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Bayerischer Biermarkt Schutzbedürftig

Tobias Dünnebacke | 09. März 2018
Bayerischer Biermarkt: Schutzbedürftig

Bildquelle: Getty Images

Auch bayerische Brauer stehen durch die hohen Aktionsanteile bei Bier unter Druck. Was den Bayern hilft, ist die Beliebtheit im Ausland. Gegen Kopien aus anderen Ländern wehrt man sich mit aller Kraft.

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„Bayerisches Bier - einzig in der Welt“. Das ist der Slogan, mit dem der Bayerische Brauerbund das individuelle Marketing der Bierhersteller im Freistaat zusätzlich unterstützt. Der Slogan hat nicht ohne Grund ein internationales Flair. Schließlich ist es die ungebrochene Exportstärke, die Bayerns Brauer noch immer eine verhältnismäßig schöne Absatzbilanz beschert: 5,2 Millionen Hektoliter gehen mittlerweile in das Ausland, unter anderem nach Italien, Belgien und China. Das ist ein nicht unerheblicher Anteil der insgesamt 23,8 Millionen Hektoliter (ohne alkoholfreies Bier), die die Brauer im Freistaat insgesamt absetzen. „Wir dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass unser erfreuliches Branchenwachstum zu großen Teilen aus Exporterfolgen gespeist wird“, erklärt Georg Schneider, der Präsident des Bayerischen Brauerbundes.

Im Inland hingegen haben die Bayern mit den gleichen Problemen wie ihre Wettbewerber aus beispielsweise Nordrhein-Westfalen zu kämpfen: Ein starker Verdrängungswettbewerb, der mit niedrigen Preisen ausgetragen und durch die Konzentration im Handel weiter befeuert wird. „Knapp 72 Prozent der im deutschen Einzelhandel abverkauften nationalen Pilsmarken werden zu Sonderpreisen verschleudert“, sagt Schneider, der neben seiner Funktion beim Brauerbund auch Chef der gleichnamigen Weissbierbrauerei ist. Das schlechte Preisbild beim Pils würde auch den typisch bayerischen Bierstilen wie Helles oder Weizen schaden. Helles zählt zu den wenigen Wachstumssegmenten in einem Markt, der 1994 mal über 115 Millionen Hektoliter groß war und weiter Richtung 90 Millionen Hektoliter tendiert.

Gleichzeitig würden aber die Aufwendungen und Kosten insbesondere im Mittelstand stetig steigen. Die Rohwarenpreise beim Hopfen und das Personal seien Kostenfaktoren, die die Brauer in ihre Kalkulation mit aufnehmen müssten, sagt Schneider. Der Umstand, dass die Branche in den vergangenen Jahren viele Traditionsbrauereien verloren habe, zeige, wie ernst die Lage sei. In diesem Zusammenhang kritisiert der Verbands-Präsident auch hohe bürokratische Anforderungen an Brauereien, die mit einem großen Zeitaufwand verbunden seien. Gemeinsam mit dem Beauftragten für Bürokratieabbau der bayerischen Staatsregierung, Walter Nussel (CSU), startet der Brauerbund deshalb eine Kampagne, um gegen aus seiner Sicht überbordende bürokratische Hemmnisse und einen „als zu eng empfundenen Regulierungsrahmen“ vorzugehen. Unter anderem geht es um das Arbeits- und Sozialrecht, den Verbraucher- und den Brandschutz oder steuerrechtliche Aufbewahrungspflichten.


Fussball-WM ist „Strohfeuer aber keine nachhaltige Wärme“
Für 2018 hoffen die bayerischen Brauer, wie die gesamte Branche, auf Impulse durch die Fußball-Weltmeisterschaft. Allerdings warnt Schneider davor, dass die Brauwirtschaft möglicherweise der Versuchung erliege, erwartete Nachfrageimpulse zu nutzen, und Biere zum Sonder-WM-Angebotspreis zu verschleudern. „Ich wäre froh, wenn der Einzelhandel aufhören würde, um Lockvogel-Angeboten willen, unsere Qualitätsbiere zu verramschen. Der WM-Knaller: Zwei Kästen zum Preis von einem...“, sagt Schneider. Ein WM-getriebenes Strohfeuer beschere weder nachhaltig Licht noch Wärme.

Geografischer Schutz muss ‧weiter verteidigt werden
Seit 25 Jahren ist Bier aus Bayern, dank des Engagements des Verbandes, durch eine geografische Angabe geschützt. Allerdings gelte es, so Schneider, diese Besonderheit auch weiterhin zu verteidigen. In Mexiko oder auch in Kanada zum Beispiel häuften sich die Versuche, im Zuge von Freihandelsabkommen, die Bezeichnung „Bayerisches Bier“ unter dem Verweis auf Ähnlichkeiten als bloße Gattungsbezeichnung darzustellen. Damit wäre es möglich, typisch „bayerisches“ Bier auch in Südamerika herzustellen. Dies will der Verband mit allen Mitteln verhindern, denn bayerisches Bier soll auch in Zukunft aus dem Freistaat kommen und nicht von einem Großkonzern irgendwo auf der Welt abgefüllt werden. „Die Europäische Union muss den uns durch sie gewährten g.g.A.-Schutz auch im Rahmen von Freihandelsabkommen konsequent ausdehnen“, heißt es. Über die Exportstärke sagt Schneider: „Bayern ist der Vorgarten zum Paradies und es ist nur natürlich, dass Menschen aus aller Welt mit dem Kauf eines bayerischen Bieres daran teilhaben wollen.“

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