SUCHT, DER FOLGE MIR.“ Werbespruch auf dem „Frischebulli“, dem VW-Bus, mit dem auch einige Stammkunden beliefert werden. mentsbeschriftungen sind in einer speziellen Schreibschrift gehalten, zudem gibt es das markante große B sowie die GesichÖffnungszeiten: Mo – Sa, 8 - 20 Uhr ter der Brüder Bastian und Martin als Logos. Je nach Sortiment individuelle „Stempel“ runden das Erscheinungsbild ab.

Die Investitionen zielen auch auf Nachhaltigkeit. Die Molkereiabteilung ist aus Energiespargründen verglast. Zudem spart Bastian Bangemann bei der Beleuchtung – es gibt drei Lichtfarben – Strom. „Die Lichter sind so programmiert, dass sie auf 80 Prozent laufen“, erklärt er. „Ab 19 Uhr geht das Licht automatisch um 10 Prozent, ab 19.45 Uhr dann auf 60 Prozent herunter. Morgens ist es umgekehrt.“ Der Kaufmann testet außerdem ein gekühltes Blumenregal. Die Abschriften hätten sich so auf unter 5 Prozent reduziert.

Was den Edeka-Händler erstaunt: Trotz der Nähe der beiden Märkte und der nahezu identischen Kundenstruktur (hohe Kaufkraft, ländlich geprägt) laufen die Sortimente hier wie da durchaus unterschiedlich: z. B. Fisch in Weissach gut, in Auenwald dagegen kaum, dafür Spirituosen dort deutlich besser als in Weissach.

Klar ist: Bangemanns sind vorbereitet für den Fall, dass sich die Qualität ihres Angebots weiter herumspricht und bald noch mehr Menschen bei ihnen einkaufen. Ein gut 1.000 qm großes Gelände um den Markt hat die Edeka ebenfalls erworben, so können Bangemanns bei Bedarf zügig den Parkplatz erweitern. Auf den Weiden auf diesem Areal grasen derzeit ihre „Coburger Füchsle“-Lämmer, deren Fleisch später im Laden verkauft wird. Lokaler kann die Produktion von Lebensmitteln nicht sein.

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