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Arctic Apples Der chemischen Reaktion ein Schnippchen schlagen

Heidrun Mittler | 09. Juni 2015
Arctic Apples: Der chemischen Reaktion ein Schnippchen schlagen

Bildquelle: Okanagan Specialty Fruits

Blick über den Tellerrand: In den USA und Kanada wachsen bereits Äpfel, die nach dem Anschneiden nicht braun werden.

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Oxidation und Reduktion – Millionen von Schülern haben sich im Chemie-Unterricht mit diesen Begriffen herum geschlagen. Im Alltag sorgt die chemische Reaktion für ein Phänomen, das jedem bekannt ist: Schneidet man einen Apfel an oder beißt hinein, bilden sich innerhalb weniger Minuten unschöne, braune Stellen, nach einer Weile ist die Oberfläche braun gefärbt. Diese „enzymatische Bräunung“, wie die Chemiker sagen, ist gesundheitlich unschädlich. Sie lässt sich verhindern bzw. verlangsamen, indem man Zitronensaft (als Antioxidans) auf die Oberfläche träufelt.

Die kanadische Firma Okanagan Specialty Fruits (OSF) hat ein Verfahren entwickelt, die Bräunung komplett zu verhindern. Dem Apfelbauern Neal Carter und seinem Team aus Wissenschaftlern ist es gelungen, im Erbgut des Apfels genau die Gensequenzen auszuschalten, die das Enzym produzieren. Ohne Enzym erfolgt keine Bräunung.

In den USA und Kanada ist der Anbau bereits zugelassen, die erste Ernte, die vermarktet wird, kommt voraussichtlich 2016 auf die dortigen Märkte. Der Markenname lautet Arctic Apple, also Arktischer Apfel. Derzeit gibt es in den betroffenen Ländern Diskussionen darüber, ob und wie die Äpfel gekennzeichnet werden sollen. Schließlich wurde kein fremdes Erbgut eingeschleust, sondern „lediglich“ eine Gensequenz ausgeschaltet.

Das Verfahren kann bedeutende Auswirkungen haben. Die Bräunung ist zwar unbedenklich, aber optisch unschön. Das verhindert in gewissem Umfang, dass Äpfel als Convenience-Produkt angeboten werden (gemeint sind nicht Äpfel als Ganzes, sondern entkernt und geschnitten, ohne Zitronensaft). Auch die Fruchtsaft-Industrie könnte den nicht-bräunenden Apfel gut begrüßen, weil Antioxidantien überflüssig werden.