Anzeige

Lebensmittel-Skandal Dioxin im Futter

Heidrun Mittler | 13. Januar 2011
Lebensmittel-Skandal: Dioxin im Futter

Bildquelle: creative collection

Gleich zu Jahresbeginn ein neuer Lebensmittel-Skandal: Bei näherem Hinsehen entpuppt er sich als alte, unappetitliche Geschichte. Ursachen und Konsequenzen.

Anzeige

Und wieder einmal bleibt einem das Frühstücksei im Hals stecken, wenn man morgens die Zeitung aufschlägt: Tausende von Legehennen werden notgeschlachtet und verbrannt, Eier aus dem Verkehr gezogen, ganze Höfe stillgelegt. Die Ursache für den neuerlichen Skandal, dessen Ausmaß derzeit noch nicht abzuschätzen ist, ist wieder einmal: Dioxin im Futter der Legehennen. Betroffen sind Presseberichten zufolge aber wohl auch Schweine- und Putenfutter. Hier einige Fakten zu Dioxinen und ihrer Wirkung auf den Menschen:

  • Herkunft: Unter dem Begriff Dioxine fasst man chemisch verwandte Stoffe zusammen, der bekannteste heißt TCDD und ist unrühmlich als „Seveso-Gift" in die Geschichte eingegangen. Dioxine entstehen unerwünscht, meist bei Verbrennungen mit Chlor und organischem Kohlenstoff. Die Stoffe belasten unsere Umwelt. Allerdings ist die Konzentration in den letzten Jahren stark gesunken, weil beispielsweise industrielle Abgase besser gefiltert werden.
  • Anreicherung: Dioxine sind fettlöslich. Dadurch haben sie unter anderem die unangenehme Eigenschaft, dass sie sich im Fettgewebe anreichern: im Fett von Tieren, aber ebenso von Menschen. Das ist der Grund, warum Dioxine auch in der Muttermilch vorkommen. Im Hühnerei sammeln sich die Stoffe überwiegend im Eidotter. Nach Angaben des Umweltbundesamtes nimmt der Mensch 90 bis 95 Prozent aller Dioxine über seine Nahrung auf – vor allem durch Fleisch und Milchprodukte.
  • Wirkung: Dioxine sind unterschiedlich giftig, je nach Substanz. Wenn man im Internet nachliest, was Dioxine alles bewirken können, wird einem Angst und Bange. So findet man auf der Homepage des Umweltbundesamtes: Hautschädigungen (Chlorakne), Störungen des Immunsystems, des Nervensystems, des Hormonhaushalts und der Reproduktionsfunktionen. Doch man muss bedenken, dass wir uns ja nicht ausschließlich von Hühnereiern ernähren. Deshalb betonen Gesundheitspolitiker gern, dass keine akute Gefährdung zu erwarten sei. Allerdings sind Dioxine grundsätzlich krebserregend – Spätfolgen sind heute nicht abschätzbar.
  • Quelle: Wie kamen die unerwünschten Stoffe überhaupt in die Nahrung? Es ist ein Trauerspiel, wenn man die Ursache in einem Satz nennt: Das Gift stammt nach derzeitigem Stand aus einem Fettgemisch, das nur für technische Zwecke und keinesfalls für den Verzehr geeignet ist. Salopp gesagt: ein Schmierstoff, der verunreinigt ist, und anfangs auch klar als solcher gekennzeichnet war. Über mehrere Zwischenhändler gelangte er dann zu einem Futtermittelhersteller, der fälschlicherweise davon ausging, dass er zur Beimischung in Futtermittel geeignet war. Wann der Hinweis „technisches Fett" verschwunden ist, ist noch nicht geklärt. Fest steht: Technisches Fett ist billiger als Nahrungsfett.