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Mitarbeiter Motivation in schweren Zeiten

Jens Hertling | 08. April 2020
Mitarbeiter: Motivation in schweren Zeiten
Bildquelle: Norma

Die Corona-Krise spitzt sich immer weiter zu. Führungskräfte sind jetzt besonders gefordert. Motivation von Mitarbeitern in der Krise funktioniert anders.

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„Führungskräfte sind momentan enorm gefordert. Neben den zusätzlichen organisatorischen Aufgaben in der Krise, müssen sie auch noch die Mitarbeiter bei der Stange halten und dafür sorgen, dass diese weiterhin motiviert eine Top-Leistung abliefern“, sagt Andreas Nemeth, Coach und Motivationstrainer aus Bad Kissingen.

Die erste Regel von Nemeth lautet deshalb „Offenheit und Transparenz“. Was wir von den Politikern erwarten, erwarten Mitarbeiter von ihren Führungskräften. Also nicht um den „heißen Brei“ herumreden, sondern die Fakten auf den Tisch legen. Wenn längere Öffnungszeiten oder eventuell auch Kurzarbeit ein Thema sind, empfehle ich, dies offen zu kommunizieren und natürlich auch zu begründen.

Die zweite Regel des Motivationscoachs ist mit großem Verständnis für die Ängste und Sorgen der Mitarbeiter auf die Mitarbeiter zu zugehen. Sich also in die Lage der Mitarbeiter zu versetzen und die eventuell vorhandenen Ängste nicht vom Tisch zu wischen, sondern diese ernst zu nehmen und gegebenenfalls darauf zu reagieren, so der Coach.

Als dritte Regel empfehlt Andreas Nemeth die „Kommunikation der offenen Tür“. Das bedeutet, den Mitarbeitern zu signalisieren, dass diese jederzeit zu ihren Führungskräften kommen können, sobald sie etwas auf dem Herzen haben. Das ist zwar manchmal etwas anstrengend, gibt jedoch den Mitarbeitern das Gefühl, dass man sich um sie kümmert und sie wichtig nimmt.

Warum ist der Hauptaugenmerk auf die Mitarbeiter so wichtig?

Die Mitarbeiter halten das Rad am Laufen, sagt Nemeth. Ohne motivierte Mitarbeiter kann kein Unternehmen die Krise erfolgreich bewältigen. Gerade im Lebensmitteleinzelhandel sind die Mitarbeiter großen Herausforderungen ausgesetzt. Zum einen ist da der erhöhte Anspruch der Kunden, zum anderen die eigene Angst vor der Ansteckung, so der Coach.

Manager bzw. die Inhaber sind gut beraten, die Kommunikation zu Ihren Mitarbeitern nicht nur am Laufen zu halten, sondern systematisch zu gestalten und zu managen.

Die aktuelle Situation ändert sich täglich, sagt der Motivationstrainer. Jeden Tag gibt es neue Zahlen vom Robert Koch Institut. Die Politik verkündet täglich neue Entscheidungen. Daher ist es wichtig, den Mitarbeitern „just in Time“ aktuelle Veränderungen und Entscheidungen des Unternehmens mitzuteilen. Hierzu bieten sich regelmäßige Zeiten für die Informationen an. Diese laufen über unterschiedliche Kanäle wie Intranet, interne What‘s App Gruppen oder das persönliche Kurzmeeting mit dem Filialleiter sind immer verbunden mit motivierenden Inputs. Die Dankbarkeit gegenüber den Mitarbeitern zum Ausdruck zu bringen, ist besonders wichtig“, sagt Andreas Nemeth.

Warum sind die Mitarbeiter in der Krise mehr gefordert als in der Normalsituation?

Es kommen durch die Krise zusätzliche Herausforderungen auf die Mitarbeiter zu. Da sind auf der einen Seite, die zusätzlichen Hygiene-Vorschriften, zum anderen verängstigte Kunden, die momentan mehr Fragen als üblich an die Mitarbeiter haben. Das Auffüllen der Regale findet im Lebensmitteleinzelhandel momentan auch in kürzeren Abständen statt, so dass auch hier zusätzliche Ressourcen seitens der Mitarbeiter gefordert sind. Sie sehen, es sind eine Menge an zusätzlichen Aufgaben, die Mitarbeiter im Lebensmitteleinzelhandel zu bewältigen haben.

Welches Maßnahmenpaket für eine bessere Mitarbeiterkommunikation kann Andreas Nemeth empfehlen?

1. Regelmäßige Informationen, am besten täglich einmal via Intranet, What‘s App oder eben „face to face“.

2. Das „Wir-Gefühl“ stärken durch gemeinsame oder online durchgeführte Teammeetings.

3. Die Ansprechbarkeit der Führungskräfte signalisieren. Das bedeutet, wann immer Mitarbeiter Fragen haben, da zu sein für ihre Anliegen. Andreas Nemeth nennt das „die Kommunikation der offenen Tür“.

Fazit: Wie kann man die Mitarbeiter wirklich motivieren?

An erster Stelle steht die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern. Gerade in der jetzigen Situation bekommt unser ohnehin wichtigster Motivationstipp „Dankbarkeit“ eine ganz besondere Bedeutung. Seinen Mitarbeitern sollte der Vorgesetzte deshalb täglich seine Wertschätzung für die außergewöhnlichen Leistungen zum Ausdruck bringen. Das kann mit Worten geschehen, aber natürlich auch mit kleinen Gesten, wie z.B. das spendierte Eis in der Mittagspause.

An zweiter Stelle sind natürlich Bonuszahlungen für zusätzlich erbrachte Leistungen zu erwähnen.

An dritter Stelle kann man auch über Sonderurlaubstage bzw. Überstundenabbau für die Zeit nach der Krise nachdenken, so dass die Mitarbeiter ein zusätzliches erstrebenswertes Ziel in Aussicht haben, auf das sie hinarbeiten können.

Wie schafft es Händler Sven Komp, dass seine Mitarbeiter in diesen Zeiten mitziehen? „Ich habe da ein einfaches Konzept: Selber präsent sein und die Mitarbeiter wertschätzen. Das sollte immer geschehen und nicht nur in der Krise“, sagt Sven Komp, Inhaber der Frischecenter Komp GmbH in Wesel, zu der drei Märkte gehören.

„Unsere Kommunikation ist offen, ehrlich und direkt. Die Geschäftsführung befindet sich permanent auf der Fläche, um mit Kunden und Mitarbeitern zu kommunizieren. Jede Information wird in Form von Aushängen, in What‘s-App-Gruppen oder Youtube Videos geteilt“, sagt Sven Komp. „Wir haben unsere Mitarbeiter auch vor der Krise ständig motiviert. Dazu gehören eine gute Bezahlung, Prämien, Betriebsfeste und eine wertschätzende Behandlung“, berichtet Inhaber Sven Komp. In der Krise kommt ihm dies zu Gute. „Die Stimmung ist gut und die Mitarbeiter sind sehr motiviert. Wir haben eine ‚Corona Prämie‘ zu Ostern gezahlt. Dazu kommen lobende Worte direkt an die Mitarbeiter und in den Posts bei Social Media“, sagt Komp.

Schöne Geste: Rewe-Kaufmann Ulrich Pebler, Betreiber eines Marktes in Nassau, setzt ein persönliches Zeichen zur Wertschätzung: Er lädt alle Kollegen jede Woche einmal zu einem vollwertigen Mittagessen ein. Dieses bezieht er aus der „örtlichen Gastronomie, um auch diese auch ein wenig zu unterstützen“.

Aldi Nord teile auf Anfrage zum Thema „Mitarbeitermotivation“ mit, die Geschäftsleitung habe sich entschieden, den Mitarbeitern ihre Dankbarkeit auch in der Form einer freiwilligen Sonderleistung einen Warengutschein zukommen zu lassen. Als einen weiteren Punkt habe sich die Geschäftsführung „bewusst gegen eine Ausweitung unserer Öffnungszeiten entschieden. Unsere Mitarbeiter brauchen Ruhephasen, um Kräfte zu sammeln und sich zu erholen.“