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Zahlungsverkehr Mit Plastik zahlen und Bargeld horten

Lebensmittel Praxis | 28. April 2020
Zahlungsverkehr: Mit Plastik zahlen und Bargeld horten
Bildquelle: Nils Thies, Deutsche Bundesbank

Auch die neuesten Daten zeigen, dass kontaktloses Bezahlen im Corona-Trend liegt. Im selben Zeitraum wurde aber auch immer mehr Bargeld abgerufen. Über 250 Milliarden Euro sollen alleine die Deutschen in Scheinen und Münzen horten.

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Sparkassen-Kunden haben ihre Einkäufe zu Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland im März so häufig wie nie in einem Monat mit der Girocard beglichen. Das geht aus Daten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Demnach wurden im März rund 206 Millionen Transaktionen mit der Plastikkarte durchgeführt, also 11,4 Prozent mehr als im Februar. „So oft haben unsere Kunden innerhalb eines Monats noch nie mit der Girocard bezahlt“, sagte Joachim Schmalzl, Geschäftsführendes DSGV-Vorstandsmitglied.

Der Anteil der kontaktlosen Zahlungen mit der Girocard ohne Eingabe einer PIN stieg auf den Rekordwert von 52,2 Prozent. Im Vorjahresmonat war erst etwa jede vierte Zahlung kontaktlos (27,5 Prozent). Dabei stehe nicht nur der Wunsch im Vordergrund, berührungslos zu bezahlen. „Gerade bei kleinen Beträgen ist kontaktloses Bezahlen deutlich schneller als andere Verfahren, weil keine PIN eingegeben werden muss“, sagte Schmalzl.

Jetzt hat auch die Deutsche Bank den Trend erkannt und bietet ab sofort ein spezielles Terminal für den Einzelhandel an. Einem Sprecher zufolge ist die Bank bereits mit mehreren Tausend Unternehmern im Gespräch, die Interesse an dem Bezahlsystem haben. Im Falle einer Bestellung sei das System innerhalb von 48 Stunden einsatzbereit. Kosten soll das Terminal monatlich 1,50 Euro.

Fast schon paradox erscheint vor dem Trend zur bargeldlosen Zahlweise die Tatsache, dass sich die Menschen in Deutschland seit Beginn der Corona-Krise einer Studie zufolge ins Bargeld flüchten. Der Umlauf von Scheinen und Münzen im Euroraum stieg im März um fast 100 Milliarden Euro oder 8 Prozent, wie aus einer Analyse der Beratungsfirma Barkow Consulting im Auftrag der ING Bank hervorgeht.

Verglichen mit der Entwicklung in den Vormonaten Januar und Februar lasse sich ein „Corona-Sondereffekt“ von etwa 30 Milliarden Euro ausweisen. Davon entfielen etwa 20 Prozent beziehungsweise 6 Milliarden Euro auf Privathaushalte in Deutschland. Der Analyse zufolge saßen die Menschen in Deutschland Ende 2019 auf insgesamt 253 Milliarden Euro Bargeld. Das waren 32 Milliarden oder 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Durchschnittlich entspreche das mehr als 3.000 Euro in bar für jeden Bundesbürger.

Europas Währungshüter sehen weiterhin kein erhöhtes Ansteckungsrisiko durch Banknoten mit dem neuartigen Coronavirus. Laborergebnisse deuteten darauf hin, „dass auf Oberflächen wie etwa Plastik in den ersten Stunden 10 bis 100 Mal so viele Viren überleben wie auf unseren Banknoten“, schrieb EZB-Direktor Fabio Panetta in einem Artikel, der in mehreren europäischen Zeitungen veröffentlicht wurde, darunter in der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (Dienstag).