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Familienunternehmen Das bleibt in der Familie

Sabine Wygas | 01. September 2017
Familienunternehmen: Das bleibt in der Familie

Bildquelle: Getty Images

91 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind Familienunternehmen. Sie genießen besonderes Vertrauen, haben eigene Schwerpunkte und müssen sich besonderen Herausforderungen stellen.

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Familienunternehmen bilden eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft. Sie beschäftigen etwa 57 Prozent der Arbeitnehmer hierzulande. „Von 2006 bis 2015 erhöhten die 500 größten Familienunternehmen die Zahl ihrer Mitarbeiter um 19 Prozent, die 27 nichtfamilienkontrollierten DAX-Unternehmen nur um 2 Prozent“, sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen in München. „Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten können Familienunternehmen stabilisierend wirken.“ Die Zahlen sind Ergebnisse der Studie „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen“ von 2016, die die Stiftung in Auftrag gegeben hat.

Laut einer Forsa-Umfrage vertrauen 88 Prozent der Deutschen den Familienunternehmen. Das ist ein viel höherer Wert als das Vertrauen in die Regierung (30 Prozent) oder in die in Streubesitz befindlichen internationalen Konzerne (15 Prozent).

Angesichts der großen Bedeutung von Familienunternehmen wundert es nicht, dass es an der Uni Witten/Herdecke ein Institut gibt, das die Besonderheiten dieser Unternehmensform erforscht. Das Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) gibt sein Wissen über verschiedene Studiengänge an potenzielle Nachfolger, Fach- und Führungskräfte weiter.

Enkelfähigkeit statt ‧Profitmaximierung
Das Besondere an Familienunternehmen ist für Prof. Tom Rüsen, Geschäftsführender Direktor des WIFU, vor allem, dass das Ziel für die Eigentümer nicht allein in der Erwirtschaftung eines Profits liegt. „Es geht vielmehr um den generationenübergreifenden Erhalt des Unternehmens, seiner Arbeitsplätze sowie der Kunden- und Lieferantenbeziehungen. Es geht nicht um Profitmaximierung, sondern um die Schaffung von Enkelfähigkeit.“

Diese besondere Unternehmensspezies stärkt darüber hinaus den ländlichen Raum, wie die Stiftung herausfand. „Traditionelle Familienunternehmen bleiben ihrem Standort auch dann noch treu, wenn sie längst zum Global Player geworden sind“, so Heidbreder. Genau darin liege auch ein Schwachpunkt. Dort haben sie aus Sicht von Heidbreder mit größeren Widerständen zu kämpfen, beispielsweise wenn es um die Anwerbung von Fach- und Führungskräften geht. „Hier konkurrieren Familienunternehmen mit großen Konzernen, die in den Metropolen angesiedelt sind, um dieselben Spezialisten.“

Eine genaue Definition, was ein Familienunternehmen ist, gibt es nicht. Die Wittener Forscher sprechen davon, wenn sich das Unternehmen ganz oder zum Teil im Eigentum einer Familie oder mehrerer Familien befindet. Weiteres Kriterium: Die Familien bestimmen die Unternehmensentwicklung maßgeblich. Diese Verantwortung werde entweder aus einer Führungs- oder Aufsichtsfunktion beziehungsweise beiden Funktionen heraus wahrgenommen. Dabei spielten Rechtsform und Größe des Unternehmens keine Rolle.

Deutschland ist ein schwieriger Standort
So wichtig diese Unternehmensform für die Wirtschaft hier zu Lande ist, im internationalen Vergleich ist Deutschland als Standort für Familienunternehmen offenbar weniger attraktiv. Laut „Länderindex Familienunternehmen“ kommt Deutschland dabei nur auf Rang zwölf von 18 untersuchten OECD-Ländern, so Heidbreder. Einer der Gründe dafür sei die Erbschaftssteuerreform. Dadurch habe sich die Belastung für größere Familienunternehmen in Deutschland verdreifacht. Die Erbschaftssteuer sei eine Belastung, die andere Unternehmenstypen nicht stemmen müssten.

Vor allem Unternehmen im Bau- und Gastgewerbe sind eigentümergeführt. Beim Einzelhandel liegt ihr Anteil, so Heidbreder, bei 90 Prozent. Laut Global Family Business Index ist die Schwarz-Gruppe das drittgrößte Familienunternehmen in Deutschland, die Aldi Group rangiert auf Platz vier, Henkel kommt auf Platz acht. Eine Branche gänzlich ohne Familienunternehmen gibt es gemäß der Münchner Stiftung nicht.