LPextra Regionale Produkte Heimat zum Reinbeißen

Noch nie waren Lebensmittel aus der Region so gefragt wie derzeit: Die Konsumenten suchen Produkte, mit denen sie ortsansässige Erzeuger unterstützen können, Produkte, die nicht erst hunderte Kilometer zurücklegen müssen, bevor sie auf dem Teller landen.

Montag, 05. Dezember 2011 - Regionale Produkte
Dörte Fleischhauer
Artikelbild Heimat zum Reinbeißen
Bildquelle: iStockphoto

Die diversen Lebensmittelskandale der vergangenen Monate zeigen Wirkung: Die Konsumenten sind verunsichert und wollen wissen, woher kommt, was sie essen. Von Produkten aus der Region versprechen sie sich mehr Sicherheit. Sie schätzen sie zudem als ökologisch und sozial verträglicher ein als vergleichbare Lebensmittel aus überregionaler oder internationaler Produktion. Doch was heißt „regional“ eigentlich, was ist „Region“? Ist das ein Umkreis von 50 oder 100 km um den Händler, den Produzenten oder den Ort der Herstellung? Und was ist mit verarbeiteten Produkten? Ist ein Früchtebrot regional, wenn die Nüsse dafür aus Italien und die Rosinen aus Südafrika kommen?

Kunden wollen Transparenz
Ja, sagen die einen, denn die eigentliche Wertschöpfung geschieht in der Region. Nein, sagen die anderen, das wäre es, wenn alle Zutaten und Produktionsschritte wirklich regional sind. Dies offenbart das Manko in der Zuordnung, was als regional gilt und was nicht: Es gibt keine einheitliche Regelung, keine Standards. In Ost- und Norddeutschland gelten ganze Landstriche als „von hier“, in Bayern eher kleine Regionen wie das Allgäu. Zudem hat fast jeder Branchenteilnehmer seine eigenen Regionalmarken: ob Bundesländer, LEH, Industrie oder die Regionalinitiativen der Lebensmittelproduzenten. Allein 500 Regionalinitiativen, die im Umkreis von 100 km aktiv sind und aus mehreren Betrieben und/oder Organisationen bestehen, gibt es dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) zufolge derzeit. Jede Initiative hat ihre eigenen Richtlinien. Doch eine Eigenschaft ist allen regionalen Produkten eigen: „Die Transparenz macht sie für die Konsumenten so interessant. Hier kann man die Warenströme nachvollziehen und weiß, woher die Produkte kommen“, sagt Nicole Weik, Projektleiterin beim Bundesverband der Regionalbewegung. „Momentan steht der Trend nach Regionalität vor dem nach Bio-Produkten.“

Regionaler Etikettenschwindel
Wenn Käse, Wurst und Gemüse aus der Nähe kommen, hat das aber auch noch weitere Vorteile: Regionale Erzeugnisse haben kürzere Wege und Transportzeiten, sind, insbesondere bei Obst und Gemüse, geschmacklich ausgereifter und oft relativ günstig im Preis. Sie erhöhen die betriebliche Wertschöpfung, tragen zum Erhalt von Infrastruktur und Arbeitsplätzen in der Herkunftsregion bei, und sie erhalten traditionelle Kenntnisse wie regionaltypische Rezepte oder handwerkliche Fähigkeiten. Allerdings halten manche Produkte nicht, was die Verpackung verspricht: Viele Lebensmittel, die als „regional“ beworben werden, kommen nicht aus der Region. Da gibt es Käse, der auf Milch aus Holland basiert. Olivenöl wird als regional bezeichnet, aber bekanntlich wachsen hierzulande keine Oliven. Agrarministerin Ilse Aigner hat angekündigt, diese Täuschung beenden zu wollen: Verbraucher sollen sich auf die Kennzeichnung der Herkunft verlassen können.

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