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Fruchtbranche Krisenstimmung

Heidrun Mittler | 26. August 2011

EHEC und kein Ende – die Fruchtbranche leidet, die Entschädigungen reichen bei weitem nicht aus.

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Volle Breitseite: EHEC hat die Fruchtbranche hart getroffen. Während der qualvollen Suche nach dem Krankheitserreger ist der Absatz von Tomaten, Gurken und Salat fast völlig zusammengebrochen. In der „heißen Phase“ haben nur Kohlsorten (Blumenkohl, Brokkoli) profitiert, die vor dem Verzehr gekocht werden.

Die Krise hinterlässt deutliche Spuren. „Wir verkaufen noch bei Weitem nicht die üblichen Mengen“, sagt Andreas Brinker, Verkaufsleiter Obst und Gemüse bei der Gartenbauzentrale Papenburg. Er schätzt, dass der Absatz etwa 25 Prozent unter den Vorjahreswerten liegt. Allerdings gibt es außer EHEC noch andere Faktoren: Der Sommer ist (bislang) ausgefallen, das dämpft die Lust der Konsumenten aufs Grillen – dann wird weniger Salat konsumiert.

Verschärft wird die Lage für Erzeuger durch die für sie schlechten Preise: Für Schlangengurken erzielen sie z. B. heute 25 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch im Kräuterbereich gibt es Einbußen: Tomaten und Basilikum gehören nun einmal zusammen. Basilikum dominiert den Markt der Kräutertöpfe mit rund 60 Prozent. Reichen die Entschädigungen aus? Das verneint Brinker, es werde nur ein geringer Teil der Produkte entschädigt. „Ein Tropfen auf den heißen Stein – aber besser als nichts“.


Kampf ums Überleben

Was bedeutet die EHEC-Krise für die Erzeuger? Fragen an Johannes Trauth, Vorstandssprecher bei Pfalzmarkt – nach eigenen Angaben Marktführer mit einer Produktionsmenge von 150.000 t Obst und Gemüse pro Jahr.

Wie hoch beziffern Sie die Ausfälle durch EHEC bei Pfalzmarkt?
Johannes Trauth: Insgesamt fehlen uns durch die EHEC-Krise etwa 6 bis 8 Mio. Euro Umsatz. Das spüren wir natürlich auch als Vermarktungsunternehmen, wir haben rund 600.000 Euro Mindereinnahmen aus den Gebühren, die unsere Genossen an uns abführen.

Hat sich der Absatz inzwischen wieder normalisiert?
Grundsätzlich ja. Aber bei Salat und Tomaten erreichen wir erst 70 Prozent des üblichen Umsatzes – die Preise sind derzeit im Keller.

Wie prekär ist die wirtschaftliche Lage für Ihre Mitglieder?
Für einige unserer Betriebe – Pfalzmarkt ist eine Genossenschaft mit 1.600 Mitgliedern – ist die Lage außerordentlich angespannt. Das gilt speziell für Mitglieder, die hauptsächlich Tomaten und Salat anpflanzen. Die kämpfen ums Überleben.

Reichen die angekündigten Entschädigungen aus?
Keinesfalls! Nur für die Hälfte aller Produkte gibt es überhaupt eine Entschädigung. Wer Feldsalat, Rucola, Radieschen, Chinakohl oder Bundzwiebeln anbaut, geht generell leer aus. Und wer eine Entschädigung bekommt, kriegt ohnehin nur die Hälfte des Verlustes ersetzt.