Interview Prof. Ulrike Detmers - Mestemacher Die Pionierin

Prof. Ulrike Detmers, Mitgesellschafterin bei Großbäcker Mestemacher, engagiert sich für eine neue Geschlechterordnung. Mit ihren viel beachteten Social-Marketing-Projekten stärkt sie aber auch die Marke Mestemacher.

Donnerstag, 22. September 2011 - Hersteller
Susanne Klopsch
Artikelbild Die Pionierin
Bildquelle: Ku00e4mper

Ohne klare Zielsetzung geht es nicht. Und schon gar nicht ohne Unterstützung aus dem Unternehmen: Prof. Ulrike Detmers, Mitgesellschafterin und Leiterin des Ressorts Markenmanagement und Social Marketing bei Mestemacher, über die Voraussetzungen für gelungenes gesellschaftliches Engagement, Innovationen und neue Themen für Arbeitgeber.

Ist Social Marketing ein Marketing-Gag?
Prof. Ulrike Detmers: Das würde ein Schuss in den Ofen werden, wenn man das Thema nur als Gag sehen und angehen würde. Sie wären sehr schnell unglaubwürdig und sie würden auch keinen Respekt für ihre Projekte aufbauen. Ich habe aber beobachtet, dass es doch Unternehmen gibt, die auf diesen Zug aufgesprungen sind und genauso schnell wieder ab, wenn es nicht sofort einen Return on Investment gegeben hat. Man muss schon echt sein mit seinen Projekten und überzeugend. Und das geht nur mit einer Strategie und Herzblut.

Wie zahlt sich Ihr gesellschaftliches Engagement für das Unternehmen, für die Marke Mestemacher aus? Lässt sich das überhaupt beziffern?
Das Besondere, das Neue am Mestemacher-Engagement war und ist ja, dass die Preise von einem Arbeitgeber initiiert wurden. Wir waren mit unserer Idee, Frauenförderung für das Top-Management und Väterförderung für die Familie voranzutreiben, Pioniere. Und wir haben uns an Themen gewagt, die weder andere Arbeitgeber noch die Politik auf der Agenda hatten. Wir haben uns als Arbeitgeber für das Thema Gleichstellung der Geschlechter und für eine neue Geschlechterordnung stark gemacht. Das brachte uns – und natürlich diesen wichtigen Themen – viel Aufmerksamkeit.

Wie macht sich das bemerkbar?
Wir haben von 2006 bis 2010 mehr als 3.500 Veröffentlichungen über das gesellschaftliche Engagement von Mestemacher gehabt. Das bringt auch Prestige und Anerkennung. Wir werden nachhaltiger wahrgenommen. Man redet über uns. Wer hat 2001, als wir mit dem KITA-Preis des Jahres anfingen, schon über geschlechterdemokratische Erziehung gesprochen? Unsere Projekte waren Pionier-Projekte der Gleichstellung.

Welches Budget steht Ihnen zur Verfügung?
Ein sechsstelliger Euro-Betrag, der von Jahr zu Jahr aufgestockt wurde. Ich habe aber auch von Anfang an im Unternehmen deutlich gemacht, dass ich ein klares Ziel verfolge: die Förderung einer neuen Geschlechterordnung und dass ich dieses Ziel nur erreichen kann, wenn ich dafür ein gewisses Budget zur Verfügung habe. Und ich habe klar gemacht, dass ich dieses Projekt nur richtig umsetzen kann, wenn es auch vom Unternehmen getragen wird. Denn unbedeutende Preise wollte ich nicht. Dafür lag und liegt mir das Thema zu sehr am Herzen.

Was sagen die Mitarbeiter zu Ihrem Einsatz, wie bewerten sie ihn?
Einige waren sicher anfangs skeptisch und haben abgewartet. Aber inzwischen gibt es eine starke Identifikation mit diesem gesellschaftlichen Engagement ihres Arbeitgebers. Die Mitarbeiter werden auch darauf angesprochen und dieses Feedback macht sie – glaube ich – auch ein wenig stolz.

KITA-Preis, Managerin des Jahres, Spitzenvater des Jahres – verzetteln Sie sich da nicht?
Nein, die Preise bauen ja aufeinander auf. Es sind zusammenhängende Projekte. Ohne einen hilfsbereiten Mann und die Unterstützung durch qualifizierte Betreuung kann eine Frau keine Karriere machen.

Wie reagiert der Handel: Eher nach dem Motto „Kunst brauche ich nicht, das kann man sich sparen, ich will lieber mehr WKZ“?
Nein, denn wir bieten mit dem Konzept „panem et artes“ wirkliche Innovationen für das SB-Regal und keine Kopie. Das Konzept ist damit auch für den Handel interessant.

Nach welchen Aspekten werden die geförderten Künstler ausgesucht? Und wer entscheidet?
Wir müssen schon Sympathie für den Künstler empfinden. Die Kunst muss uns gefallen, der Stil der Werke muss in unsere persönliche Sammlung passen. Die Werke müssen zudem auf der Brotkunst-Dose wirken, müssen in den Regalen des Handels auffallen und die Kunden ansprechen. Allerdings werden wir jetzt erstmals über Social-Media-Kanäle – also via Twitter, Facebook & Co. – sowie per E-Mail über das nächste Motiv abstimmen lassen. Ich habe vier Kunstwerke ausgesucht.

Haben Sie weitere Social-Marketing-Projekte in der Pipeline?
Nein. Was wir auf die Beine gestellt haben, ist optimal, deckt alle Aspekte ab, die für eine neue Geschlechterordnung wichtig sind. Vergessen Sie auch nicht das „panem-et-artes“-Projekt, das ebenfalls Einsatz erfordert. Daneben organisiere ich ja auch das Mestemacher-Forum-Zukunft. Das wird sich im nächsten Jahr mit dem Thema „Wie verändert Macht den Menschen?“ auseinandersetzen. Damit sind wir gut aufgestellt.