Deutscher Handelskongress in Berlin Präsent auf allen Kanälen

Ihre Anwesenheit beim Deutschen Handelskongress in Berlin mitten in der Endphase der Koalitionsverhandlungen war vielleicht das größte Statement von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Sie nimmt den Handel ernst.

Donnerstag, 12. Dezember 2013 in Community
Sonja Plachetta
Artikelbild Präsent auf allen Kanälen
Bildquelle: Joerg Sarbach

Inhaltlich konnte und wollte sie mit Hinweis auf die laufenden Gespräche mit der SPD nicht viel sagen. Sie stellte mehr Investitionen in die Infrastruktur in Aussicht und versicherte, dass es mit ihr weder Steuererhöhungen noch eine Vermögenssteuer geben werde. Zudem versprach sie: „Der starke Anstieg der EEG-Umlage muss massiv gebremst werden.“ Das dürfte Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbands Deutschlands (HDE) gefreut haben, hatte er doch noch tags zuvor daran erinnert, dass die steigenden Ausgaben für Energie zulasten des Konsums gingen. In dieser Rede hatte er sich auch gegen den geplanten gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro ausgesprochen. Doch als Merkel die Händler darauf vorbereitete, dass dieser wohl kommen werde, weil die SPD ihn zur Bedingung für die Große Koalition gemacht habe, blieb Sanktjohanser stumm.

Hatte er sich etwa an den Ratschlag erinnert, den Dr. David Bosshart den Händlern bei der Vorstellung seiner zehn Thesen zur Zukunft des Handels gegeben hatte? Der Geschäftsführer des Schweizer Gottlieb-Duttweiler-Instituts (GDI) hatte appelliert: „Erwarten Sie möglichst viel von sich und möglichst wenig von der Politik, so werden Sie glücklicher leben.“

Passend zum Motto des Handelskongresses „Smart Retail – Kunden binden auf allen Kanälen“ lautete eine von Bossharts zentralen Thesen: „Omni-Channel ist der neue Standard für Wachstumslösungen.“ Das sei nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine große Chance für den Handel. Denn beim Online-Handel komme der Händler schneller an die Daten der Kunden als im stationären Geschäft. Und Daten sind laut Bosshart in Zukunft wichtiger als Geld: „Wer Zugang zu besseren Daten hat und weiß, wie man damit umgeht, wird gewinnen.“ Amazon mache dies derzeit vor.

Der Erfolg eines Handelsunternehmens wird nach Ansicht des GDI-Geschäftsführers auch davon abhängen, wer über die besseren Technologien verfügt. Niemand dürfe die Augen davor verschließen, dass künftig Massenintelligenz die menschliche Intelligenz schlagen werde. Im Laden dürfe die Technik aber nur ein stiller Helfer sein. Dort gehe es in Zukunft vor allem darum, dem gestressten und von Informationen überreizten Konsumenten Ruhe und Orientierung zu bieten.

Fotos: Joerg Sarbach

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