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LPextra Regionale Produkte Interview Glaub- oder fragwürdig?

Dörte Fleischhauer | 05. Dezember 2011
LPextra Regionale Produkte Interview:  Glaub- oder fragwürdig?

Bildquelle: Presseteam Ku00e4mper

Regionale Produkte versprechen Umsätze, deshalb setzen Handel und Industrie verstärkt darauf. Nicht immer glaubwürdig, hat Nicole Weik, Projektleiterin beim Bundesverband für Regionalbewegung, festgestellt.

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Regionale Produkte liegen im Trend. Deshalb schießen Regionalmarken wie Pilze aus dem Boden. Kann so viel Heimatverbundenheit echt sein?
Weik: Derzeit werden über drei Wege im LEH Regionalmarken etabliert: Zum einen über Hersteller- und Handelsmarken, die regional ausgerichtet sind, zum zweiten setzen Handels- und Herstellermarken auf Co-Brandings, die auf eine Region verweisen, zum dritten über Einlistungen von Produkten regionaler Vermarktungsinitiativen. Vor allem bei den ersten beiden sind nicht alle Marken glaubwürdig.

Gerade der stationäre Handel hat doch Bezug zu seiner Region. Wieso sind Handelsmarken nicht immer glaubwürdig?
Man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Aber ein regionales Produkt sollte mehr transportieren als nur die Herkunft oder den Ort der Verarbeitung. Hier geht es um eine nachhaltige Förderung der Region. Und das schaffen die Handelsmarken in vielen Fällen nicht.

Schaut man in die Warenregale, sieht man neben Produkten aus Eifel oder Franken „regionalen“ Käse mit Milch aus Holland, Kaffee oder Olivenöl „aus der Region“. Wie ist so etwas zu bewerten?
Wir beobachten leider gerade bei verarbeiteten Produkten oft, dass die Verbraucher getäuscht werden, weil sich mit Heimatgefühlen gute Geschäfte machen lassen. Die lassen sich auch täuschen, denn sie hinterfragen die Werbeaussagen oft nicht.

Wie kann solchem Wildwuchs in Sachen Regionalität Einhalt geboten werden?
Eine wirksame Maßnahme wäre ein bundesweites Regionalsiegel für Regionalvermarktungsinitiativen. Das fordern wir ja seit Längerem.

Auch Ministerin Aigner hat ein Herkunftssiegel gefordert. Wäre da nicht eine Zusammenarbeit nahe liegend?
Wir sind im Gespräch mit dem Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, es wird seitens des Ministeriums bereits intensiv an einer Konzipierung eines bundesweiten Regionalsiegels gearbeitet. Zur Grünen Woche im Januar 2012 soll ein erstes Konzept vorgestellt werden.

Was wird das Siegel beinhalten?
Wie es genau konzipiert sein wird, kann man jetzt noch nicht sagen. Es gibt viele Kriterien, die Beachtung finden, die aber umsetzbar und überprüfbar sein müssen. Der LEH wird in die Entwicklung ebenso einbezogen wie die Lebensmittelindustrie.

Bild

Nicole Weik, Projektleiterin beim Bundesverband für Regionalbewegung.  (Bildquelle: Presseteam Kämper)