Interview mit Sven Gábor Jánszky:Erst mit der Krise kommt der Wandel

Bildquelle: Roman Walczyna Photography, Messe Erfurt

Interview mit Sven Gábor Jánszky Erst mit der Krise kommt der Wandel

Wer mit Innovationen erfolgreich ist, hat meistens Regeln gebrochen. Sie hebeln die ehernen Gesetze einer Branche aus und sind damit erfolgreich. Einer, der mehr darüber weiß, ist Sven Gábor Jánszky.

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Sven Gábor Jánszky ist Zukunftsforscher. Er ist ein Querdenker, lehrt an Hochschulen und berät Unternehmer und Unternehmen.

Herr Jánszky, wie wird man eigentlich Trendforscher?
Sven Gábor Jánszky: Heutzutage ist das ganz einfach: Man studiert es. Zukunftsforschung ist inzwischen eine anerkannte Disziplin in der qualitativen Sozialforschung mit eigenen wissenschaftlichen Methoden. Zu meiner Studienzeit in den 90ern kam man allerdings noch eher auf Umwegen zur Zukunftsforschung. Ich selbst war erst zehn Jahre lang Journalist in der ARD, bevor ich mein Zukunftsforschungsinstitut gegründet habe. Inzwischen gibt es den 2b AHEAD ThinkTank seit 17 Jahren und wir sind mir 62 Mitarbeitern das größte europäische Zukunftsforschungsinstitut.

Irgendwie sind Sie ja ein moderner Zukunftsdeuter. Wie hoch ist denn ihre Trefferquote?
Ich habe im Jahr 2008, also vor 10 Jahren das Buch „2020 – So leben wir in der Zukunft“ geschrieben. Das ist die Prognose eines ganz normalen Tages im Jahr 2020 mit hunderten von großen und kleinen Prognosen. Die meisten davon sind bereits eingetreten. Das jüngste Beispiel: Vor vier Wochen hat der CEO von Google auf einer Konferenz einen digitalen Assistenten vorgestellt, der eigenständig telefoniert und Friseur- und Restauranttermine vereinbart. Genau dies habe ich damals auch beschrieben.

Welcher Trend kommt demnächst ganz sicher?
Demnächst wird es für wenige Euro Routine-DNA-Tests für jedermann geben. Großbritannien startet am 1. Oktober, Deutschland wird folgen. Die Krankenversicherungen zahlen. Wenig später kommen Urin-analysierende Toiletten und Speichel-analysierende Zahnbürsten. Die Folge ist, dass wir Menschen jederzeit Echtzeitdaten über unseren Körperzustand haben werden. Unser Handy wird sagen: „Sven, Du bist gerade zu 23% krank. Iss heute bitte den Wirkstoffe X und einen Bakterienmix Y, dann bist Du morgen nur noch zu 15% krank.“ Dies führt zu Medical Food. Nahrungsmittelkonzerne investieren schon seit Jahren Multimillionen in diesen Trend. Er wird unser Verständnis von Lebensmitteln stark verändern.

Ihre Seminare sind ungewöhnlich: Besteigung des Kilimandscharo, Markteroberung auf hoher See,…. Was bringt das?
Weil all das übliche Changemanagement bei den aktuellen Transformationsprozessen in den Unternehmen nicht funktioniert. Denn es geht hier nicht um Strategien, sondern um das Verändern von automatisierten Denk- und Verhaltensmustern in unseren Köpfen. Diese kann man sich nicht verbieten oder neu wünschen. Die kann man nur verändern, wenn man sich selbst bewusst in eine Krise begibt, in der man den alten Denk- und Verhaltensmustern nicht mehr folgen kann. Diese selbstgewollte Krise herbei zu führen ist die wichtigste Aufgabe von Veränderern. Und das geht am besten, wenn man die Manager an Orte bringt, die sich mit normalem europäischen Manager-Denkweisen einfach nicht managen lassen. Der Aufstieg auf den Kilimandscharo zum Beispiel, oder das Segelsetzen mit eigenen Händen auf einem Vier-Mast-Segelschulschiff.

Der Begriff „Regelbruch“ ist Ihnen wichtig. Was bringen diese Ausbrüche aus etablierten Strukturen?
Vor fünf Jahren wollte ich die größten Markteroberer in zehn verschiedenen Branchen in Deutschland porträtieren – also jene Unternehmer, die mit einer Innovation den größten Erfolg hatten. Als ich alle zehn interviewt hatte, stellte ich fest, dass sie eines gemeinsam haben: Sie haben alle die Grundregeln ihrer Branche gebrochen. Sie haben die ungeschriebenen Gesetze einer Branche, an die alle anderen glauben, einfach ignoriert. In den Jahren nach diesem Buch hat die Welt angefangen, voller Angst und Ehrfurcht von disruptiver Innovation zu sprechen. Was in Wahrheit dahintersteckt sind Regelbrüche. Und diese sind analysierbar, planbar und strategisch umsetzbar. Was sie bringen: Neue Geschäftsmodelle, neue Kundengruppen und Gewinne in Multimillionen oder Milliarden Euro.

Sie referieren beim mitteldeutschen Ernährungsgipfel, was können die Besucher von Ihnen erwarten?
Ich werde mit ihnen eine Zeitreise in die Zukunft machen. Ich werde ihnen das Zukunftsbild aufzeigen, wie Lebensmittel und Handel in zehn Jahren aussehen: Welche neuen Technologien in die Welt gekommen sind? Wie diese das Alltagsleben und Arbeiten der Menschen verändert haben? Welche neuen Kundenbedürfnisse es gibt? Wie sich die Geschäftsmodelle der Unternehmen verändert haben? Und vor allem werde ich den Teilnehmern Hinweise geben, was jeder von ihnen heute schon tun kann, um die Chancen all dieser Entwicklungen für sich und sein Unternehmen zu erkennen und aktiv zu nutzen. Das wird ein Vortrag zum Chancen erkennen, in die Hand nehmen und Welt verändern! Ich freue mich sehr darauf.