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Interpack Weniger ist mehr

Silke Wartenberg | 26. April 2020
Interpack: Weniger ist mehr
Bildquelle: Multivac

Die Weltleitmesse der Verpackung Interpack wurde auf 2021 verschoben. Christian Traumann (Foto), Präsident der Interpack und Geschäftsführender Direktor von Multivac, über die Branche in Zeiten von Covid-19.

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Was bedeutet die Verschiebung der Interpack für die Verpackungsbranche?
Christian Traumann: Die Interpack ist die Leitmesse der internationalen Verpackungsbranche und der verwandten Prozessindustrie. Die Messe lebt von der persönlichen Begegnung und dem direkten Austausch der Marktteilnehmer aus der ganzen Welt. Vor dem Hintergrund der sich ausweitenden Coronavirus-Pandemie war die Verschiebung der Veranstaltung verantwortungsvoll und richtig – auch wenn dies sicherlich die Anzahl neuer Geschäftskontakte und daraus resultierende Aktivitäten im laufenden Jahr einschränkt. Wir freuen uns nun auf den Termin im kommenden Jahr, um die in der Branche bestimmenden Themen mit den Fachbesuchern zu diskutieren und entsprechende Lösungen zu präsentieren.

Die Verpackungsbranche beschäftigt sich intensiv mit dem Verpackungsmaterial; nach dem Motto: möglichst wenig und möglichst nachhaltig. Wie sieht es mit dem Herstellungsprozess aus?
Wir sehen grundsätzlich zwei Handlungsalternativen, die zu signifikanten Packstoffeinsparungen beitragen können: Einerseits ist dies die Entwicklung eines geeigneten Verpackungsdesigns, zum anderen der Einsatz von geeigneten Maschinentechnologien im Herstellungsprozess von Verpackungen. Erstes und wichtigstes Ziel ist dabei die Vermeidung überdimensionierter Verpackungen. So sollte jede Verpackung grundsätzlich hinsichtlich ihrer Form und Größe optimal auf das jeweilige Produkt abgestimmt sein. Darüber hinaus lässt sich zum Beispiel beim Tiefziehverpacken das Packstoffvolumen durch den Einsatz dünnerer Folien reduzieren – ohne Einbußen in Bezug auf den Produktschutz. Und nicht zuletzt fallen bei der Herstellung von Tiefziehverpackungen prozessbedingt Folienabfälle an, die durch den Einsatz von innovativen Werkzeugtechnologien auf ein Minimum reduziert werden können.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Innovative Kunststoffverpackungen, Papierverpackungen mit funktionellen Barrieren, pflanzenbasierte Materialien. Wer macht das Rennen?
Es gibt verschiedene Ansätze, die zur Erfüllung der aktuellen Vorgaben hinsichtlich Recyclingfähigkeit und Ressourcenschonung beitragen. Die wesentliche Herausforderung bei der Gestaltung von nachhaltigen Verpackungen besteht darin, ihre Schutzfunktion sowie eine optimale Produktpräsentation zu gewährleisten – und gleichzeitig den Materialeinsatz auf ein Minimum zu reduzieren.

Die Recyclingfähigkeit von Kunststoffverpackungen lässt sich beispielsweise durch die Verwendung von Monomaterialien verbessern. Diese können sortenrein der werkstofflichen Verwertung zugeführt werden. Hier bieten sich insbesondere Materialien aus PP und APET an, da für diese Polymere bereits Recyclingströme existieren. Bei der Verwendung von Monomaterialien für die Verpackung von Lebensmitteln muss allerdings die Veränderung der Barriereeigenschaften im Vergleich zu den bisher eingesetzten Verbundmaterialien sowie ihre Auswirkungen auf das verpackte Produkt und dessen Haltbarkeit berücksichtigt werden.

Daneben ist auch die Entwicklung von Verpackungskonzepten zielführend, die auf papierfaserbasierten Materialien basieren. Durch den Einsatz von Funktionsschichten sind zudem Packungen auf Papierbasis herstellbar, die vergleichbare Barriereeigenschaften vorweisen wie Kunststoffverbunde. Nach dem Einsatz kann die Funktionsschicht vom Papierträger getrennt werden, der anschließend dem Papierrecycling zugeführt werden kann.