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Nutzfahrzeuge Stromer für die Stadt

Gerhard Prien | 30. Mai 2017
Nutzfahrzeuge: Stromer für die Stadt

E-Autos sind auf deutschen Straßen nicht weit verbreitet. Die alternativen Antriebe Hybrid und Elektro spielen nur eine untergeordnete Rolle. Doch bei Pkw und Transportern wächst das Angebot an E-Mobilen.

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Zum 1. Januar 2016 registrierte das Kraftfahrbundesamt 45.071.209 Pkw. Davon waren 66,2 Prozent mit einem Benziner, 32,2 Prozent mit einem Diesel ausgestattet. Lediglich 130.365 Pkw sind mit Hybridantrieb unterwegs, 25.502 mit einem reinen Elektroantrieb. Allerdings hat die Bundesregierung den ehrgeizigen Plan, dass bis 2020 auf Deutschlands Straßen rund 1 Mio. Elektro-Autos fahren sollen.

Zwei-Volumen-Autos mit Reichweite

Der Opel Ampera-e ist ab Ende Juni bei ausgewählten E-Händlern zu sehen. Er ist ein so genanntes Zwei-Volumen- Auto mit kurzer Motorhaube, weit vorn ansetzender Windschutzscheibe und hohem Passagier- sowie Gepäckabteil. Opel stattet seinen leer 1,6 t wiegenden Stromer mit 60 kWh aus, das reicht für eine theoretische Reichweite von 520 km. Von 0 auf 50 km/h braucht der Ampera-e 3,2 Sekunden und nach 7,5 Sekunden erreicht er die 100-Stundenkilometer- Marke. Der Gepäckraum hat ein Volumen von 381 l , maximal 1.274 l.

Da kommt die Absicht der Deutschen Post unter die Auto-Hersteller zu gehen, nicht ungelegen. Für seinen Elektro-Transporter StreetScooter „Work“ baut der deutsche Logistiker gerade ein zweites Werk. Damit soll dann die Produktion über den eigenen Bedarf hinaus ausgebaut und der E-Lieferwagen – zu Preisen ab 32.000 Euro – auch anderen Kunden angeboten werden. Verfügbar ist der „Work“ in drei Versionen als geschlossener Kastenwagen, als Plattform-Wagen oder Pick-Up. Der Verkauf der Elektrotransporter an andere Unternehmen soll „ab sofort“ starten und die Auslieferungen im Herbst beginnen. Bis Ende des Jahres will die Post in ihrer neuen Fabrik die Produktionszahlen des Work von auf bis zu 20.000 Einheiten verdoppeln. Der für den Elektrolieferwagen zuständige Post-Vorstand Jürgen Gerdes kündigte an, dass mindestens die Hälfte der Jahresproduktion 2017 – gesprochen wird über rund 10.000 Einheiten – für externe Geschäftskunden wie Flottenbetreiber oder Kommunen im In- und Ausland bestimmt sei. Die neue Produktion soll eine niedrige dreistellige Zahl an neuen Arbeitsplätze bringen und in Nordrhein- Westfalen stehen. Denn es sei „sinnvoll, dass die Techniker und Händler, Handwerker und Kommunen, händeringend auf der Suche nach elektrisch betriebenen Alternativen zu den klassischen Transportern mit Verbrennungsmotoren. Gerdes blickt jedenfalls optimistisch in die Zukunft. Selbst der Bau eines dritten Werkes ist für ihn denkbar ebenso wie weitere Produktionsorte im Ausland. Damit ließen sich dann in zehn Werken jährlich etwa 100.000 Street-Scooter bauen.

Hermes fährt Vito

Hermes und Mercedes-Benz haben eine strategische Partnerschaft zur Elektrifizierung der Fahrzeugflotte des Paketdienstleisters vereinbart. Start des Projektes ist in Stuttgart und Hamburg Anfang 2018. Bis 2020 will Hermes 1.500 Elektrotransporter der Baureihen Vito und Sprinter deutschlandweit einsetzen.

Leichtes ein- und Aussteigen
Gegründet wurde StreetScooter, wo die E-Transporter von den Firmengründern Achim Kampker und Günther Schuh nach Vorgaben der Post entwickelt wurden, im Jahre 2010 als Start-Up im Umfeld der Technischen Hochschule in Aachen. Der erste Prototyp des StreetScooter wurde 2012 vorgestellt. Entworfen wurde der „Work“, bei dem besonderer Wert auf leichtes Ein- und Aussteigen gelegt wurde, als einfacher, funktionaler Transporter mit großem Laderaum für den Einsatz bei der Auslieferung auf dem Land sowie in kleineren und mittleren Städten. Trotz seines kompakten Formats – das Fahrzeug ist 4,6 m lang – besitzt der bis zu 80 km/h schnelle Scooter einen Laderaum von 4,3 Kubikmeter. Der StreetScooter „Work“ wird mit verschiedenen Batteriepacks angeboten.


Seit 2014 gehört die StreetScooter GmbH der Post, seit 2015 wird der E-Transporter in Serie produziert. Aktuell sind im Unternehmen rund 200 Mitarbeiter in der Entwicklungund Produktion des E-Kleinlasters beschäftigt. Rund 2.500 StreetScooter hat die Post im Lieferdienst derzeit bundesweit im Einsatz. Insgesamt sollen bis zu 30.000 Fahrzeuge durch den StreetScooter ersetzt werden. Die werden über einige hundert von der Post zertifizierte Werkstätten gewartet. Diese Werkstätten könnten, so Gerdes, künftig auch für die potenziellen Fremdkunden arbeiten. Denn über ihre Tochter „Post Service“ will – und muss – die Post für ihre künftigen Fahrzeug Käufer beispielsweise auch Garantien und Dienstleistungen wie ein Automobilhersteller anbieten. Im vergangenen Jahr präsentierte StreetScooter zudem die Variante „Work L“ den großen Bruder des „Work“ mit 8 Kubikmetern Laderaum. Das entspricht bis zu 150 Paketen. Damit hat der „Work L“ eine doppelt so große Ladekapazität (bis 1.000 kg) wie das kleinere Modell. Dazu verfügt er über einen stärkeren Motor und eine neue Lithium-Ionen- Batterie mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern. Ein weiteres Modell des StreetScooter skizzierte denkbare Einsatzmöglichkeiten des Work beispielsweise im kommunalen Umfeld. Der in typischem Orange gehaltene „Work Orange“ besitzt einen elektro-hydraulischen Drei-Seiten-Kipper.

Crafter für die Stadt

Mit dem elektrisch angetriebenen Crafter bietet VW eine seriennahe Lösung für den emissionsfreien Lieferverkehr. Die E-Crafter sollen, ohne Einschränkung beim Ladevolumen, eine Reichweite von 200 km ermöglichen.

Zugang über die Heckklappe und die seitlichen Fondtüren
Ebenso haben die großen Automobilhersteller für gewerbliche Kunden – auch für umweltbewussteEinzelhändler – das ein oder andere Angebot im Köcher. Auch wenn diese Modelle sich zurzeit noch nicht mit den StreetScooter vergleichen können. Da gibt es beispielsweise den „E-Load Up!“ von VW in der Transporterversion. Diese Variante unterscheidet sich kaum von ihrem Pkw-Bruder. Vorne und am Heck weisen „Load“-Schriftzüge auf die Bestimmung als Nutzfahrzeug hin, auch die serienmäßig abgedunkelten Scheiben des Laderaums geben Aufschlüsse auf den Verwendungszweck. Zudem gestatten sie keine neugierigen Blicke auf die Ladung. Der Laderaum selbst ist außer über die Heckklappe auch durch die beiden serienmäßigen seitlichen Fondtüren zugänglich. Die Rückbank hat sich Volkswagen gespart. Dafür gibt es eine Bodenplatte aus robustemSiebdruck, ein Material, das auch im Lkw- und Anhänger-Bau eingesetzt wird. Zur Ladungssicherung sind vorne und hinten je zwei Ösen eingelassen.

Maximale Reichweite

250 km Nissan legt sich ins Zeug, um die E-Mobilität zu puschen. Die staatliche Prämie von 4.000 Euro stockt der Autobauer auf 5.000 Euro auf. Mit einem Netzwerk an Partnern zeigt Nissan Wege auf, wie E-Mobile künftig als Energiespeicher und Lieferanten unterwegs sein werden. Der Leaf, mit 245.000 Einheiten das erfolgreichste E-Auto der Welt, hat in seiner jüngsten Version eine Reichweit von 250 km. Damit lassen sich 98 Prozent der individuellen Mobilität abdecken. Das zweite Modell ist der e-NV 200, ein leichtes Nutzfahrzeug mit 4,56 m Länge.

Eine Trennwand separiert den Laderaum vom Passagierabteil und schützt so Fahrer und Beifahrer vor eventuell herumfliegendem Transportgut. Ein kleines, über eine Klappe leicht zugängliches Fach verbirgt sich unter der hinteren Hälfte des Laderaumbodens. Hier passt beispielsweise das Ladekabel hinein. Darunter ist das Tire-Mobility-Set verstaut. Der Laderaum umfasst durch den Wegfall der Rückbank knapp einen Kubikmeter. Die Nutzlast des kleinen Stromers liegt bei 298 kg. Gerade mal 3,6 m lang und165 cm breit ist der E-Load Up. Damit passt er auch in knapp bemessene Parklücken und ist somit für den innerstädtischen Lieferverkehr prädestiniert. Auch der kleine Wendekreis von gerade 9,8 m passt. Ähnlich schaut es mit der Reichweite aus. Die liegt unter Idealbedingungen bei maximal 140 Kilometern. Als mobiler Partner taugt der E-Load eher für urbane Dienstleister wie Händler, Handwerker oder Kurierfahrer. Ab der ersten Motorumdrehung liegen 210 Nm maximales Drehmoment an. Der 239 kg schwere Akku- Block sitzt unter dem Fahrzeugboden und ist zwischen den Achsen verbaut. Mit dem daraus resultierenden niedrigen Schwerpunkt lässt sich der E-Kleinlaster fast wie ein Go-Kart bewegen. In etwa einer halben Stunde kann der Akku-Pack mit Gleichstrom zu 80 Prozent wieder aufgeladen werden.

An der heimischen Steckdose muss man mehr Geduld mitbringen. Unter „R.I.P.“ leidet auch der E-Load Up: „Reichweite – Infrastruktur – Preis“. Etwas gemildert wird der Schmerz über die Anschaffungskosten durch den noch existenten Umweltbonus von 4.000 Euro. Die Verbrenner, die sich nicht emissionsfrei bewegen lassen, sind deutlich günstiger. Dennoch spricht einiges für Streetscooter oder E-Load-Up. Aber auch weitere Modelle sind für die gewerbliche Nutzung nicht uninteressant, seien sie nun elektrisch oder mit einem Verbrennungsmotor angetrieben. Dazu einige Beispiele (siehe Kästen).

LPV GmbH

Am Hammergraben 14
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Fax: +49 (0)2631 879-201

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