Belgische Fleischindustrie Gegen EU-Pläne

In der belgischen Fleischindustrie halten viele die Herkunftskennzeichnung für keinen geeigneten Schutz.

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Was sagt es schon aus, wenn ein Stück Rindfleisch von einem Tier stammt, das in Belgien geboren, gemästet und geschlachtet wurde? Ist das besser oder schlechter als ein Stück Rindfleisch von einem Tier, das dies alles in Frankreich erlebt hat? Nach Plänen von EU-Verbraucherschutz-Kommissar John Dalli sollen zur Eindämmung von Tierseuchen Rinder europaweit elektronisch gekennzeichnet sowie Angaben über Herkunft, Transport und Standort in einer EU-Datenbank gespeichert werden.

Dagegen haben die Belgier nichts. Aber sie sagen klar, dass dies in Sachen Rückverfolgbarkeit zu wenig ist, vielleicht Lebensmittelsicherheit suggeriere, sie aber nicht effektiv leisten könne. Da sei das belgische Verfahren besser, am geeignetsten sei derzeit das von Tönnies entwickelte Ftrace. „Denn das ermöglicht zum ersten Mal einen chargengenauen Rückruf. Das hat es bisher nicht gegeben“, so das Fazit von Paul Coenen, dem Geschäftsführer vom Flandrischen Agrar-Marketing Büro in Köln, am Rande des sechsten Round Tables der belgischen Fleischwirtschaft. René Maillard, Geschäftsführer vom Belgian Meat Office in der Brüsseler Zentrale, sieht das genauso: „Herkunft hat nichts zu tun mit Lebensmittelsicherheit.“ Man könne überall auf der Welt gut oder schlecht arbeiten. Von zentraler Bedeutung sei, dass man es schafft, Rückrufe zeitnah und effektiv zu ermöglichen.

Auch die Vertreter der belgischen Fleischindustrie, die am Round Table mit niederländischen, deutschen, britischen, französischen und italienischen Journalisten teilnahmen, teilen diese Meinung. „Wir haben gelernt“, sagt Marcel Laeremans von Bens (Vanden Avenne Groep). Die belgische Fleischwirtschaft, die jahrelang kaum wettbewerbsfähig gewesen sei, wurde gezwungen, in Technologie und Know-how zu investieren. „Ich werde heute – auch von deutschen Handelsunternehmen – eigentlich immer nur zwei Dinge gefragt: ’Haben Sie eine Garantie für die Rückverfolgbarkeit? Wie sieht es mit Ihrer Liefertreue/-sicherheit aus?’ Das sind heute die zentralen Fragen. Und nicht, ob das Rind in Deutschland oder Belgien geschlachtet oder gehalten worden ist.“

De Brauwer

Weil die Löhne in der belgischen Zerlegebranche hoch sind, hat sich die Brauwer-Gruppe (2010: 142 Mio. Euro Umsatz, 120 Mitarbeiter, 1 Mio. Schweine geschlachtet) auf die Belieferung mit Karkassen spezialisiert. Wachstumstreiber ist Osteuropa (Polen). Seit 1992 wird Deutschland beliefert.

Didier De Brauwer,Groep De Brauwer

Laeremans

Das Familienunternehmen Vanden Avenne Groep (350 Mio. Euro Umsatz) entstand 1889 und wird von zwei Brüdern sowie drei CEOs geleitet. Zur Gruppe gz. B. der Schlachthof De Lokery und die Euro-Silo, einer der größten Rohstoff-Importeure zur Futtermittelherstellung in Europa.

Marcel Laeremans, Bens (Vanden Avenne Groep)

De Deyn

Der Fleischgroßhändler Rima N.V. (Umsatz: 70 Mio. Euro) vermarktet Rind- (z. B. die fettarme Rasse „Blanc Bleu Belge", BBB) sowie Schweinefleisch. 80 Prozent des Schweinefleisches wird im Inland verkauft, 20 Prozent gehen in den Export. Rindfleisch wird unter dem Meritus-Label vermarktet.

Julien De Deyn,RIMA