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Verpackung Karton, der Kreise zieht

Elena Kuss | 26. August 2020
Verpackung: Karton, der Kreise zieht
Bildquelle: Ingo Hilger

Die Firma Weig stellt aus Altpapier unter anderem Faltschachteln für Lebensmittel her. Ein verantwortungsvoller Kreislauf, der für den Lebensmittelhandel nie wichtiger war.

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Von 100 Tiefkühlpizzen werden etwa 35 in Karton der Firma Weig verpackt, die in Mayen eine der größten Fabriken für Recyclingkarton in Europa betreibt. Sieben Tage in der Woche, 350 Tage im Jahr drehen sich die Walzen der Papiermaschine. Fast wirken sie wie ein Symbol für den Kreislauf, den der Karton auch im Familienunternehmen durchläuft. Insgesamt 650.000 Tonnen Karton, die zu 98 Prozent aus Recyclingfasern bestehen: Weig stellt unter anderem Faltschachtelkarton für Cerealien, Backwaren, Eis und viele weitere Tiefkühlprodukte her, bedruckt die Verpackungen zum Teil in einer eigenen Faltschachteldruckerei und verwendet die Kartonfasern über eine eigene Recyclingfirma wieder.

Papier mit gutem Ruf
Auch wenn sich nicht jedes Lebensmittel für eine Verpackung aus Altpapierkarton eignet – Schokolade beispielsweise ist aufgrund ihrer empfindlichen sensorischen Eigenschaften nur selten in recyceltes Papier eingeschlagen – hat Altpapierkarton einen guten Ruf. Er besteht ursprünglich aus einem nachwachsenden Rohstoff und ist viele Male recyclingfähig. Neusten Forschungsergebnissen der TU Darmstadt zufolge möglicherweise sogar unendlich oft. Gerät Karton gegen jede Vernunft doch in die Natur, zerfällt er nach kurzer Zeit. „Karton ist kompostierbar. Dafür ist er aber viel zu schade“, betont Roland Rex, Leiter Kundenfokus und Geschäftsentwicklung bei Weig Karton.

Viel besser ist es, das Material dem Kreislauf wieder zuzuführen. Weig erfasst und entsorgt jährlich knapp eine Millionen Tonnen Altpapier von Handel, Gewerbe, Kommunen und Industrie. Für den Lebensmittel-Einzelhandel stellt das Unternehmen auf Wunsch auch eine Ballenpresse bereit. Das Altpapier wird mehrmals in der Woche abgeholt. Dabei nutzt der Hersteller vorrangig Altpapier aus der Region. „Bei etwa 200 Kilometern liegt die Grenze“, erklärt Rex. Bei manchen Altpapierqualitäten lohne sich jedoch auch ein weiterer Transport.

Umweltbewusstsein steigt
Durch das wachsende Umweltbewusstsein der Konsumenten bekommt Recyclingkarton weiter Aufwind. Den spüre man auch in der Vordereifel, sagt Rex. Er wagt die These: „Papier ist aktuell das einzige massentaugliche Verpackungsmaterial, das zu 100 Prozent kreislauffähig ist.“ Doch dass Marken ihre Altpapierverpackung bewerben, wie beispielsweise Dr. Best bei seiner Bambus-Zahnbürste, ist eher die Ausnahme. Grund für die Zurückhaltung sei auch der alte Vorwurf, für Mineralölbelastung in Lebensmitteln verantwortlich zu sein. Dabei haben sich Barriere-Papiere oder eine zusätzliche Folie in der Innenverpackung längst als Lösung bewährt. Trotzdem: Altpapier hat Nachteile. Bei gleichem Gewicht ist die Verpackung beispielsweise weniger stabil als aus Frischfasern – dafür aber deutlich preiswerter. Ein Balanceakt mit Folgen für die gesamte Logistik. Das Wichtigste ist eine hohe Qualitätskonstanz des Kartons für die weitere Verarbeitung in der Druckerei oder beim Befüllen. „Nichts kostet mehr Geld als ein instabiler Prozess.“ Denn es ist sehr zeitaufwendig, wenn die Druckerpresse immer wieder der Papiercharge angepasst werden muss. Das weiß das Familienunternehmen aus eigener Praxis. 2005 übernahm Weig die Faltschachteldruckerei ihres langjährigen Kunden Melitta in Minden. Seitdem beliefert das Unternehmen den Kaffeefilterhersteller mit der bereits bedruckten Verpackung. 2011 und 2012 folgen weitere Übernahmen von Faltschachtelwerken in Emskirchen und Nordhausen. „Ressourcenschonung wird immer wichtiger. Deshalb arbeiten wir auch an alternativen Fasern“, sagt Rex. Das Familienunternehmen war eines der ersten, die zum Beispiel Gras als Faseralternative testeten. „Im ganzen Werk roch es wie auf einer Alm“, erinnert sich Roland Rex an die damaligen Versuche. Doch der Markt ist für Weig zu klein. „Wir arbeiten langfristig und für große Bedarfe.“ Potenzial sieht er vor allem in speziellen Barrieren zum Schutz der verpackten Produkte. Wichtig ist dabei für den Kartonhersteller aus der Vordereifel: „Alles, was wir hier entwickeln, muss vollständig recyclingfähig sein“, betont Rex.

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