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Kaffee Nachhaltig aufgewertet

Dieter Druck | 11. Oktober 2016
Kaffee: Nachhaltig aufgewertet

Die Dynamik des Marktes für Kaffeekapseln ist ungebrochen. Zusätzliche Aufwertung erfahren die Einzelportionen aktuell durch ethische und ökologische Merkmale.

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Die Kaffeekapsel hat schon einige Jährchen auf dem Buckel, aber der Markt ist ordentlich in Bewegung. Inzwischen verfügen 22 Prozent der deutschen Haushalte über eine Kapselmaschine. Die liegt anteilsmäßig jetzt nahezu gleichauf mit Padsystemen und Vollautomaten. Nach den Erhebungen von Nielsen wuchs das Kapselsegment im LEH und in Drogeriemärkten in den zwölf Monaten bis zur KW 16 wertmäßig um 11,2 Prozent und um 14,5 Prozent in der Menge. Da ändern offensichtlich auch die wiederkehrenden, medial geführten Attacken gegen Kapseln wegen Müllaufkommen und Ressourcenverschendung nichts.

Aber Nachhaltigkeit ist ein auf Dauer gesehen relevantes Kaufargument in diesem Segment. Das bringt Anbieter in den Markt, die sich z. B. über kompostierbare Kapseln differenzieren wollen. Einer dieser Novizen in Deutschland ist Lavazza. „Als Espresso-Marke mit italienischer Herkunft wollen wir auch im Feld der nespresso-kompatiblen Kapseln eine führende Rolle spielen“, heißt es aus Frankfurt. Von diesem Schritt werden weitere Effekte durch die Ansprache neuer Verwender erwartet, nachdem im vergangenen Jahr die Haushaltsreichweite bereits um 50 Prozent gesteigert wurde. Passend zur Marke werde eine der Premiumpositionierung entsprechende Preisstellung angestrebt. Dies gehe einher mit einer starken Wertschöpfung für den Handel. Die neuen Kapseln sind im klassischen LEH, in Drogeriemärkten sowie im Elektrofachhandel national gelistet. Ebenso sind sie im Onlinehandel präsent.

Diese Absatzschiene hat bei der Gesamtmarktbetrachtung der Kapseln derzeit einen Anteil von rund 1 Prozent, besticht aber durch starke Dynamik und offenbart bei den Bestellern eine höhere Probierfreudigkeit für Randsorten.

Das eigene Kapsel-System von Lavazza unter „A Modo Mio“ wird weitergeführt und ausgebaut.

Caffè Vergnano ist, bezogen auf den Einzelhandel, sechst größter Kaffeeröster und mit rund 40 Prozent Anteil im Segment der Nespresso-kompatiblen nach eigenen Angaben Marktführer in Italien. In Deutschland ist man mit der Marke seit 2014 präsent. Listungen bestehen heute bei Famila, Media Markt und Saturn, sowie im Kaufhof und im Münchner Eataly-Store. Deutschland ist neben Frankreich der volumen- und wertmäßig wichtigste Exportmarkt.

Senior Manager Pier Paolo Barberis sieht im deutschen Markt auf Konsumentenseite eine große Sensibilität für Umwelt und Ressourcenschonung. Deshalb habe man viel Zeit und Geld in die Entwicklung der kompostierbaren Nespresso-kompatiblen gesteckt. Investiert werde zudem in den deutschen Markt und die Vertriebsstrukturen ausgebaut, um die LEH-Distribution weiter voranzubringen, erklärt Barberis.

Weiter Fuß zu fassen im Einzelhandel ist auch ein Ziel des Bremer Start-ups Velibre. Seit Mai vergangenen Jahres werden unter der Marke biologisch abbaubare Kaffeekapseln für Nespresso-Maschinen angeboten, die technisch weiterentwickelt werden. Zudem wird seit August auch fair gehandelter Bio-Kaffee angeboten. Derzeit finden Kunden die Marke im Online-Shop (velibre.com), beim Bremer Laufhaus Lestra sowie in Denn‘s Biomärkten.

Biologisch abbaubar sind auch die neuen Systemkapseln von Cremesso. Mit Geräten und Kapseln ist die Marke mit Schweizer Ursprung seit rund zwei Jahren im deutschen Markt aktiv. „Mit dem Launch der ersten Kaffeekapsel, die biologisch abbaubar ist, gehen wir bei Cremesso also bewusst einen Schritt weiter als alle anderen Kapselkaffeehersteller“, erklärt Christine Schär, Head of Sales International bei Cremesso. Erhältlich ist die neue Kaffeesorte Cremesso Espresso Bio Classico als Aktion in KW 39. Den Lungo Bio Crema gibt es ab sofort dauerhaft als Packung mit je 16 Kapseln bundesweit bei Netto oder im Netto-Online-Shop. Eine Verkaufspackung enthält 16 Kapseln und wird zu einem UVP von 4,99 Euro angeboten. Die dafür verwendeten Kaffeebohnen sind sowohl bio- als auch fairtrade-zertifizert. Cremesso wird von der Delica AG in der Schweiz hergestellt, die in Deutschland auch Kapseln unter der Marke Café Royal seit 2013 vertreibt. Angeboten werden u. a. kompatible Kapseln für die Systeme von Nespresso und Nescafé Dolce Gusto.


Nachgefragt

Kaffee zu verkaufen ist mehr als Aktionsgeschäft und offenbart regionale Unterschiede. Aber die regionalen Röster scheinen bundesweit im Trend zu liegen. Drei Einschätzungen.

Rocco Capurso
Inhaber Remstalmarkt Mack in Weinstadt

Wir sind immer darauf bedacht, Artikel und Services zu bieten, die uns von Wettbewerbern unterscheiden. Das ist auch beim Kaffee so. Die großen, meist hochgradig veraktionierten Marken stehen daher für uns nicht im Mittelpunkt. Kapseln und Pads sind bei uns auch nicht die aktuellen Wachstumstreiber, sondern wir erleben eine Renaissance des Filterkaffees. Hier bedienen wir mit gemahlenem Röstkaffee und ganzen Bohnen aus der Stuttgarter Rösterei Hochland, gleichzeitig den Trend zu kleineren Anbietern aus der Region. Die Marke haben wir im Block und am Regalkopf platziert. Darüber hinaus werden wir in wenigen Tagen unter unserer Eigenmarke „Remstalmarkt“ mit einem Filterkaffee starten. Den entwickeln wir ebenfalls mit einer Rösterei aus der Region. Andere Produktmerkmale wie Fairtrade, UTZ oder Bio z. B. sind bei Kaffee, so unsere Erfahrung, für den Kunden weniger relevant bei der Kaufentscheidung.

Claudia Zeidler
Inhaberin E-Center Mack in Weissenfels

Der klassische Röstkaffee in der 500-g-Packung ist unser Basisgeschäft. Ansonsten entwickelt sich das Sortiment im E-Center Weißenfels weitgehend marktkonform. Die eindeutigen Wachstumsbereiche sind ganze Bohnen und Kapseln. Bei den Kapseln hat sich Tassimo als stärkste Marke durchgesetzt. Die Pads, z. B. von Senseo, sind dagegen weiterhin rückläufig. Bei den nespresso-kompatiblen Angeboten kommen immer wieder neue Anbieter auf, aber wir erwarten, dass sich das in absehbarer Zeit auch relativieren wird. Mit Rondo von Röstfein haben wir eine starke ostdeutsche Traditionsmarke. Dem Trend nach Regionalität folgen wir mit der Marke Moness, einer kleinen handwerklichen Rösterei in unserer Nähe, die sich mit ihren ausgesuchten Mischungen und einer DDR-Historie abhebt. Fair gehandelte und bio-zertifizierte Artikel führen wir, die Drehzahlen für diese Produkte sind an unserem Standort jedoch nicht so überzeugend.

Martin Gruber
Inhaber von drei Rewe-Märkten

Wir registrieren verschiedene Entwicklungen im Kaffeesegment. So steigt die Nachfrage für Produkte von kleineren, regional ausgerichteten Röstereien. Wir arbeiten schon länger mit der Martermühle in Aßling (Oberbayern) zusammen, die in unserem Markt in Grafing auch das Café mit Rösterei betreibt. Entscheidend ist, dass sich diese Kaffeemischungen geschmacklich deutlich abheben, denn dann kauft der Kunde auch nicht preisorientiert. Das unterstreicht auch die Entwicklung der Rewe-Premium-Eigenmarke „Feine Welt“ mit Kaffee bei uns. Weiterhin expansiv sind die Kapseln. Wir führen verschiedene Anbieter, die alle nachgefragt werden. Eine Sortimentsbereinigung ist hier für uns noch nicht angesagt. Wenn, dann eher bei den Pads. Bio- und Fairtrade-Kaffees erfahren ebenso eine steigende Nachfrage. Wir haben neben Marken wie Darboven, Gepa auch Feine Welt und die neue Bio-Linie der Martermühle platziert.

LPV GmbH

Am Hammergraben 14
56567 Neuwied
Tel.: +49 (0)2631 879-0
Fax: +49 (0)2631 879-201

Web: www.lebensmittelpraxis.de

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