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Mehrwegpool Neues Teamplay

Tobias Dünnebacke | 13. September 2020
Mehrwegpool: Neues Teamplay
Bildquelle: Warsteiner

Der Zusammenschluss von vier Brauereien für einen zentralen Mehrwegpool ist ein rares Beispiel für Teamwork in einem ansonsten hoch-kompetitiven Markt. Hat das Modell eine Erfolgschance?

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Diese Meldung sorgte in der Branche für Aufhorchen: Bitburger, Radeberger, Krombacher und Warsteiner, im Alltagsgeschäft erbitterte Konkurrenten um die Gunst der preisverwöhnten Pils-Käufer, haben sich zusammengefunden, um einen neuen Mehrwegpool aufzubauen. Einen solchen Pool gibt es zwar theoretisch schon heute. Das Fehlen einer zentralen Kontrollinstanz wie bei den Mineralbrunnen sowie die rasante Zunahme von immer neuen Individualflaschen führen das System aber mehr und mehr ad absurdum.

Jetzt ziehen die Brauer die Reißleine und versuchen der Individualisierungsflut ein Ende zu setzen. „Unser Haus war nie ein großer Fan von Individualflaschen“, erklärt Peter Lemm, Sprecher von Krombacher gegenüber der Lebensmittel Praxis. In der Tat waren es die Kreuztaler, die sich viele Jahre gegen den Trend zur geprägten Markenflasche gestemmt und sogar Millionen von neuen Gebinden in den bestehenden Pool eingeschleust haben; wohl wissend, dass Wettbewerber davon profitieren würden. 2016 hatte auch der Marktführer genug von den Trittbrettfahrern und präsentierte seine eigene Relief-Version für das 0,5-Liter-Gebinde. Jetzt soll alles besser werden. Mit der neu gegründeten „GeMeMa Gesellschaft für Mehrwegmanagement“ mit Sitz in Düsseldorf, wird eine zentrale Stelle unter Leitung von Hans Baxmeier (vorher Geschäftsführer von Petcycle) agieren, ähnlich der Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB).

Niemand soll beim neuen Pool ausgeschlossen werden
Der Fokus liegt zunächst auf der 0,33-Liter-Longneck-Flasche. Doch nach Aussage von Lemm ist mit der Zeit eine Ausweitung auf andere Größen, beispielsweise die Halbliterflasche, denkbar. Mehr noch: Die Allianz richtet sich mit einem deutlichen Appell an weitere Wettbewerber, wie beispielsweise AB Inbev oder Erdinger, dem Pool beizutreten. Und auch andere Branchen wie die Hersteller von alkoholfreien Getränken sollen nicht ausgeschlossen werden. „Je mehr Mitglieder, desto stabiler und besser der Pool“, erläutert Lemm die einfache Logik. Es wird in Zukunft spannend zu beobachten, wie Verfechter von Glas-Mehrweg, beispielsweise Fritz-Kola, darauf reagieren. Krombacher, ein Unternehmen das mittlerweile rund ein Drittel seines Umsatzes mit alkoholfreien Getränken macht, wird die Palette neben der Hauptmarke um Produkte wie Fassbrause, Vitamalz und Proviant erweitern. Laut Lemm soll der neue Pool alle relevanten Farben, also Braun, Grün und Weiß umfassen.

„Es ist nie zu spät“
Die Diskussion um einen echten Mehrweg-Pool mit einer gemeinsamen Organisation und entsprechenden Disziplinierungsmaßnahmen bei den national agierenden Pils-Brauern ist nicht neu. Für den Erfolg der neuen Allianz spricht, dass sich die vier größten Anbieter von Longneck-Flaschen geeinigt haben. Die vier Brauer stehen für ein beträchtliches Marktvolumen. Ein Grund, warum Beobachter an den Erfolg der Allianz glauben.

So ist Tobias Bielenstein vom Arbeitskreis Mehrweg, einem Zusammenschluss von Umweltschützern und mehrwegorientierten Unternehmen, optimistisch: „Wenn noch andere relevante Marktteilnehmer beispielsweise aus dem Bereich alkoholfreie Getränke oder Logistik-Dienstleister wie Logipack dazukommen, wird das Modell Erfolg haben und ein echter Mehrweg-Pool wird entstehen.“ Bielenstein weiß, dass hinter der Aktion nicht nur eine ökologische, sondern auch eine ökonomische Komponente steckt. „Die ursprünglich verlockende Logik, dass Individualgebinde alle Probleme der Brauer lösen, hat sich nicht bewahrheitet. Bei einem solchen System entstehen einfach höhere Kosten für Sortierung, Transport und auch ein höherer Schwund.“ Zudem habe sich laut Bielenstein gezeigt, dass man für eine erfolgreiche Markenpflege keine eigene Flasche brauche. Bionade und Fritz-Kola beispielsweise sind zwei Marken, die in der klassischen 0,33-Liter-Flasche bekannt und erfolgreich geworden sind. „Es ist nie zu spät, begangene Fehler zu korrigieren“, so Bielenstein.

Die Initiatoren der Gesellschaft haben gemeinsame verbindliche Regeln für die Teilnahme an dem Flaschenpool vereinbart. Die wichtigste Aufgabe der GeMeMa soll laut einer Mitteilung sein, die hohen Qualitätsstandards des Flaschenpools sicherzustellen und kontinuierlich zu überprüfen. Dies werde neutral und unabhängig geschehen.

Es gelten Verbindliche Regeln zur Qualitätssicherung des Pools
Verpflichtend für eine Teilnahme an der Initiative ist das Bekenntnis zu diesen strikten Regeln der Poolpflege, die die Gesellschaft definiert hat. Hier liegt der Fokus insbesondere auf klaren Ein- und Ausschleusungsvorgaben. Darüber hinaus können aber im Markt bestehende 0,33-Liter-Longneck-Flaschen parallel zu dem neuen Pool auch zukünftig weiter genutzt werden. Damit soll der Umstieg von einem ungeregelten in einen geregelten Pool für alle an der Teilnahme interessierten Unternehmen aus der gesamten Getränkebranche so reibungslos und ressourcenschonend wie möglich gestaltet werden.

Lemm berichtet, dass man schon früher starten wollte, aber dann kam die Corona-Pandemie und die Brauer hatten zunächst andere Sorgen, wie den Umsatzeinbruch beim Export- und Gastronomiegeschäft. Aktuell ist geplant, dass die GeMeMa im September die Arbeit aufnehmen wird, vorbehaltlich einer abschließenden kartellrechtlichen Prüfung.

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