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Schutzmaterial So kommen Sie an Masken

Heidrun Mittler, Sonja Plachetta | 30. April 2020

Bildquelle: Getty Images

Jetzt gilt sie bundesweit: die Maskenpflicht für alle Mitarbeiter und Kunden im Handel. Was Händler dazu wissen müssen.

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Wer im Handel arbeitet oder einkaufen gehen möchte, braucht eine Maske, genauer gesagt, einen Mund-Nase-Schutz. Die Bundesländer haben diese Pflicht zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingeführt, seit dieser Woche aber ist sie im ganzen Bundesgebiet gültig. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier rechnet mit einem Bedarf von „bis zu 12 Milliarden Masken pro Jahr“. Wie bitte kommt man in jedem Monat an eine Milliarde Masken?

Einweg-Masken, die größtenteils in China gefertigt werden, sind weltweit extrem nachgefragt, daher (anders als vor der Pandemie) rar und teuer. Die ersten Handelsunternehmen (dm Drogeriemarkt, Lidl, Aldi Süd) haben bereits Einweg-Masken im Angebot (oder sie angekündigt). So will Lidl ab dem heutigen Donnerstag den 50er-Pack für 33 Euro verkaufen – eine Packung pro Kunden und solange der Vorrat reicht.

Die meisten Verbraucher greifen bislang auf selbst genähte Masken zurück. Auch einige Modemarken haben ihr Sortiment umgestellt und produzieren einen waschbaren Mund- und Nase-Schutz: zum Beispiel H&M, Trigema, Eterna, Mey, Rösch oder Armed Angels.


Im Saarland haben schon manche Kommunen ihre Bürger mit dem notwenigen Accessoire ausgestattet (fünf Einweg-Masken pro Person). Bundesweit muss es auch nicht per Definition eine Maske sein: ein Tuch oder Schal, der über Mund und Nase gezogen wird, reicht aus. Ausnahmen gelten für Kinder bis zum siebten Lebensjahr und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, die eine Bescheinigung vor Arzt haben. Positiv für den Handel ist, dass die Mitarbeiter, die hinter einer Schutzscheibe arbeiten, keinen Mund-Nase-Schutz zusätzlich brauchen.

Was tun bei Verstößen? Die allermeisten Kunden halten sich an die neue Vorschrift und vermummen sich brav vor Betreten des Geschäfts. Was aber, wenn einer partout keine Maske aufsetzen will? Dann liegt es an den Ordnungsbehörden, die Pflicht durchzusetzen. „Die Einzelhändler sind keine Ersatz-Polizei. Die Durchsetzung der Maskenpflicht ist eine hoheitliche Aufgabe“, heißt es dazu von Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland.

Wie kommen die Kaufleute mit der Maskenpflicht zurecht? „Wir haben ausreichend Schutzmaterial eingekauft“, sagt ein großer Edeka-Händler aus dem Münsterland, der nicht namentlich zitiert werden will. Über seine Großhandlung konnte er Schutzmasken für 60 Cent pro Stück besorgen. Wenn man aber erst jetzt Masken kaufen müsse, bezahle man „sündhaft teure Preise“, weiß er. Zum Glück habe er früh genug auch ausreichend Handschuhe geordert.

Gut aufgestellt für die Maskenpflicht sieht sich die Edeka Südbayern, die alle Mitarbeiter mit Mund- und Nasenschutz ausstatten wird. Zusätzlich unterstützt die Regionalgesellschaft ihre selbstständigen Einzelhändler bei der Beschaffung.

Ware in Bio-Qualität: Auch die SuperBioMarkt AG ist gut gerüstet, so Vorstand Albert Hirsch. Alle Mitarbeiter haben bereits Vlies-Masken bekommen. „Zudem werden sie ab Ende der Woche wiederverwendbare Baumwollmasken von uns erhalten, und sie können auch selbstgenähte Masken tragen.“ Hirsch kündigt an, dass ab Mitte Mai sogar ausreichend Stoff-Masken aus Bio-Baumwolle zum Kauf für die Kunden zur Verfügung stehen. Auf Stoffmasken setzen auch andere Händler, wie beispielsweise Rewe Hundertmark.

Vorreiter: Die Stadt Jena hat als erste Stadt in Deutschland die Maskenpflicht (anders als das Bundesland Thüringen) schon seit dem 6. April eingeführt. Kai Haeder, Geschäftsleiter vom Globus in Jena-Isserstedt, konnte deshalb schon Erfahrungen sammeln. „Ein schwieriges Thema, zu dem wir einige Kundenbeschwerden erhalten haben. Viele Kunden möchten keinen Mundschutz tragen.“ Teilweise, so berichtet er, sind diese deshalb sogar woanders als in Jena einkaufen gefahren. Besonders unschön sei, dass oft Menschen ab einem Alter von 60 aufwärts uneinsichtig sind. So uneinsichtig, dass er in den ersten Tagen der Maskenpflicht in einzelnen Fällen Hausverweise aussprechen musste.

Die Mitarbeiter hingegen sehen die Maskenpflicht durchweg positiv. Von den 370 Mitarbeitern im Globus Jena-Isserstedt kommt nur eine einzige Frau nicht damit zurecht, sie ist Asthmatikerin. Der Geschäftsleiter hat das Glück, dass sechs ehemalige Näherinnen in seinem Haus arbeiten. Die haben ruckzuck selbst die Masken fürs Personal genäht.

Selbst nähen heißt das Gebot der Stunde. Oder man hat gute Kontakte zu Menschen, die sich an die Nähmaschine setzen. Rewe Richrath dankt seinen „flinken Helfer-Fingern aus Erftstadt“. So heißt eine Gruppe von Freiwilligen, die unentgeltlich schneidern, wenn sie die Stoffe und das Garn erhalten. Sie haben stapelweise bunte Stoffmasken gefertigt, so kann Richrath jetzt Mitarbeiter und Kunden versorgen.

Wer jetzt noch kurzfristig zur Nähmaschine greifen will, kann sich hier eine gut gemachte Anleitung der Zeitschrift „Einfach Hausgemacht“ anschauen. Hier werden die einzelnen Arbeitsschritte Punkt für Punkt erklärt.

Auch wenn die Nadeln kräftig rattern, der Weg zur Milliarde dürfte noch weit sein. Einen anderen Weg geht der Rewe-Markt Görlitz-Krüger in Berlin, Schlangenbader Straße. Er hat das Angebot eines Berliner Start-ups („We mask“) aufgegriffen und Masken aus Papier fertigen lassen. So viele, dass man damit auch die Kunden ausstatten kann. Der Clou: Die Masken sind bedruckt: „Mit dem Rewe-Logo auf der Front könnt Ihr nie vergessen, wo Ihr gerade einkaufen seid“, muntert das Marktteam seine Kundschaft auf.

Leider unbequem: Doch nicht nur die Beschaffung der Masken sorgt für Probleme, sondern auch der Tragekomfort. Jeder, der sie selbst längere Zeit getragen hat, weiß, wie unbequem sie ist: Entweder sie rutscht, oder der Gummi kneift. Zudem ist sie nach spätestens einer halben Stunde feucht, ein unangenehmes Gefühl. Doch das lässt sich verschmerzen.

Zu wenig Sauerstoff: Bedenklich hingegen ist, dass man die ausgeatmete Luft erneut einatmet, also dem Körper weniger Sauerstoff zur Verfügung steht. Wer Kisten wuchtet oder unter Zeitdruck Regale einräumt, kommt schnell an seine Grenzen – und kippt im schlimmsten Fall um. Das wissen auch die Verantwortlichen von Konsum Dresden: „Bei erhöhtem Arbeitsaufkommen setzen wir in den betreffenden Märkten zusätzliches Personal unterstützend ein. Unsere Mitarbeiter werden aufgefordert, nur dann zur Arbeit zu kommen, wenn sie sich gesund und in der Lage dazu fühlen.“