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Spargel Eine außergewöhnliche Saison endet

Wibke Niemeyer | 25. Juni 2020
Spargel: Eine außergewöhnliche Saison endet
Bildquelle: Klaus Venus/Pfalzmarkt eG

Die Spargelsaison 2020 ist zu Ende und die Anbauer in unserem Land sind sich einig: Diese war anders als alle anderen vorher. Nun kann sich die Edelgemüsepflanze bis zur nächsten Saison erholen.

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Erholung haben auch die Spargelanbauer nötig. Denn im März schien wegen der Grenzschließungen die Ernte in Gefahr. Im April lockerte der Bund die Einreisebestimmungen für Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa. Nach einer Bilanz des Bauernverbandes kamen 40 300 ausländische Saisonkräfte, etwa aus Polen, Rumänien und Bulgarien, nach Deutschland.

Pfalzmarkt: Rund 40 Prozent weniger Absatz als 2019

Die Brandenburger Spargelbauern bewerten die Saison als außergewöhnlich. Die Widrigkeiten haben sich laut Jürgen Jakobs, Vorsitzender des Beelitzer Spargelvereins, auf das Ernteergebnis ausgewirkt: „Trotz guter Qualität wurden statt 12 000 Tonnen nur 10 000 Tonnen Beelitzer Spargel geerntet.“ Ähnlich erging es Karl-Walter Hecht, Vorstand der Agrargesellschaft Herbsleben in Thüringen: „Wir haben etwa ein Drittel weniger Spargel als sonst gestochen.“

Durch fehlende Erntehelfer sei der Absatz von „Pfälzer Frühlingsspargel“ im Vergleich zum Vorjahr rund 40 Prozent geringer ausfallen, heißt es in einer ersten Erntebilanz von Pfalzmarkt Obst & Gemüse. So kamen 2020 rund 460 000 Kilogramm weniger Spargel in den Verkauf. „Dennoch konnten wir sicherstellen, dass der LEH und die bundesweiten Verbraucher verlässlich mit erntefrischem Spargel aus der Pfalz beliefert werden konnten“, sagt Pfalzmarkt-Vorstand Reinhard Oerther. Der Umsatz dürfte sich auf dem Vorjahresniveau von vier Millionen Euro einpendeln.

Sehr gute Nachfrage beim Direktverkauf

In Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind die Spargelbauern trotz der vielen Herausforderungen überwiegend zufrieden. „Unsere Branche gehört nicht zu den Verlierern“, sagt Fred Eickhorst, Vorstandssprecher der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer, in Sandhatten im Landkreis Oldenburg. Diese Meinung teilt Rolf Meinhardt, Vorsitzender des Arbeitskreises Spargel Südhessen: „Wir werden keine großen Gewinne machen, aber wir haben auch kein Minus.“

Denn es gab Positives wie die sehr gute Direktvermarktung: „Zwar konnten geschätzt 25 bis 30 Prozent der Ernte durch die fehlenden Erntehelfer nicht eingeholt werden. Doch wurde der Absatzverlust durch die Schließung der Gastronomie von einer sehr guten Nachfrage in der Direktvermarktung teilweise aufgefangen“, erklärt Simon Schumacher, Vorstandssprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE). Die Betriebe hätten mit Angeboten wie „Spargel To go” oder „Spargel Drive in” versucht, den Absatz anzukurbeln.

Unter diesen Voraussetzungen wird der VSSE wie geplant vom 18. bis 19 November 2020 das Messeduo expoSE und expoDirekt in der Messe Karlsruhe veranstalten. „Wir sind mit der Messe Karlsruhe in Gesprächen hinsichtlich eines Hygienekonzeptes“, berichtet Isabelle Bohnert, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, auf LP-Nachfrage (Stand: 23. Juni 2020). Schmale Gänge zwischen den Ständen werden vermieden, und die Besucherführung werde so gestaltet, dass Aussteller und Besucher Abstände einhalten können. Voraussichtlich werde eine Vorab-Online-Registrierung für Aussteller und Besucher notwendig sein.

Laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn war gerade im Mai der Anteil an Haushalten, die Spargel gekauft haben, höher als 2019. Michael Koch, stellvertretender Bereichsleiter und Spargelmarkt-Experte, resümiert: „Für viele Betriebe ist es besser gelaufen als am Anfang gedacht.“ Der Verkauf im Direktvertrieb und im Lebensmittelhandel sei recht stabil geblieben. Die Verbraucher haben verstärkt regionale Produkte gekauft. Die gute Nachfrage habe am Ende dafür gesorgt, dass die Endverbraucherpreise stiegen: Mit einem Durchschnittspreis von 7,77 Euro pro Kilogramm weißen Spargel sei das Edelgemüse fast sechs Prozent teurer gewesen als 2019.

Spargelschälmaschinen bei Händlern im Einsatz

Lebensmittelhändler wie der Edeka Frischemarkt Anja Mülln in Düren-Birkesdorf und der Rewe-Markt Lars Markus in Bad Driburg boten an, den Spargel bequem und einfach direkt im Markt zu schälen. „Unsere Mitarbeiter haben mit Handschuhen und Mundschutz für die entsprechende Hygiene gesorgt“, berichtet Dagmar Kurth, stellvertretende Marktleiterin des Edeka A. Mülln auf LP-Nachfrage. Der selbstständige Rewe-Kaufmann Lars Markus hatte dieses Jahr zum ersten Mal eine Spargelschälmaschine in seinem Supermarkt im Einsatz. „Unsere Kunden haben das Angebot sehr gut angenommen. Wir haben aber auch schon fertig geschälten Spargel verkauft“, erzählt er.