Risiko- und Krisenmanagement Unternehmens-Risiken im Griff?

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Produktionsausfälle, Naturkatastrophen, Produktrückrufe. Die Notwendigkeit eines professionellen Risiko- und Krisenmanagements für Hersteller und Handel ist gewachsen.

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EHEC-Killer-Gurken, Dioxin-Eier, Virus-Erdbeeren, Ekel-Alarm in Münchner Großbäckerei. Die Ernährungswirtschaft ist in den vergangenen zwei Jahren erneut mit verschiedensten Krisen und Skandalen in die Negativ-Schlagzeilen geraten.

Denkbare Risiken für Unternehmen gibt es unzählige. Allein rund 1,3 Produktrückrufe bzw. Warnungen werden pro Tag über das EU-Schnellwarnsystem RASFF für Lebens- und Futtermittel (Rapid Alert System for Food and Feed) für Deutschland gemeldet. Auf dem Vormarsch sind jedoch vor allem vermeintliche Skandale. Insbesondere für mittlere und kleine Unternehmen geht es im Krisenfall sehr schnell ums nackte Überleben. So endete z. B. der Skandal der Münchner Großbäckerei Müller-Brot im vergangenen Jahr mit der Insolvenz des Unternehmens.

Die Binsenweisheit „Vorsicht ist besser als Nachsicht“ gilt eben auch für die Existenzsicherung von Unternehmen. Ein professionelles Risiko- und Krisenmanagement ist heute notwendiger denn je. Gründe hierfür sind veränderte Rahmenbedingungen. Durch NGOs, für die der „kritische Umgang“ mit Nahrungsmitteln teilweise Geschäftsgegenstand sei, seien Lebensmittel in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung geraten, sagt Peter Feller, Geschäftsführer Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Auch Social Media leiste hierzu einen weiteren Beitrag. „Durch diese Entwicklung müssen Nahrungsmittelhersteller mehr denn je davon ausgehen, dass sie mit Situationen konfrontiert werden, in denen sie entscheiden müssen, ob sie sich auf die öffentliche ,Thematisierung’ ihrer Produkte einlassen und wenn ja, in welcher Weise dies erfolgt.“ Die Behördenlandschaft sei heute sehr sensibel, sagt Dr. Michael Lendle, Geschäftsführer der AFC Risk & Crisis Consult GmbH. Man schaue in Deutschland genauer hin als in anderen Ländern. Auch ein gewisser Wettbewerb zwischen Behörden sei im föderalen System nicht immer auszuschließen. „Der Preisdruck im deutschen Lebensmittelhandel erhöht eindeutig die Gefahr weiterer Krisen“, betont Hendrik Löffler, Geschäftsführer der auf Risikomanagement spezialisierten Unternehmensberatung Funk RMCE. Es sei nicht verwunderlich, dass Unternehmen für Rohwaren-Beschaffung nach China auswichen und es zu Fällen wie virusversuchte Erdbeeren komme.

Uwe Knebelsberger, Geschäftsführer der Corporate Trust Business Risk & Crisis Management GmbH, nennt u. a. das Agenda-Surfing der Politiker als Grund für den erhöhten Druck auf die Ernährungsbranche:„Zum einen hat sich die Politik Themen wie Verbraucherschutz mehr auf die Fahne geschrieben, aber vor allem die Verbraucher sind sensibilisierter.“ Auch er sieht ein großes Problem in der heutigen Geschwindigkeit der Nachrichtenverbreitung über Blogs, Foren oder Soziale Netzwerke. „Die Gefahr der Rufschädigung hat mit dem Internet drastisch zugenommen. Dies stellt natürlich auf der einen Seite Unternehmen vor größere Herausforderungen. Auf der anderen Seite ergeben sich jedoch gerade hier auch Chancen für das Unternehmen selbst, wenn es z. B. Blogs und Social Media gezielt und proaktiv dafür nutzt, Vertrauen und Image aufzubauen.“ Dies geschehe jedoch noch viel zu selten.