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Nutzfahrzeuge Emotionen und Emissionen

Martin Heiermann | 15. Dezember 2017
Nutzfahrzeuge: Emotionen und Emissionen

Bildquelle: Tesla

Einen Elektro-Transporter oder doch wieder einen Diesel? Vor dieser Frage stehen derzeit viele Käufer von Nutzfahrzeugen. Denn noch ist unklar, wie sich die Mobilität in Deutschland entwickelt.

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Die aktuelle Mobilitätsdebatte in Deutschland nimmt Fahrt auf. Nicht verwunderlich, denn die Branche steht vor einem Umbruch. Zudem ist das Thema nicht nur durch die Emission aus den Verbrennungsmotoren der Pkw und Lkw belastet, sondern auch durch Emotionen. Es geht vor allem um saubere Luft und Klimawandel, aber auch um unser Konsumverhalten, um Arbeitsplätze und die richtigen Entscheidungen für die Zukunft. Hinzu kommt, dass die starke deutsche Automobilindustrie sich neuen Wettbewerbern stellen muss, auch im Bereich der Nutzfahrzeuge. Dies sind beispielsweise der US-amerikanische Elektro-Automobil-Hersteller Tesla oder auch die Deutsche Post, die mit ihrem E-Lieferfahrzeug Streetscooter derzeit auftrumpft.

Dieser Gemengelage sehen sich nun viele Autokäufer gegenüber, unter ihnen die gewerblichen Kunden. Große und kleine Mittelständler, Handwerker sowie Kaufleute der Lebensmittelbranche, aber auch Konzerne, seien es nun Hersteller oder auch Händler, stehen vor der Frage, wie sie ihren Fuhrpark, die Zahl ihrer Nutzfahrzeuge, zukunftsfähig ergänzen. Dabei wird die Diskussion gegenwärtig vor allem von zwei Schlagworten bestimmt. Dem „schmutzigen“ Diesel steht der „saubere“ Elektroantrieb gegenüber. Es geht bei dieser Debatte in erster Linie um den zu hohen CO²- und Stickstoff-Ausstoß, der nicht nur das Klima schädigt, sondern auch zu Gesundheitsbelastungen durch Luftverschmutzung führt, insbesondere in den großen Städten. Aber auch das hohe Verkehrsaufkommen, mit verursacht durch viele Lieferfahrzeuge, wird zunehmend kritisiert.

Diesel ist unverzichtbar
Einer der bedeutenden Autohersteller Deutschlands, der Volkswagenkonzern, weist in diesem Zusammenhang allerdings entschieden darauf hin, dass Fahrverbote für Dieselfahrzeuge derzeit hierzulande noch nirgendwo Realität sind. Sie seien zwar Gegenstand der politischen Diskussion. Doch gelte es, den Ausgang abzuwarten. Natürlich verstehe man, so der Hersteller, die Verunsicherung vieler Menschen bei diesem Thema: „Was wir jedoch nicht außer Acht lassen sollten: Unter allen klassischen Verbrennungsmotorkonzepten ist der moderne Diesel die Antriebsart mit dem niedrigsten CO²-Ausstoß. Als Gesellschaft werden wir ihn also noch eine ganze Weile brauchen, um die ehrgeizigen europäischen Klimaziele in absehbarer Zeit zu erreichen“, beharrt der Konzern.


Andererseits ist Elektromobilität derzeit in aller Munde. „Nur leider haben die wenigsten Unternehmen eine konkrete Vorstellung davon, wie diese in der betrieblichen Praxis tatsächlich funktioniert.“ Darauf macht Daniel Linke aufmerksam, Geschäftsführender Vorstand des Bäckerdienstleisters Bäko. Viele hätten vielleicht auch Angst, dass sie irgendwo hinfahren wollten und das funktioniere dann nicht. Daher sei es wichtig, Elektromobilität auch ausprobieren zu können. Auch aus diesem Grund wurde jetzt ein E-Auto-Praxistest gestartet. Der Mittelstandsverbund, ein wichtiger Interessenvertreter auch des Handels, hat ihn Anfang November 2017 auf den Weg gebracht. Der Test läuft im Rahmen des Förderprojekts „Klimaprofi für den Mittelstand“. Er wird vom Bundesumweltministerium gefördert und richtet sich an Branchen, die beim Energiesparen bisher kaum in Erscheinung getreten sind, beispielsweise Bäcker, Fleischer, Friseure oder Apotheken. Lebensmittel-Einzelhändler sind bisher nicht dabei. Dennoch ist das Projekt richtungsweisend. Denn seit November 2017 können mittelständische Unternehmen zusätzlich zur Klimaschutzberatung kostenlos E-Fahrzeuge für eine Woche im Arbeitsalltag testen, da Elektrofahrzeuge ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende seien. „Unser Ziel: Vorurteile abbauen und für Elektromobilität begeistern.“, erklärt Ernst Panse, Projektleiter beim Verbund.

Walmart und Loblaw testen Tesla
Teslas angekündigter Elektro- Sattelschlepper stößt auf Interesse großer Handelsketten in den USA und in Kannada. Walmart reservierte für Tests fünf Fahrzeuge. Derzeit sind bei Walmart etwa 6.000 Lkw im Einsatz. Beim Einzelhändler Meijer aus Michigan sind es zunächst vier Reservierungen. Für Meijer sind aktuell 220 Lastwagen unterwegs. Auch der kanadische Händler Loblaw will Schritt für Schritt seine Lkw-Flotte auf elektrische Fahrzeuge umstellen. Anfang November wurde der erste elektrische Tesla-Truck in Betrieb genommen. Die Reichweite dieses Lastwagens soll bis zu 800 Kilometern größer als erwartet sein. Die Ladezeit liege bei 30 Minuten. Über den Kaufpreis eines Tesla-Lkw ist noch nichts bekannt. Das Unternehmen betont aber, dass die Betriebskosten deutlich niedriger als bei den mit Dieselkraftstoff betriebenen Trucks sein sollen.

Umfrage: 5 Prozent für E-Auto
Dass auch insgesamt in Deutschland ein Umdenken beim Thema Mobilität stattfindet, zeigt eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung, GfK, aus dem Sommer dieses Jahres (siehe Grafik auf dieser Seite). Unter anderem wird dort den Autofahrern die Frage gestellt, welche Kraftstoffe beziehungsweise Antriebe für sie beim nächsten Autokauf in Betracht kämen. Nicht verwunderlich ist, dass die größte Gruppe, zwei Drittel der deutschen Autofahrer, als nächstes Auto nach wie vor einen Benziner kaufen würden. 20 Prozent würden sich weiterhin für einen Diesel entscheiden. Dicht dahinter die Gruppe, die ein Fahrzeug mit Hybridantrieb wählen würde, immerhin 16 Prozent. Für ein mit Erdgas betriebenes Auto oder ein reines Elektrofahrzeuge würden sich immerhin jeweils rund 5 Prozent entscheiden. Dabei spielen besonders der Anschaffungspreis (65 Prozent) und die Reichweite (61 Prozent ) eine Rolle.

Um die verhalten wachsende Nachfrage nach E-Transportern zu bedienen, aber auch um die Mobilitätswende nicht zu verpassen, regieren die Hersteller. So hat Ford eine Zusammenarbeit mit der Deutsche Post DHL Group zur Entwicklung und Produktion des Streetscooter Work XL gestartet. Die Modellvariation des Streetscooter ist ein batterieelektrischer Lieferwagen mit 20 kbm Ladevolumen. Bis Ende 2018, so die Ankündigung, sollen 2.500 Fahrzeuge dieses Typs produziert und bei der Deutschen Post bzw. DHL in Dienst gestellt werden. Eine Verfügbarkeit dieses Fahrzeugtyps für Drittkunden, also auch des Handels, ist perspektivisch angedacht.

Darüber hinaus gibt es einen globalen Elektrifizierungsplan der Ford Motor Company. Danach wird derzeit der Ford Transit Custom PHEV für die Markteinführung im Jahr 2019 vorbereitet. Das Fahrzeug ist ein sogenannter Plug-in-Hybrid, der auf einen lokal emissionsfreien Batteriebetrieb mit etwa 50 km Reichweite ausgelegt ist und darüber hinaus über einen 1-l-Benzinermotor verfügt. So soll eine Gesamtreichweite von ca. 500 km ermöglicht werden. Mit 20 Erprobungsfahrzeugen dieses Typs wird Ende diesen Jahres ein Praxistest in London gestartet.

Mehr als 3 Prozent im Plus

Der Markt für leichte Nutzfahrzeuge legte 2017 um 4,6 Prozent zu. Auch insgesamt entwickelte sich der Nutzfahrzeugmarkt hierzulande besser als erwartet. Mit einem Zuwachs von 3,3 Prozent wurde das Rekordniveau des Jahres 2016 übertroffen.

Mercedes-Benz-Vans plant, alle gewerblichen Transporter mit Elektroantrieb anzubieten. Den Anfang macht der mittelgroße E-Vito, der sofort bestellbar und ab der zweiten Jahreshälfte 2018 lieferbar ist, kündigt der Hersteller an. Weitere Baureihen sollen ab 2019 folgen. Der E-Vito habe eine Reichweite von rund 150 km, eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 120 km/h, mehr als 1.000 kg Zuladung und bis zu 6,6 kbm Ladevolumen. Darüber hinaus arbeitet der Hersteller an einer Elektrostrategie. Im Fokus stehe dabei nicht nur der elektrische Transporter, sondern ein technologisches Ökosystem, das auf den Nutzen der Kunden abgestimmt sei. Bestandteil ist, die Elektrifizierung aller gewerblichen Baureihen. Die Elektrifizierung der Modellpalette gehe zudem mit einem Paradigmenwechsel einher: Das Modell des sogenannten „Customer Co-Creation“ rückt in den Mittelpunkt. So sollen beispielsweise strategische Partner wie der Logistik-Dienstleister Hermes unmittelbar in die Weiterentwicklung der Elektrofahrzeuge integriert werden. Hermes und Mercedes-Benz-Vans starten ihre im Frühjahr vereinbarte Zusammenarbeit Anfang 2018 mit einer Pilotphase.

Auf die alternative Antriebstechnologie Erdgas setzt man bei Seat. Schon heute können die Händler der Lebensmittelbranche darauf zugreifen. Aktuell hat das Unternehmen drei Modelle im Angebot. Zwei weiter sollen im kommenden Jahr dazukommen. Bis batterieelektrische Autos eines Tages in großen Stückzahlen gekauft werden, habe man somit schon jetzt „eine saubere, kosteneffiziente und praxiserprobte Brückentechnologie im Portfolio“.

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