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You-Gov Pfandumfrage Ein- oder Mehrweg: kein Ausweg?

Reiner Mihr | 05. Oktober 2017

Verbraucher unterscheiden kaum noch zwischen Ein- oder Mehrweg. Dabei wollen sie umweltfreundliche Gebinde und akzeptieren Pfand.

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Die gute Nachricht: Verbraucher kaufen Gebinde, die bepfandet sind. 69 Prozent befürworten das deutsche Pfandsystem. Das ergab eine Umfrage des Marktforschungsunternehmen You-Gov in Kooperation mit der Lebensmittel Praxis. 57 Prozent der Befragten glaubt, dass das Pfand zum Umweltschutz beiträgt. Am ehesten kaufen die Verbraucher Mehrweg-Plastikflaschen – wobei sie hier kaum differenzieren, gefolgt von Glas, Tetrapak und Dosen. Zwischen den unterschiedlichen Pfandsystemen können Verbraucher nicht differenzieren. Die angepeilte Mehrwegquote von 46 Prozent wird nicht erreicht, seit Einführung des Einwegpfands hat sich der Anteil der Mehrwegflaschen reduziert. Dabei ist für 59 Prozent der Verbraucher die Art des Pfandes nicht entscheidend für den Kauf von Getränken (für 36 Prozent ist das so). Vor allem Jüngeren ist die Bepfandung ziemlich egal.

Für den Händler bedeutet das, noch mehr Wissen über die Bedürfnisse seiner Kunden am Standort zu sammeln und sein Angebot darauf auszurichten.

Übrigens: Die meisten Kunden, die auf Pfand achten, hat die Rewe, deutlich vor der Edeka oder dem Discount.


Gespalten
  • Die Art des Pfandes ist für einen Großteil nicht entscheidend, für jeden Dritten aber Kaufkriterium
  • Für 59 % ist die Art des Pfandes nicht ausschlaggebend für den Kauf eines Getränks.
  • Für 36 % ist die Wahl zwischen Mehrweg oder Einweg ausschlaggebend.
  • Und gleichzeitig sehen nur wenige Anlass, am Pfandsystem etwas zu ändern.
  • 13 % sagen, es soll abgeschafft werden.
  • 69 % sagen, es soll nicht abgeschafft werden
Markus Braun, Head of Business UnitReports bei You-Gov: „Pfand spielt beim Einkauf meist keine Rolle

Können Verbraucher noch zwischen Pfand auf Einweg, Pfand auf Mehrweg, Pfand auf Kisten oder gar zwischen dem Pfand auf Flaschen mit oder ohne Bügel unterscheiden?
Die Deutschen haben sich zumindest überraschend gut mit dem Pfanddschungel arrangiert: Nur 13 Prozent der Käufer würden sich für eine Abschaffung des Systems aussprechen. Auf der anderen Seite ist die Pfandart für die deutliche Mehrheit der Bürger (59 Prozent) nicht kaufentscheidend. Das eröffnet dem Handel einen recht großen Entscheidungsspielraum hinsichtlich der Bepfandungssysteme.

Das eigentliche Ziel der Bepfandung – nämlich Mehrweg zu stützen – ist gescheitert. Woran liegt das?
Obwohl mehr als jeder Zweite der Ansicht ist, dass Mehrweg besser für die Umwelt ist, resultiert dies nicht in einer Bevorzugung von Mehrwegprodukten. Beim Einkauf spielen andere Aspekte wie Bequemlichkeit eine größere Rolle. Zudem wird Mehrweg in weiten Teilen der Handelslandschaft gar nicht angeboten.

Das Dilemma der Händler wird deutlich: Einerseits umweltbewusste Kunden bedienen, andererseits ein effektives und kostengünstiges Bepfandungs-System zu haben.Was wäre Ihr Lösungsvorschlag?
Eine allgemeingültige Empfehlung gibt es aus meiner Sicht nicht: Das Angebot muss auf die entsprechende Kundengruppe der Händler zugeschnitten werden. Grundsätzlich kann dieses Thema nur gemeinsam, branchenweit sinnvoll gelöst werden