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So vermeiden Sie Personalengpässe Not macht erfinderisch

Lebensmittel Praxis | 30. März 2020
So vermeiden Sie Personalengpässe: Not macht erfinderisch
Bildquelle: Harreskind

Corona wirft die Einsatzpläne der Mitarbeiter um. Wie Händler dieses Problem lösen und sich zudem bei ihren Mitarbeitern bedanken.

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Jeden Morgen die gleiche, bange Frage: Wie viele Mitarbeiter melden sich heute krank? Nicht, dass jemand in Quarantäne muss! Markt- und Filialleiter sind ebenso gebeutelt wie Produktionsplaner in der Industrie oder Landwirte.

Seitdem die Schulen geschlossen sind, fallen viele Voll- und vor allem Teilzeitkräfte aus, weil die berufstätigen Eltern ihren Nachwuchs zu Hause betreuen müssen. Schon machen im Internet Meldungen die Runde, dass Händler ihre Kunden um Unterstützung bitten, Regale einzuräumen. Doch das dürften die absoluten Ausnahmen bleiben. Die meisten Händler wissen sich zu helfen.

Mitarbeiter aus dem Gastro-Bereich: Keine Probleme hat das Rewe-Center in Egelsbach damit, den Krankheitsstand auszugleichen. Das liegt unter anderem am großen Gastrobereich des Centers, der zurzeit geschlossen ist. Die zehn Mitarbeiter, die das betrifft, helfen an den Bedienungstheken und im Markt aus. „Ich bin positiv überrascht, wie gut die Leute mitziehen“, lobt Marktmanager Stefan Zizek seine Mannschaft.

Björn Walther, der bei der Rewe Mitte das HR Kompetenzcenter leitet, unterstreicht diese Aussage und bestätigt für das Verkaufsgebiet Rhein-Main: Die „Märkte sind gut besetzt“, allerdings müsse man in der Einsatzplanung flexibler als bisher agieren. Viele Mitarbeiter haben sich laut Walther auf die Situation einstellen können und die Kinderbetreuung regeln können. Gleichzeitig aber ist der Krankenstand relativ hoch: Auch Mitarbeiter, die eine „übliche“ Erkältung haben, bleiben in Corona-Zeiten eher zuhause.

Personal von anderen Arbeitgebern: Die Region Mitte profitiert gerade davon, dass der Flughafen Frankfurt und viele Betriebe drumherum weitgehend geschlossen sind. Viele Menschen, die dort aktuell nicht arbeiten können, melden sich bei der Rewe Mitte. „Wir haben schon viele Einstellungen vorgenommen, und zwar unkompliziert“.

Studenten als Minijobber: An erster Stelle steht allerdings laut Walther, die eigenen Minijobber und Teilzeitkräfte stundenmäßig aufzustocken. Insbesondere Studenten, bei denen der Lehrbetrieb stillsteht, nehmen das Angebot gern an.

Schüler verstärkt einsetzen: Ähnlich äußert sich Oliver Speicher, Inhaber vom Marktkauf Speicher in Halle/Westfalen. „Wir sind gut aufgestellt“, kommentiert er. Allerdings kann sich das schnell ändern, für diesen Fall hat Speicher eine Anzeige zur Personalsuche in der Tageszeitung geschaltet. Die Kunden kaufen auch bei ihm „das Geschäft leer“. Aber da die Schulen ihren Betrieb eingestellt haben, sind viele Aushilfen froh, wenn sie mehr Stunden an der Kasse sitzen können. Auch die Auszubildenden verbringen ihre gesamte Arbeitszeit nun im Markt, weil die Berufsschule ausfällt.

Kurzarbeiter: „Bei uns im Markt ist alles okay“, antwortet Stefan Ziegler auf die Frage, wie es um die Personalsituation in seinem Markt in Kaisersesch bestellt ist. Er hat alle Angestellten informiert, dass sie sich melden können, wenn der Ehemann oder Partner Kurzarbeit machen muss oder gar nicht arbeiten kann. Dann ist Ziegler bereit, die Wochenstunden der Edeka-Mitarbeiter vorübergehend aufzustocken.

Partnerschaft: Aldi Süd und Aldi Nord sind eine Partnerschaft mit McDonald‘s eingegangen. Zurzeit sind die Öffnungszeiten der Fast-Food-Kette beschränkt. Deshalb soll Personal „unkompliziert“ an Filialen des Discounters vermittelt werden. Die beiden Aldis hatten zusammen einen Bedarf von 3.000 Personen an die Fast-Food-Kette gemeldet.

Corona-Bonus für die Mitarbeiter

Die Krise hat einen sehr erfreulichen Nebeneffekt: Viele Händler zeigen ihren Angestellten, wie wertvoll sie sind und wie wichtig ihre Arbeit ist. So erhalten 140.000 Mitarbeiter von Lidl und Kaufland einen Bonus. Jeder Mitarbeiter in der Filiale, in der Logistik und in den Produktionsbetrieben erhalte im April eine Sonderzahlung von bis zu 250 Euro, teilt die Schwarz-Gruppe mit. Der Bonus für die Lidl- und Kaufland-Beschäftigten wird als Warengutschein ausgezahlt, damit die Prämie möglichst als Netto-Zahlung bei den Beschäftigten ankommt.

Sonderzahlung: Aldi Süd und Nord wollen ihren Mitarbeitern eine freiwillige Sonderleistung zukommen lassen. Bei Aldi Süd erhalten alle Mitarbeiter in Verkauf und Logistik einen Warengutschein in Wert von 250 Euro; Verwaltungsangestellte der Regionalgesellschaften, Auszubildende sowie geringfügig Beschäftigte erhalten einen Warengutschein in Höhe von 100 Euro. Bei Aldi Nord gelten entsprechende Werte.

Zuvor hatte bereits Rewe eine Prämie für die Mitarbeiter in den Märkten und der Logistik angekündigt. Mehr als 20 Millionen Euro sollen hier fließen. Der jeweilige Betrag ist etwa abhängig von der Funktion und davon, ob Vollzeit oder Teilzeit gearbeitet wird.

Auch die SB-Warenhauskette Real zieht mit. Die Beschäftigten sollen in der Woche vor Ostern Warengutscheine im Gesamtwert von 100 Euro erhalten – unabhängig davon, ob Sie in Voll- oder Teilzeit arbeiten.

Steuerfrei: Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat angekündigt, aktuell Bonuszahlungen für Arbeitnehmer bis 1.500 Euro steuerfrei zu stellen„Viele Berufsgruppen tun gerade ihr Möglichstes im Dienst an uns allen“, erklärt auch die saarländischen Wirtschafts- und Arbeitsministerin Anke Rehlinger. „In Krankenhäusern und Supermärkten wird im wahrsten Sinne des Wortes um unser Leben gearbeitet.“

Schöne Geste: Rewe-Kaufmann Ulrich Pebler, Betreiber eines Marktes in Nassau, setzt ein persönliches Zeichen zur Wertschätzung: Er lädt alle Kollegen jede Woche einmal zu einem vollwertigen Mittagessen ein. Dieses bezieht er aus der „heimischen Gastronomie, um auch diese, dramatisch notleidende Branche“ ein wenig zu unterstützen.

Checkliste: Wie kommt der Händler derzeit schnell an mehr Personal?

1. Eigene Mitarbeiter stocken Stunden auf:

– beliebt bei Studenten und Schülern, die gerade keinen Unterricht haben;

– begehrt bei Mitarbeitern, bei denen der Partner Kurzarbeit machen muss.

2. Fremde Mitarbeiter übergangsweise unter Vertrag nehmen:

– bevorzugt aus Betrieben, die wegen Corona geschlossen sind, wie Gastronomie, Catering und weitere Dienstleister.