Round Table Sachsen:Konzentration im Handel schwächt die Marke

Bildquelle: Santiago Engelhardt

Round Table Sachsen Konzentration im Handel schwächt die Marke

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Schwierige Rohstoff-Beschaffung, Kostensteigerungen, Preiskampf, Mitarbeiter-Rekrutierung – Sorgen und Probleme wie überall. Aber sächsische Unternehmen haben es oft schwerer, in nationale Listungen zu kommen, als westdeutsche Hersteller. Woran das liegt, diskutierten drei Vertreter der sächsischen Ernährungsbranche im Gespräch mit der LP.

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Wer im harten Wettbewerb der deutschen Ernährungsbranche überlebt, hat seinen Platz im Markt gefunden. Das gilt auch und gerade für die Wurzener Nahrungsmittel GmbH mit Geschäftsführer Stefan Kuhl, für die C. F. Rolle GmbH Mühle mit Geschäftsführer Thomas Rolle und die Friweika eG mit Marko Wunderlich, ihrem Vorstand.

Teilnehmer
  • Thomas Rolle von der Rolle- Mühle (v. l.)
  • Stefan Kuhl von der Wurzener Nahrungsmittel GmbH
  • Marko Wunderlich von Friweika Kartoffelverarbeitung
  • Reiner Mihr, Chefredakteur der Lebensmittel Praxis.
  • Silvia Schulz, LP-Mitarbeiterin in den fünf jungen deutschen Bundesländern.

Wie laufen die Geschäfte? Was beschäftigt Sie gerade besonders?
Stefan Kuhl: Das Geschäft geht gut. Wir wachsen zweistellig. Das Hauptabsatzgebiet unserer Produkte sind die neuen Länder. Einige Artikel sind auch deutschlandweit gelistet. Aber es gibt auch Probleme. Verpackung wird immer teurer, der Mindestlohn steigt, und dann ist da noch der Preiskampf und Wettbewerb im Handel. Auch der Rohstoffmarkt wird komplizierter.

Marko Wunderlich: Da stimme ich zu. Wir haben es mit latenten Preissteigerungen in allen Bereichen zu tun. Doch die Preiserhöhungen können und werden nicht eins zu eins weitergegeben. Eine weitere große Aufgabe ist die Mitarbeiter-Rekrutierung. Das wird immer schwieriger. Heute müssen sich Unternehmen beim Mitarbeiter „bewerben“ und nicht der Mitarbeiter beim Unternehmen. 2002 hatten wir 200 Mitarbeiter, heute sind es 400. Unsere Firma ist natürlich für die marktstarken Handelsunternehmen ein kleiner Partner, aber ein etablierter. Wir investieren daher verstärkt in Technik. Unser Projekt 2020 sieht neue technologische Prozesse vor. Überaus anspruchsvoll sind die steigenden Anforderungen aus den Zertifizierungen. Auch dass Ernährung für den Konsumenten zur Religion geworden ist, müssen wir bei der Produktion und Vermarktung berücksichtigen.

Thomas Rolle: Wir als nicht ganz so klassische Mühle sind der Spezialist für Spezialitäten. Das macht uns aus. Urgetreide, Gelbweizen, Champagnerroggen sind angesagte Produkte, die nicht jeder hat. Das können wir aber nur anbieten, weil wir mit der Landwirtschaft eng zusammen arbeiten und das so gemeinsam initiiert haben. Wir bieten zunächst mal konventionelle Produkte an, die meist in der Region verbleiben. Unsere Bio-Produkte werden aber über die regionale Grenze hinaus vertrieben, und unsere Spezialitäten finden auch deutschlandweit Absatz. Wir bieten zum Beispiel den Original Dresdner Stollen in Bio-Qualität an. Zudem haben wir den Verband der Erzgebirgischen Stollenbäcker ins Leben gerufen. Dieses einzigartige Produkt, das sich vom Dresdner Stollen auch in der Konsistenz unterscheidet, vertreiben wir – neben den Bäckern – als Einziger weltweit.

Kleiner Exkurs: Wo sehen Sie die Zukunft der handwerklichen Bäcker?
Rolle: Sie sind die Nische in der Nische. Wenn sie Qualität liefern, und auf echtes Handwerk setzen, haben sie eine goldene Zukunft. Zudem bin ich überzeugt davon, dass die Macht der Handelskonzerne nicht nur im Backgeschäft in 10 bis 15 Jahren sinken wird.

Warum das denn?
Rolle: Weil der Verbraucher dann auch seine Lebensmittel – wie in anderen Ländern und wie heute schon viele andere Produkte – online einkaufen wird.

Lassen wir mal so stehen. Was macht Ihre Unternehmen eigentlich besonders?
Wunderlich: Wir sind regional verwurzelt, und die Organisation als Genossenschaft macht unsere Stärke aus. Unsere Produkte überzeugen in Qualität und durch kurze Wege. Als Firma stellen wir uns auf die Bedürfnisse unserer Kunden ein. Das ist ein echter Wettbewerbsvorteil besonders auch im B-to-B-Geschäft.

Kuhl: Der Regional-Aspekt ist entscheidend. Vor ein paar Jahren dachte ich noch, Bio macht den Unterschied. Doch heute weiß ich, es ist die Regionalität. Unsere Kernkompetenz ist unsere Flexibilität. Als mittelständisches Unternehmen versuchen wir schneller zu reagieren als die Großen der Branche.

Rolle: Wie bereits ausführlich erklärt, wir sind der Spezialist für Spezialitäten.