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Rügenwalder Mühle Es geht um die Wurst

Bernd Liening | 11. August 2017
Rügenwalder Mühle: Es geht um die Wurst

Bildquelle: Rügenwalder

Rügenwalder Mühle gelang mit vegetarischen Produkten ein Befreiungsschlag. Jetzt baut das Unternehmen eine Bio- Produktlinie als weiteren Wachstumstreiber auf.

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Im angespannten Wurstwarenmarkt gestaltet die Rügenwalder Mühle ihre eigene Firmenkonjunktur. Der Umsatz blieb 2016 mit rund 204 Mio. Euro nahezu konstant (2015: 205 Mio. Euro) und der Absatz mit 24.400 (24.421 Tonnen) ebenfalls stabil. Aber auch Rügenwalder kann sich der rückläufigen Nachfrage nach klassischen Wurstwaren nicht entziehen und verliert in diesem Bereich seit Jahren Menge. Dafür läuft es im 2014 neu aufgebauten Geschäftsbereich der vegetarischen Produkte umso besser.

Während der Veggie-Gesamtmarkt 2016 laut Marktforschung um 9,6 Prozent gewachsen ist, konnte Rügenwalder nach Worten von Geschäftsführer Godo Röben mit fleischfreien Produkten überproportional um 33 Prozent zulegen. Inzwischen liegt deren Umsatz bei fast 50 Mio. Euro und damit auf dem Niveau des umsatzstarken Klassikers Teewurst. Den aktuellen Fleischfrei-Anteil von 26 Prozent am Gesamtumsatz will das Unternehmen bis 2020 auf 40 Prozent steigern. Wie arbeitsintensiv die Produktion der vegetarischen und veganen Produkte ist, zeigt die Zahl der eigens dafür neu eingestellten 125 Mitarbeiter. „Das hat Manufakturcharakter“, beschreibt Geschäftsführer Lothar Bentlage die vielfach manuellen Prozesse der Herstellung. Noch in diesem Jahr soll das fleischfreie Sortiment von jetzt sechs auf zehn Produkte ausgebaut werden.

Anfang Juli brachte Rügenwalder die erste Bio-Markenwurst in den Handel. Die bekannten „Schinken Spicker“ gibt es nun auch als Bio-Variante in den Sorten Mortadella und Bärlauch-Lyoner. Damit setzt das Unternehmen auf den Bio-Trend mit unverändert zweistelligen Zuwachsraten. Bentlage erklärt, der Handel habe es „sehr positiv aufgenommen“, dass Rügenwalder als Marke strategisch in den Fleischwarenmarkt investiert. In der Entwicklungspipeline seien bereits fünf weitere Bio-Produkte.


Interview mit Godo Röben: „Mehrwerte liefern“

Godo Röben, Geschäftsführer Rügenwalder Mühle, über die Perspektiven im Markt.

Welchen großen Trends folgt Rügenwalder Mühle in ihrer Neuausrichtung?
Godo Röben: Über das Wachstum unserer vegetarischen Linie konnten wir zuletzt unsere Tonnage und unseren Umsatz halten. Dieser Trend, dass Fleischersatz massentauglich wird, hält an, und wir folgen ihm mit Innovationen. Für den künftigen Erfolg spielt die Fokussierung auf Produkte mit Mehrwert eine entscheidende Rolle. Umfragen belegen, dass junge Konsumenten 74 Prozent der Marken für belanglos halten. Wo der Mehrwert fehlt, entscheidet nur der Preis. Mit den vegetarischen und veganen Produkten sowie Bio kann die Marke Rügenwalder Mühle solche Mehrwerte liefern.

Warum erst jetzt Bio?
Oftmals wartet einer auf den anderen. Das ist auch bei Bio so. Die Industrie sagt, es wäre nicht genug Bio-Fleisch vorhanden. Die Landwirte wiederum meinen, sie fänden nicht genug Abnehmer für Bio-Fleisch. Bio beschäftigt uns schon lange, und wir wollten nicht länger warten – und sind deswegen jetzt einfach gestartet. Mittlerweile haben ja auch mehr Erzeuger ihre Höfe umgestellt, und es sind größere Mengen an Bio-Fleisch lieferbar. Wenn wir nun aber doch mal mehr Bestellungen für unsere Bio-Wurst bekommen, als wir ausliefern können, dann müssen wir eben damit leben. Denn, dass sich Bio auch im Fleisch- und Wurstmarkt durchsetzen wird, daran glauben wir fest.

Welche Erwartungen knüpfen Sie an Online-Absatzkanäle im LEH ?
Die Onlinevermarktung in Eigenregie ist schwer für unsere Produkte. Wir sind aber bei allen Online-Plattformen wie Rewe online, Mytime oder jetzt auch Amazon Fresh dabei. Die Umsatzentwicklung geht jetzt erst auf niedrigem Niveau los. Aber in fünf Jahren wird sie sicher viel Dynamik entwickeln, denke ich.