Tetra Pak Die Flasche aus Karton

Die Molkerei Weihenstephan aus Freising testet derzeit in einem Feldversuch die Akzeptanz von Tetra Paks neuester Innovation: Tetra Evero Aseptic

Sonntag, 19. Juni 2011 - Hersteller
Artikelbild Die Flasche aus Karton
Tetra Pak: Karton als Flasche
Bildquelle: Tetra Pak

Ein Karton als Milchflaschenersatz? Das geht sehr gut, meint man bei Tetra Pak: Die Antwort auf diese Frage heißt Tetra Evero Aseptic (TEA). Der Name stammt aus dem italienischen und bedeutet „é vero“, „das ist wahr“. Das Gebinde in Flaschenform soll die ökonomischen und ökologischen Vorteile eines Kartons und einer Milchflasche vereinen. Ein Weg für Tetra Pak, in einem weitgehend gesättigten Markt zu expandieren, wie Charles Brand sagt, Vice President Marketing und Product Management bei Tetra Pak. Man habe festgestellt, dass es dem Markt speziell im Bereich der haltbaren Milch an einer qualitativen Spitzenlösung fehlt. Eine solche soll TEA sein. „Die TEA ist eine neue Kartonform, die Benutzerfreundlichkeit, eine gute Marken-Positionierung und Wirtschaftlichkeit in einem bietet“, preist er die Vorzüge der Kartonflasche. TEA hat einen so genannten One-Step-Opening-Verschluss, der besonders groß ist. Die Kartonflasche kann mit einem Dreh geöffne t und anschließend wieder verschlossen werden. „Für minimalen Kraftaufwand und optimales Ausgießverhalten“.

Der Karton wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und ist FSC-zertifiziert. Produziert und befüllt wird die Kartonflasche auf der Tetra Pak A6 iLine, einer Maschine, mit der 10.000 Verpackungen pro Stunde realisiert werden können. In ihr wird das Kunststoffoberteil direkt in die Kartonmanschette gespritzt. Im Vergleich zu anderen aseptischen Flaschenabfüllanlagen braucht sie 50 Prozent weniger Fläche, die Betriebskosten sollen 25 Prozent niedriger sein, ihr Stromverbrauch 50 Prozent unter dem anderer aseptischer Flaschenabfüllanlagen liegen. Die Investitionskosten sind um 30 Prozent geringer. Der Preis ist trotzdem stolz: Tetra Pak beziffert ihn auf 5 Mio. Euro.

Im Zuge der Entwicklung von TEA und der A6 iLine hat das Unternehmen 14 Patente angemeldet. Dazu gehören die erste industrielle Gasphasen-Sterilisationstechnik, mit der die Kartonflasche aseptisch gemacht wird, und eine Spritzgusstechnologie, mit der der Kartonmantel, der Kunststoffkopf und die Schraubkappe zu einer abfüllbereiten Verpackung verbunden werden. Milch in der TEA-Verpackung ist so bis zu sechs Monate haltbar.

Bei der Molkerei Weihenstephan in Freising steht eine solche Maschine, als Leihgabe. Denn zusammen mit Weihenstephan testet Tetra Pak in Deutschland in einem Feldversuch, wie die Konsumenten auf die Kartonflasche reagieren. „Die bisherigen Vortests waren sehr positiv“, sagt Frank Schübel, Geschäftsführer von Weihenstephan. „Bei einer großen Investition will man dies aber auf eine breitere qualitative Basis stellen, deshalb werden 60 Märkte mit haltbarer Milch in TEA beliefert.“ Der Test wird von einem Marktforschungsinstitut begleitet und soll ein halbes Jahr laufen. „Es ist schon fast eine traditionelle Partnerschaft unserer Unternehmen, bei Neuentwicklungen zusammen zu arbeiten“, so Schübel. „Wir haben beispielsweise auch die 1-Liter-TBA Edge-Packung mit Tetra Pak zusammen zur Marktreife gebracht.“ Es gehe ja nicht nur um die Neuentwicklung einer Primärverpackung, sondern auch „darum, wie man die Logistik regelt und das Produkt am PoS plat ziert“. Zudem habe Tetra Pak für einen Feldtest keine Molkereilizenz und könne demzufolge keine Milchprodukte in der neuen TEA auf den Markt bringen. „Die Kartonflasche hat großen Innovationscharakter“, so Schübel. Einfache Handhabung, ein gutes Ausgießverhalten und ein neuartiger One-Step-Opening-Verschluss seien die größten Vorteile für den Verbraucher. Es gibt zwei Umverpackungslösungen: einen offenen Kartontray und eine Schrumpfeinheit mit Griff.

Laut Charles Brand wird allein die neue Verpackung mit einem Preisaufschlag von 5 bis 6 Cent zu Buche schlagen. „Das ist ein Punkt, den man überprüfen muss“, meint Schübel. Daher teste man verschiedene Preispunkte, um herauszufinden, was der Konsument bereit ist, zu zahlen. „Eine Verpackung muss sehr viel besser sein als die Vorgänger, um einen höheren Preis zu rechtfertigen. Aber TBA Edge hat gezeigt, dass Innovationen vom Kunden angenommen werden. Die Öffnung und das Ausgießverhalten beispielsweise beeinflussen durchaus die Kaufentscheidung.“ Schübel erwartet durch TEA ein signifikantes Wachstum. Und, so der Mopro-Experte weiter, „natürlich wollen wir uns damit vom Wettbewerb differenzieren.“

TEA wurde ursprünglich laut Tetra Pak für UHT-Milch entwickelt, einschließlich nicht sauerstoffempfindlicher Milch, die mit Kalzium, Proteinen, Fasern (Inulin), Vitamin A und D sowie Mineralstoffen angereichert ist. In Kürze soll sie auch für Rahm und Milchmischgetränke sowie sauerstoffempfindliche, mit Omega 3, Eisen, Zink und Vitamin C angereicherte Milch angeboten werden. Für Weihenstephan sind weitere Packungsgrößen und Produktvarianten derzeit kein Thema.

Mit dem brasilianischen Unternehmen Braskem hat Tetra Pak eine Kooperation geschlossen, nach der demnächst sowohl Kappe als auch das spritzgegossene Kunststoffoberteil von TEA aus HDPE auf Basis von Zuckerrohr gefertigt werden können.

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