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Süßwaren Nur eine Frage des Preises?

Andrea Kurtz | 22. September 2017
Süßwaren: Nur eine Frage des Preises?

Bildquelle: Griesson-de Beukelaer, Lebensmittel Praixis Verlag/Bettina Röttig, Riegelein,, Manner/Christian Wind

Gerade Unternehmen, die Kakao oder Nüsse verarbeiten, müssen sich von Kunden Fragen nach der Herkunft ihrer Produkte gefallen lassen. Und die steigenden Preise zwingen sie zusätzlich , gründlich auf ihre Lieferanten zu achten.

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Was für die einen der Megatrend, ist für die anderen längst selbstverständlich: nachhaltige und transparente Produktion. „Wir merken das zum Beispiel durch Anfragen bei unserem Verbraucherservice, aber auch daran, dass Verbraucher immer kritischer werden und ein gesteigertes Interesse daran haben, wo Produkte herkommen und wie sie produziert werden“, erläuterte Ültje-Marketing-Chef Oliver Krück. Das sei zwar noch kein Massenphänomen, aber auch kein aufgesetzter Hype. Unabhängig vom Verbraucherwunsch, glaube Ültje an die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, der Umwelt und den eigenen Mitarbeitern. „Deswegen haben wir auch eine Nachhaltigkeitsstrategie mit konkreten Zielen und Maßnahmen definiert, zu der wir uns als aktives Mitglied des Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung, des ZNU der Universität Witten/Herdecke verpflichtet fühlen.“ Seit Frühjahr 2014 ist Ültje nach dem ZNU-Standard Nachhaltiger Wirtschaften (Food) zertifiziert.

Von wem ist dieser Keks ?

Natürlich stammt die Prinzenrolle – auch wenn sie von einem ungewöhnlichen Menschen wie diesem Türsteher verzehrt wird – aus dem Hause Griesson-de Beukelaer und nicht, wie fälschlich in Heft 14 benannt, von einem anderen großen deutschen Gebäckspezialisten mit Sitz in Hannover. Wir bitten um Entschuldigung!

Nachhaltigkeit: Gebot der Stunde ?
„Nachhaltigkeit ist ja auch beim Handel in aller Munde, aber am Ende entscheidet doch nur der Preis. Dabei könnte sich der Handel damit gut positionieren“, fasst Andreas Wilkening zusammen, beim Südtiroler Unternehmen Loacker für Marketing zuständig. Loacker setzt bei vielen Zutaten auf nachhaltige Herkunft (s. Seite .80). Georg Kaiser, Chef der Berliner Bio Company, widerspricht an dieser Stelle regelmäßig: „Anders als andere Unternehmen, wie beispielsweise Discounter oder große konventionelle Einzelhandelskonzerne, setzen wir unsere Lieferanten nicht unter Preisdruck“, sagt er. Zum Wohle künftiger Generationen und dem Erhalt der Umwelt müssten sich Kosten auch in einem fairen Preis widerspiegeln.“

„Nachhaltigkeit beschäftigt uns und die Verbraucher nicht nur bei Saisonware“, ergänzt die Nestlé-PR-Frau für Ernährung und Gesundheit, Ulrike Weichert. „So stammt der Kakao, den wir in unseren Süßwaren einsetzen, aus dem Cocoa Plan, unserem Programm für nachhaltigen Kakaoanbau. Beim Rohstoff Kakao arbeitet Nestlé auch mit den Zertifizierungsorganisationen Fair Trade und UTZ Certified zusammen.“

Ähnliches gilt für den Schokoladen-Giganten Milka: „Als weltweit größtes Snacking-Unternehmen übernehmen wir gesellschaftliche Verantwortung, um unseren Beitrag zu einem bewussten Konsum und einer ausgewogenen Lebensweise zu leisten“, heißt es bei Mondelez. Langfristig sollen 100 Prozent des Kakaos aus nachhaltigem Anbau stammen; dafür wurde schon 2012 die Kakao-Initiative „Cocoa Life“ ins Leben gerufen.

Mitten in Wien
  • Manner stellt ausschließlich in Österreich her; größte Produktionsstätte ist Wien.
  • 40 Mio. Euro wurden in Umbau und Modernisierung des Werks investiert.
  • Dank des Neubaus in einem der Manner- Höfe hat der Produktionsbetrieb etwa 30 Prozent mehr Fläche.
  • Zusätzlich wurde die gesamte Haustechnik neu aufgesetzt.
  • Der Fokus der Wiener liegt hier darauf, möglichst energieautark zu agieren.
  • Die Abwärme aus dem Backprozess wird in das lokale Fernwärmenetz auf einer Länge von 3,5 km eingespeist und für Heizung und Warmwasser verwendet.
  • 600 Haushalte und Betriebe in unmittelbarer Nachbarschaft der Waffelproduktion in Hernals und Ottakring profitieren von der Energieerzeugung.
  • Manner wandelt darüber hinaus die überschüssige Abwärme des Herstellungsprozesses in Kälte um und verwendet diese für Kühlzwecke.
  • Ziel ist es, die vertikale Produktion genauso effizient oder noch effizienter zu gestalten als in vergleichbaren Betrieben auf der grünen Wiese.
  • Bei all diesen Projekten wird mit der TU und der Wirtschaftsagentur Wien zusammengearbeitet.

„Genießen und dabei etwas Gutes tun, spielt eine immer wichtigere Rolle für die Endverbraucher und deren Kaufentscheidung“, kommentiert man auch bei Confiserie Riegelein. Gerade zu Weihnachten und Ostern würden viele Konsumenten auf Werte wie Qualität und Nachhaltigkeit setzen, erläutert der Saison-Spezialist. Seit 2011 ist das Unternehmen nach eigenen Angaben hierzulande Vorreiter beim Einsatz fair gehandelten Kakaos und hat sein Sortiment zu 100 Prozent auf das Fairtrade-Kakao-Programm umgestellt. Gerade wurde die erste Bio-Fairtrade-Kollektion für Weihnachten 2017/ Ostern 2018 auf den Markt gebracht.

Fazit: „Nachhaltigkeit ist ein langanhaltender Trend, der unsere Konsumenten beschäftigt und den es strategisch zu berücksichtigen gilt“, fasst Martin Schulz, Marketingleiter von Griesson-de Beukelaer zusammen. Das sei längst ein „Muss, das die Verbraucher erwarten würden“, ergänzt Heike Bootz von Lindt. „Bei manchen Produktkategorien ist es bereits ein entscheidender Treiber des Konsums“, ergänzt Simone Schwenk von Seeberger.