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Prowein Frisch, fruchtig und mit junger Zielgruppe

Tobias Dünnebacke | 11. April 2014
Prowein: Frisch, fruchtig und mit junger Zielgruppe

Bildquelle: Messe Du00fcsseldorf

Die Prowein konnte bei ihrer 20. Auflage erneut ordentlich zulegen. Fachbesucher aus aller Welt gaben sich die Klinke in die Hand, um große Gewächse und vielversprechende Newcomer zu entdecken. Der Trend zu Wein-Mix-Getränken nimmt weiter Fahrt auf.

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Schon die Verkehrsdichte im Umfeld der Düsseldorfer Messe ließ erahnen: Die Prowein wird abermals, wie in den Jahren zuvor, ein Besucherplus verzeichnen. Und tatsächlich zählte die Messeleitung am Ende der Prowein mehr als 48.000 Besucher, ein Plus von 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2013: 45.168). Die 4.830 Aussteller aus allen relevanten Weinbaunationen und –regionen präsentierten die komplette internationale Bandbreite an Wein-, Schaumwein und Spirituosen. Von großen Gewächsen, Bio-Weinen und Gewöhnungsbedürftigem wie Wein aus der Dose („Winestar“ aus Frankreich), war alles dabei, was irgendwie für Fachbesucher von Interesse sein konnte. Was die Neuheiten der Markenhersteller angeht, also Produkte, die auf große Konsumentengruppen und den Verkauf über den Lebensmittel-Einzelhandel ausgerichtet sind, waren u.a. geprägt vom Trend zu aromatisierten weinbasierten Mixgetränken. Der scheint sich in diesem Jahr noch zu verstärken.

Allen voran setzt Rotkäppchen-Mumm auf dieses Segment. Marketingdirektor Peter O. Claußen konnte den Standbesuchern gleich eine ganze Reihe an Neuheiten vorstellen. Rotkäppchen Fruchtsecco ist eine Weincuvée von Rotkäppchen Sekt mit Fruchtsaft verfeinert und 8 Volumenprozent Alkohol. Neben den Sorten Erdbeere und Holunderblüte gibt es das Neuprodukt auch in der Geschmacksrichtung Granatapfel. Claußen geht davon aus, damit sowohl Liebhaber von heimischen Früchten als auch Trendsetter anzusprechen. Auch die neue Range Jules Mumm Plus wurde auf der Messe vorgestellt. Mit den drei Geschmacksvarianten Cranberry - Holunderblüte, Holunderblüte - Minze sowie der brasilianischen „Wunderbeere“ Açai sollen, passend zur Dachmarke, vor allem junge Frauen erreicht werden.

Wettbewerber Henkell setzt ebenfalls auf weinbasierte Mischgetränke. Nach offensichtlich guten Erfahrungen mit Sommerdrinks wie „Hugo“ wurde auf der diesjährigen Prowein die neueste Kreation innerhalb der Mionetto Il-Range vorgestellt. So soll Mionetto Il Viola, nach den Vorstellungen des Wiesbadener Sekthauses, der neue große Sommerdrink werden. Dabei handelt es sich um eine Verbindung aus weißem Vino Frizzante mit dem natürlichen Aroma von Veilchen. Der Aperitif ist in der 0,75-l-Flasche ab April im Handel erhältlich. Neben Neuheiten wie eben Mionetto oder Wodka Gorbatschow & Orange in der 0,33-l-Dose, kam aber auch die Traditionsmarke nicht zu kurz. So wurde für die Sektmarke Henkell ein überarbeitetes Design präsentiert. Im Mittelpunkt steht die neue schräge Halsschleife mit der veredelten Henkell-typischen goldenen Lilie.

Freixenet setzt, wie derzeit viele Markenhersteller, auf frisch-fruchtige Weine und eine weibliche Zielgruppe. Mia Rosado heißt der Neuzugang bei der Mia-Range. Mia ist laut Geschäftsführer Dr. Hans-Joachim Momm im deutschen Handel bereits die fünftstärkste spanische Weinmarke. Auch der neue Perlwein Seccito Rosado Semi Seco setzt auf das Thema Rosé, das aus Sicht von Dr. Momm den Zenit noch lange nicht erreicht habe. Den weinhaltigen Cocktails indes steht der Freixenet-Geschäftsführer kritisch gegenüber. Besonders im Bezug auf die Platzierung im Lebensmittel-Einzelhandel gebe es Aufklärungsbedarf. Zwar hätten weinhaltige Cocktails mit rund 91 Mio. Flaschen eine signifikante Marktgröße erreicht, die Platzierung im Sektregal sei aber grundlegend falsch. „Bis zu 60 Prozent ihres Umsatzes beziehen die weinhaltigen Cocktails aus den männlich besetzten Kategorien Spirituosen und Biermischgetränke. Daher sollten diese Getränke nicht dem Sektbereich zugeordnet wer den.“ Der aktuelle Trend, Regal- und Platzierungsplätze sowie Handzettelplätze vom Segment Sekt für die weinhaltigen Cocktails abzuziehen, würde für den Handel das Risiko beinhalten, das Umsatzpotenzial für Sekt nicht voll auszunutzen.

Derlei Probleme betreffen den kalifornischen Markenweinspezialisten Gallo (Ernest & Julio Gallo Winery)nicht.Dirk Schultheis, Senior Marketing Manager, nutzte die Messe hauptsächlich, um neben der Hauptmarke, die mit Sorten wie Moscato und Summer Red mittlerweile auch im fruchtig-süßen Bereich angekommen ist, die Brands Barefoot sowie Apothic Red vorzustellen. Dazu kam noch eine Reihe von Neuheiten, allen voran Dark Horse, die „Underdog-Marke“ aus Amerika mit einem Chardonnay bzw. einem Cabernet Sauvignon. Ihr typisch kalifornischer Charakter soll für frischen Wind im deutschen Premiumwein-Segment sorgen. Beide Weine sind ab sofort für 6,99 Euro (UVP) im Lebensmittel-Einzelhandel erhältlich. Damit aber nicht genug. Im Spirituosen-Segment wartete Schultheis mit einer weiteren Überraschung auf. Für die Vodka-Marke „New Amsterdam“ werden jetzt in Deutschland Testverkäufe durchgeführt.

Der Fachverband der Bordeaux-Weine (Conseil Interprofessionnel Du Vin De Bordeaux – CIVB) nutzte die Messe, um auf einem seiner Kernmärkte verstärkt Weißweine in den Fokus zu rücken. Für deutsche Konsumenten, die in der Masse Bordeaux hauptsächlich mit schweren Rotweinen assoziieren, ist hier noch Informationsbedarf vorhanden „Wir haben in Bordeaux schon immer Weißwein hergestellt, lange Zeit war die Weißweinproduktion sogar wesentlich größer als die aus roten Trauben“, sagt CIVB-Präsident Bernard Farges. Deutschland sei ein sehr interessanter Markt, weil Weißwein hier bekannt und beliebt sei und die französischen Erzeugnisse aus Gebieten wie Graves und Pessac-Léognan die Lücke zwischen Riesling und Chardonnay perfekt schließen könnten. Marketing-Direktor FrançoisJumeau nannte die drei Säulen Qualität, Vielfalt und Zugang als Eckpunkte seiner Deutschland-Strategie. Zwar sei der deutsche Markt stark preisgetrieben, allerdings seien Bordeaux-Weine durchaus bezahl bar und böten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Dies schätze auch der deutsche Konsument.