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Tierwohl Best Practice Beispiele

Lebensmittel Praxis | 20. Februar 2020

Wir stellen Ihnen sechs Beispiele vor, in denen heute schon Tierwohl garantiert ist - auf Weiden, Graslandschaften oder in Wohlfühl-Ställen.

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Milchkühe: Suche nach dem Stall der Zukunft
Wie hat die Kuh gelebt, als sie die Milch für den Käse oder Quark gegeben hat? Diese Frage beschäftigt die Branche, die auf der Suche nach dem Stall der Zukunft ist. Eine Vorreiterrolle spielt das Unternehmen Cono Kaasmakers, das in Deutschland Beemster-Käse vertreibt. Schon seit 2018 sind für die Landwirte strenge Vorgaben verpflichtend: Damit Kühe ausreichend liegen und im Ruhen wiederkäuen können, sind gute Liegeplätze unerlässlich. Alle Beemster-Kühe verfügen über ihren eigenen Liegeplatz, der garantiert weich gestaltet ist, sowie über Massagebürsten in jedem Stall (pro 60 Kühe). Außerdem hat jedes Tier einen halben Hektar Platz, das entspricht in etwa einem Fußballfeld pro Milchkuh. Auf diesem Land wächst ausreichend Gras, deshalb muss der Landwirt (wenn überhaupt) nur wenig Eiweiß importieren.

Fische: Umwelt muss passen
Wann fühlen sich Fische aus Aquakulturen wohl? Bisher ging man davon aus: Sind Fische gesund und frohwüchsig, geht es ihnen gut. Wissenschaftlich sicher ist: Fische reagieren auf Faktoren wie Temperatur, pH-Wert und Sauerstoff im Wasser. Ansatzpunkte für Tierwohl beim Fisch sind daher: Wasserqualität, Besatzdichte, Fütterung und Handling. So wie bei den Biolabeln und – für konventionellen Fisch – beim ASC-Siegel. Bestes Quellwasser, Zeit zum Wachsen, naturbelassenes Futter und viel Platz für Bewegung – Transgourmet setzt für seine Marke Ursprung auf die Expertise des Fischzüchters Gunnar Resse in Schleswig-Holstein. In Sarlhusen kümmert er sich um Forelle, Barsch und Hecht. Hinzu kommen Karpfen, Aal, Saibling, Silber- und Edelmaräne.

Schweinemast: Beschäftigungswelt geschaffen
Ganzheitlich gedacht: Mit Glück-satt hat das Unternehmen Werner Schulte – Lastruper Wurstwaren eine neue regionale Marke für Fleisch- und Wurstwaren in den Handel gebracht, die für ehrliches Tierwohl und Transparenz, eine bessere Fleischqualität, die Stärkung des traditionellen Fleischerhandwerks und faire Preise steht. Zwei Familienbetriebe mästen die Schweine in Aktivstallhaltung. Sie haben eine ganze Beschäftigungswelt geschaffen und bieten den Tieren mehr Platz, Bewegung, frische Luft und hochwertiges regionales Futter. Auf das Kupieren der Ringelschwänze wird verzichtet. Der Schlachtbetrieb Brand direkt vor der Haustür gewährleistet kurze Wege und eine stressfreie Schlachtung, während der Traditionsbetrieb Lastruper Fleischwaren für die Ganztierverarbeitung und -vermarktung sorgt.

Zweinutzungshuhn: Zurück zum Glück - ‘Ne runde Sache
Unter dem Markennamen „Zurück zum Glück - ‘Ne Rund Sache“ vermarktet der Mustergeflügelhof Leonhard Häde Bio-Eier von Zweinutzungshühnern. Diese legen zwar etwas weniger Eier, sind dafür jedoch auch gute Fleischlieferanten. Die Brudertiere können Futter effizienter verwerten als Bruderhähne aus der Hybrid-Legehennenzucht und so sinnvoll zur Mast genutzt werden. Die Hühner sind vom Tag des Schlüpfens an auf dem Hof, leben in kleinen übersichtlichen Stalleinheiten mit natürlich strukturierten Ausläufen und erhalten regionales Futter. Auch die Ställe richten sich nach den Bedürfnissen der Tiere: Scharrräume und Sandbäder, Heu und Stroh als Beschäftigungsmaterial, Fensterflächen für einen natürlichen Lichteinfall und Körner auf den Frischluft-Terrassen. Kurze Wege zum Schlachter ersparen Stress.

Fairmast: Bessere Lebensbedingungen für die Tiere
Das Konzept Fairmast der Plukon Vertriebs GmbH steht für eine tierfreundlichere Geflügelaufzucht. Es garantiert den Tieren deutlich mehr Platz, ein längeres Leben und tiergerechtere Ställe, die mit Strohballen, Sitzstangen und Picksteinen ausgestattet sind. Bei den Tieren handelt es sich um eine langsamer wachsende und dabei sehr widerstandsfähige Hähnchenrasse. Die Hähnchen leben mindestens 56 Tage und damit rund 60 Prozent länger als bei konventioneller Aufzucht. Pro Quadratmeter dürfen bei Fairmast 25 Kilogramm Lebendgewicht am Ende der Mast nicht überschritten werden. Dadurch leben erheblich weniger Tiere im Stall als bei konventioneller Aufzucht. Es ist nicht vorgesehen, Tiere vorzeitig zu entnehmen, um das maximale Gewicht von 25 Kilogramm pro Quadratmeter gegen Ende der Mastzeit einzuhalten.

Rinder: Leben in der Großfamilie
Bei der Erzeugergemeinschaft „Schwarzwald Bio-Weiderind“ (95 Lieferbetriebe) ist der Name Programm: Rindfleischerzeugung, artgerecht, auf der Weide, in Öko- qualität. Die Kälber bleiben nach dem Kalben bei ihren Müttern. Die Kühe werden nicht gemolken. Die Aufgabe übernehmen die Kälber. Von Mai bis Oktober gibt es neben Muttermilch Gras und Kräuter von den Weiden des Südschwarzwaldes. Die Kälber wachsen im Herdenverbund unter natürlichen Bedingungen auf. Im Winter zieht die Großfamilie in Laufställe um, wo sie Heu und Silage bekommen. Wachstumsförderer sind tabu. Im Alter von 18 bis 24 Monaten werden die Tiere entweder in Waldshut oder Freiburg geschlachtet. Damit vermeidet man lange Transportwege und Stress. Vermarktet wird über die Edeka Südwest und die Schmidt‘s Märkte in der Region.