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Interview - Deutsches Milchkontor GmbH Wertschöpfung durch Marke

Tobias Dünnebacke | 05. August 2011

Nach der Fusion von Humana und Nordmilch ist die Deutsches Milchkontor GmbH die Nummer 1 im hiesigen Milchmarkt. Die beiden Geschäftsführer Dr. Josef Schwaiger und Rolf Janshen wollen jetzt gemeinsam das Markengeschäft stärken.

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Herr Dr. Schwaiger, Herr Janshen, Sie wollen mit DMK in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Milchmenge in zweistelliger Milliardenhöhe verarbeiten. Wie kann das angesichts des stagnierenden Marktes funktionieren?
Dr. Josef Schwaiger: Diese Wachstumsziele sind realistisch, weil wir durch die Fusion von Humana und Nordmilch in der Lage sind, Zeit, Geld und Knowhow zu bündeln. Dies ist besonders für den Export wichtig. Es ist richtig: In Deutschland und weiten Teilen der EU gibt es kein besonderes Wachstumspotenzial bei Molkereiprodukten mehr. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist bereits auf einem hohen Niveau und die Märkte sind gesättigt. Anders ist das in Ländern wie Russland und China, wo sich mit steigendem Wohlstand für uns Chancen ergeben. Wir können auch gar nicht anders als in solchen Drittländern zu wachsen, da die Milchproduktion unserer Erzeuger derzeit deutlich höher ist als die Jahre zuvor.

Der Markt hat sich nach dem für die Erzeuger katastrophalen Jahr 2009 erholt. Kann ein so großes Unternehmen wie DMK den Milchbauern in Zukunft mehr Stabilität und Sicherheit garantieren?
Dr. Schwaiger: Die Zeichen für den Milchmarkt stehen insgesamt gut. Unser Auszahlungspreis liegt derzeit bei rund 34 Cent und damit deutlich über dem Niveau von 2009. Ziel der Fusion ist auch weiterhin ein attraktiver und stabiler Preis. Unsere Größe, hinter DMK stehen 11.000 genossenschaftliche Eigentümer, hilft uns auf dem internationalen Markt zu bestehen und von der steigenden Kaufkraft in den Schwellenländern zu profitieren. Bis 2015 soll die Erdbevölkerung nach Berechnungen der UNO um jährlich 79. Mio. Menschen wachsen. Nach Zahlen der OECD ist bis 2019 weltweit in wichtigen Segmenten wie Käse und Butter mit einer deutlich höheren Nachfrage zu rechnen. Wir bieten unseren Eigentümern die Chance unter den besten Bedingungen an diesem Wettbewerb teilzunehmen und das garantiert Sicherheit.

Welche Chancen bietet die Konsolidierung des Milchmarktes der deutschen Branche?
Rolf Janshen: Wir haben hier die paradoxe Situation, dass wir das größte Milchland der EU sind, die Branche aber auf der Industrie-Seite sehr zersplittert ist. In anderen Ländern gibt es keine so hohe Anzahl an Wettbewerbern. Dabei ist Deutschland ein stark umworbener Verbrauchermarkt und es ist wichtig mit Unternehmen wie DMK ein Gegengewicht zu den großen ausländischen Playern zu schaffen.

Welche Vorteile sehen Sie nach der Fusion für den Lebensmittel-Einzelhandel?
Janshen: Es gibt kaum eine deutsche LEH-Kette wo unsere Produkte nicht im Kühlregal zu finden sind. Entweder in Form einer unserer Marken oder im Private-Label-Bereich, der bei einigen unserer Segmente einen Anteil von 25 bis 30 Prozent ausmacht. Mit den gebündelten Kräften können wir dem Handel noch flexiblere Produktlösungen bei gleichzeitig garantierter Mengenverfügbarkeit garantieren. Mit der Fusion ist für den Handel noch stärker gewährleistet, was er sich wünscht: Berechenbarkeit. Der LEH will einen Partner der ihn unterstützt, der ihm die Sicherheit gewährleistet, gewünschte Mengen zu einem bestimmten Zeitpunkt zu liefern. Ein Partner der trotz kostengünstiger Produktion auch in Forschung und Entwicklung investiert. All das können wir leisten, schließlich zählen wir seit der Fusion zu den drei größten Handelsmarkenproduzenten in Europa.

Sie wollen wertmäßiges Wachstum mit Marken wie Milram oder Ravensberger erreichen. Was ist hier konkret geplant?
Dr. Schwaiger: Milram und Ravensberger, sind in den Bereichen Gewürzquark, Fruchtbuttermilch sowie Rollen- und Fässchenbutter Marktführer. Das klassische Markengeschäft macht bei uns derzeit aber nur 7 bis 8 Prozent am Umsatz aus. Damit geben wir uns nicht zufrieden und wollen diesen Bereich ausbauen. Auch im Käsegeschäft haben wir uns das ehrgeizige Ziel gesetzt, Marktführer zu werden. Im von Handelsmarken dominierten Käsegeschäft ist viel Wertschöpfungspotenzial. Hier soll sich das Marketing ändern. Wir wollen beispielsweise mehr auf das Thema Regionalität setzen: Bei Käse haben wir die nordische Herkunft bereits mit Sorten wie dem Milram Müritzer und Sylter in den Fokus gesetzt.

Wie wichtig wird das Markengeschäft sein? Sind neue Produkte geplant?
Dr. Schwaiger: Unser Ziel ist es innerhalb der nächsten fünf bis sechs Jahre den Anteil des Markengeschäfts um 30 bis 50 Prozent zu erhöhen und somit auch in den gesättigten Märkten mehr Wertschöpfung zu erzielen. Um dies zu erreichen, werden wir künftig mehr investieren und auf bessere Produkte setzen. Helfen wird dabei, dass wir uns aus der Stärke der Fusion heraus intensiver mit Innovationen auseinandersetzen können als bisher. Es gibt einen neuen Bereich Innovationsmanagement und das Milk Innovation Center, an dem wir an zwei Standorten gezielt an der Erforschung des Rohstoffs Milch und Entwicklung neuer Produkte arbeiten.

Ihre Wettbewerber besetzen ganz bestimmte Themen: Gentechnikfreie Basisprodukte, gesundheitlicher Zusatznutzen. Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?
Dr. Schwaiger: Bei vielen Trendthemen muss man genau hinschauen. Es wird bspw. Milch als „gentechnikfrei“ deklariert, obwohl sie es nach dem Gesetz streng genommen gar nicht ist. Unsere Stärke sehe ich darin, dass wir unseren Kunden ein breites Angebot bieten. Wir haben große Kompetenz in den Bereichen Käse, Mopro, Babynahrung, Gesundheitsprodukte und Ingredients.? n

Fakten

  • Mit 4 Mrd. Euro Umsatz gehört DMK in Europa zur Top Ten der Milchindustrie
  • Hinter DMK stehen 11.000 aktive Milcherzeuger
  • Derzeit werden knapp 7 Mrd. kg Milch verarbeitet
  • Produziert wird an 24 Standorten

Bildquelle

Bahlo