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Ein Blick zurück Shoppingcenter: Ein Blick zurück

Lebensmittel Praxis | 17. September 2013
Ein Blick zurück: Shoppingcenter: Ein Blick zurück

Shoppingcenter sind aus unserem modernen Leben einfach nicht mehr wegzudenken. Dabei sind sie keine Erfindung der Neuzeit.

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Die Trajansmärkte, benannt nach dem Kaiser Trajan, errichtet 143 n. Chr., werden als antike Vorläufer der Einkaufszentren bzw. Markthallen bezeichnet. Den in den 30er Jahren in den USA errichteten einfachen Einkaufszentren folgte 1956 mit dem Southdale Center bei Minneapolis das erste sogenannte Einkaufszentrum. In Deutschland öffnete knapp ein Jahrzehnt später,1964, das im Auftrag für die schweizerische Intershop Holding vom Kanadier Larry Scheffsky entwickelte Main-Taunus-Zentrum (MTZ) die Türen. Nur fünf Monate später ging der vom Amerikaner Edward Robert entwickelte Ruhr-Park in Bochum ans Netz.

Die Zahl der Shoppingcenter erhöhte sich laut EHI von zwei anno 1964 bis zum 1. Januar 2013 auf 453.

Seit den Anfängen ist viel geschehen. Was sich verändert hat, fragen wir einen, der es wissen muss. Peter Fuhrmann gehört zu den insgesamt sieben (nach deutschem Recht notwendiger Mitgliederanzahl zur Gründung eines Vereins) Initiatoren des German Council of Shopping Centers, der am 3. August 1993 als eingetragener Verein in Düsseldorf gegründet wurde, und ist noch heute Ehrenmitglied des GCSC.

Herr Fuhrmann welche Aufgabe hatten die ersten Shopping Center in Deutschland?
Peter Fuhrmann: Die ersten beiden Center in Deutschland, das MTZ bei Frankfurt und der Ruhr-Park in Bochum, hatten es in den ersten Jahren sehr schwer, weil der Kunde noch nicht mit dieser neuen Handelsform vertraut war und nach anfänglicher Neugierde wieder in die angestammte Form des Einkaufens zurück fiel. Die Zentren übernahmen erst nach und nach die Funktion einer Handelsvertriebsform, welche alle Funktionen einer Stadt unter einem Dach vereinte. Der richtige Durchbruch gelang erst, als die innerstädtischen Zentren die Angebotspalette der Innenstadt abrundeten. Im Zuge der Wiedervereinigung gab es nochmals eine starke Rückkehr der Center auf die grüne Wiese, welche aber wieder abnahm, als die Innenstädte ihre Probleme gelöst hatten.

Welche Bedeutung hatte der Handel von Lebensmitteln für und in Shoppingcentern damals und heute?
Im Gegensatz zu den angelsächsischen Ländern, besonders den USA, spielte der Lebensmittelhandel in den Shoppingcentern hierzulande von Anfang an eine sehr große Rolle. Weil die Warenhäuser noch sehr zurückhaltend in der Anmietung in den Centern waren, war der Hauptmieter der ersten Stunde immer der Supermarkt. Diese beiden neuen Handelsformen, zum einen die Selbstbedienung bei Lebensmittel und die Shoppingcenter, waren eine sehr gute Symbiose. Gerade heute nach dem Wegfall der Warenhäuser als Hauptmieter ist der Handel mit Lebensmitteln immens wichtig für den Erfolg von Shoppingcentern. Ob der Supermarkt, oder die Spezialisten für den gesamten Frischebereich, Food ist unverzichtbar und dieser Trend wird sich sogar noch weiter verstärken.

„Die Zeiten der reinen Bedarfsdeckung sind lange vorbei – das Erlebnis steht im Vordergrund.“
Peter Fuhrmann

Was vermissen Sie heute in Shoppingcentern, was muss sich verändern, damit Shoppingcenter ihre Magnetwirkung nicht verlieren?
Die meisten Shoppingcenter haben immer noch nicht erkannt, dass eine reine Bedarfsdeckung überholt ist und beim Einkauf das Erlebnis im Vordergrund steht. Dies bedeutet mehr Gastronomie und eine stärkere Verknüpfung von Online- und Offline-Handel. Es gibt die ersten zarten Versuche, wie z.B. in München Pasing, aber die deutsche Shoppingcenter-Szene ist noch weit entfernt von US-amerikanischen Entwicklungen, welche mit ihren Lifestyle- und Community-Centern den großen Superregional-Centern schon lange den Rang abgelaufen haben. Die Schaffung von „great good Places“ steht nun in den USA im Vordergrund.

Bild: Peter Fuhrmann, einer der Initiatoren des German Council of Shopping Centers.