Anzeige

Alfred Ritter Nachhaltig im Quadrat

Dieter Druck | 14. September 2010
Alfred Ritter: Nachhaltig im Quadrat

Die Schokoladentafel mit den vier gleichlangen Seiten ist für Alfred T. Ritter noch nicht ausgereizt. Einer der Öko-Pioniere der deutschen Food-Szene erklärt das nachhaltige Wirtschaften im Einklang mit schwäbischem Kostenmanagement.

Anzeige

Basis ist für mich, wenn Sie denn so wollen, eine fruchtbare Zusammenarbeit. Ich will einfach ein guter und akzeptierter Arbeitgeber sein. Ich denke, dass wir mit unseren Gesundheitstagen, der Abschaffung der untersten Lohngruppe, der Gleichbezahlung von Mann und Frau bei gleicher Leistung etc. nachhaltige soziale Säulen gesetzt haben. Ein Zeichen dafür ist u.a., dass wir heute keinen Fachkräftemangel beklagen.

Das kostet. Wie passt dies zum schwäbischen Kostenmanagement?

Wir sparen, wo es geht und Sinn macht, knausern jedoch nicht bei den Mitarbeitern und den eingesetzten Rohstoffen. Unserer Management-Ansatz basiert auf der Vermeidung jeglicher Form von Verschwendung. Das reicht von der Materialseite über die Energie bis hinzu den Mitarbeitern. Mobbing und Streit untereinander ist eine Verschwendung von Ressourcen. Deshalb zahlt sich eine Investition in die Zufriedenheit von Mitarbeiter allemal aus.

Sie gaben das Stichwort Rohstoffe. Wie ist die Situation an den Rohstoffmärkten vereinbar mit der aktuellen Preisentwicklung im deutschen Schokoladen-Markt?

Was im Moment läuft, ist schwer nachvollziehbar. Wir haben uns allerdings aus den in diesem Jahr vorwiegend von Milka getriebenen Preisschlachten herausgehalten. Trotzdem ist die Marke nicht eingebrochen. Im klassischen LEH haben wir sogar Marktanteile gewonnen. Es ist gleichzeitig schwer, gegenüber dem Handel darzustellen, dass wir unsere Preise brauchen. Wir sind da wenig kompromissfähig, weil wir sonst unsere Produkt- und Qualitätsphilosophie aufgeben würden. Das geht nicht.

Sie konzentrieren sich sehr stark auf die quadratische Tafel. Bestehen Ambitionen in Richtung Saison, Pralinen oder andere Schokosegmente?

Praline ist derzeit nicht unser Thema. Erste Gehversuche werden wir in diesem Jahr in Richtung Saisonalisierung machen. Hier sind wir bislang klar unterrepräsentiert. Die Produkte kommen voraussichtlich Oktober auf den Markt, aber nicht bei allen Handelsunternehmen. Ansonsten kann ich nur sagen, dass das Quadrat noch nicht ausgereizt ist. Im Bereich von 5 bis 500 g ist einiges machbar.

Gilt das auch für das Shop-Konzept von Ritters Bunter Schokoladen-Welt in Berlin?

Die Resonanz und die Besucherzahlen in unserer Bunten Schokoladen-Welt sind riesig – aber ein zartes Pflänzchen. Sicherlich, das Konzept ist multiplizierbar. Es geht hier jedoch nicht primär um den Aufbau eines neuen Vertriebsweges, sondern es ist eine besondere Art der Markenrepräsentanz. Wir werden uns das Ganze noch etwas angucken und dann entscheiden. Außerdem entwickeln wir Ideen, die in eine ganz andere Richtung gehen. Ebenso werden wir den Online-Verkauf als wichtiges Standbein für die Zukunft ausbauen.

Und wie steht es um die Expansion des Auslandsgeschäftes?

Auch hier gehen wir weiterhin mit Bedacht vor. Ich bin kein Wachstums- sondern ein Qualitätsfanatiker. Wachstum allein ist kein Wertmaßstab. Mit dem Auslandsgeschäft machen wir knapp ein Drittel unseres Umsatzes. Kernmärkte sind Dänemark, aktuell mit einer starken Entwicklung, Italien, wieder expansiv, Österreich, ausbaufähig, und Russland, wieder aufsteigend.

Wie nachhaltig ist das Familienunternehmen in puncto Nachfolge aufgestellt?

Wir haben noch keine konkrete Nachfolgeregelung. Meine Schwester hat zwei Kinder, ich selbst drei. Sie werden langsam an das Unternehmen herangeführt und sind schon als Gäste bei den Beiratssitzungen dabei. Ich bin überzeugt, dass wir auch in der kommenden Genreation als Familienunternehmen fortbestehen werden.