Mitarbeiter Frisch aus dem Hörsaal – auf in den Handel!

Wie kann der Handel fähige Hochschulabsolventen rekrutieren? Antworten aus einer Studie und Praxistipps von Real.

Anzeige

Wo bleibt der rote Teppich? Immer her damit – schließlich suchen alle Handelsunternehmen intensiv nach „High Potentials“. So heißen Nachwuchskräfte, die ein wirtschaftlich orientiertes Studium abgeschlossen haben und sich in wenigen Jahren in die Führungsetagen vorarbeiten sollen. Jung, durchsetzungsstark, arbeitswillig und – hoffentlich – erfolgreich. Es gibt nur einen kleinen Haken bei dieser Strategie: Man muss die Absolventen mit großem Potenzial erst einmal finden. Genau diese Suche lassen sich die Personalabteilungen einiges kosten, indem sie beispielsweise auf Hochschulabsolventen-Messen und speziellen Job-Börsen präsent sind. Der Wettbewerb um die guten Köpfe ist hart, Unternehmen buhlen mit hohem Einstiegsgehalt und Firmenwagen um künftige Mitarbeiter.

Wo aber wollen Studierende gern arbeiten? Dieser Frage geht Prof. Thomas Roeb von der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in einer Studie nach. Dazu hat er 600 Studenten des Fachs BWL befragt, die im Wesentlichen an den Unis Bonn, Köln, Bonn-Rhein-Sieg und an einigen privaten Fachhochschulen lernen. Die Hälfte davon waren junge Frauen, die Befragungen erfolgten im Mai und Juni 2012, und zwar im persönlichen Gespräch.

Die Ergebnisse klingen wenig schmeichelhaft: Schon an sich ist der Handel nicht sehr beliebt. Es kommt noch schlimmer: Wer ihn kennt, mag ihn besonders wenig. „Besonders unbeliebt ist der Lebensmittelhandel“, so eine Erkenntnis von Prof. Roeb. Doch Hopfen und Malz sind nicht gänzlich verloren, wie weitere Befragungsergebnisse zeigen. Denn fragt man Absolventen, die grundsätzlich am Handel interessiert sind, nach ihrer Lieblingsbranche, dann entscheiden sich zwar nur knapp 12 Prozent spontan für den Lebensmittelhandel. Auto und Mode – diese Branchen reizen die jungen Leute eher. Aber: Bei der konkreten Frage, an welchem Unternehmen sie interessiert sind, landen Lebensmittelhändler klar auf den vorderen Rängen: Auf den ersten vier Plätzen stehen Aldi, gefolgt von den dm-Drogeriemärkten, Rewe und Metro C&C, erst auf Platz fünf taucht mit H&M ein Bekleidungsanbieter auf. Kaufhof belegt in der Liste Rang sechs, dicht gefolgt von Edeka, Position 9 geht an die Real-SB-Warenhäuser (siehe neben stehende Grafik). Ein Widerspruch? Nicht unbedingt, wie Prof. Roeb meint – seine Aussagen dazu stehen im Kasten auf Seite 26.

Zudem hat die Lebensmittel Praxis Stefan Noppenberger von Real einige Ergebnisse der Studie vorgelegt. Als Abteilungsleiter Personalmarketing gehört das Recruiting von Hochschulabsolventen zu seinem Kerngeschäft. Warum gerade Real? Weil das Unternehmen gerade beim LP-Branchenwettbewerb „Ausbilder des Jahres 12“ den ersten Platz in der Kategorie Handelszentralen belegt hat.

Stefan Noppenberger kann viele Aspekte der Befragung gut nachvollziehen: „Die Studie zeigt deutlich, dass der Handel kein optimales Image hat.“ Gleichzeitig aber weist er darauf hin, dass gerade in den letzten Jahren ein Imagewandel stattgefunden hat, pointiert formuliert: „Vom No-Go zum interessanten Arbeitgeber, allerdings noch nicht erste Wahl.“ Er hat in sehr vielen Bewerbergesprächen persönlich die Erfahrung gemacht, dass „der Handel bei jungen Menschen nicht so unattraktiv ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag“. Für die Branche sprechen zwei gewichtige Argumente: Der Lebensmittelhandel ist krisensicher – gegessen wird immer. Noch wichtiger ist Argument Nummer zwei: „Große Unternehmen bieten viele und vielseitige Karrierechancen“, weiß Noppenberger. Absolventen, die auf der Suche nach einem Trainee-Programm sind und gezielt ihre Karriere im Blick haben, sind im Lebensmittelhandel richtig. „In kaum einer anderen Branche kann man so schnell Karriere machen.“ Marktleiter schon mit Ende 20? In der Praxis gibt es zahlreiche Beispiele für solch rasante Entwicklungen!

Dass bei den befragten Studenten Lebensmittelhändler ganz oben auf der Liste stehen, ist für den Personalentwickler nachvollziehbar: „Spontan fallen den jungen Menschen sicher Marken ein, die flächendeckend vertreten sind und mit denen man auch als Käufer Kontakt hat.“ Allerdings merkt Noppenberger an, dass einige Namen fehlen (die in anderen Befragungen immer ganz oben positioniert sind), wie Ikea, Media Markt, auch Kaufland und Lidl vermisst er auf der Liste.

Die Studie zeigt einen weiteren wichtigen Aspekt auf: Viele Befragten haben bereits als Praktikant oder Aushilfe im Handel gearbeitet, halten aber die Tätigkeiten für wenig spannend, kritisieren schlechte Arbeitszeiten sowie Bezahlung und sind demzufolge nicht weiter an einer Beschäftigung in der Branche interessiert. Gerade hier sieht Noppenberger eine Chance. Denn viele Studierende bessern ihr Einkommen mit einem Nebenjob auf, wobei der Einzelhändler „um die Ecke“ oft die erste Wahl ist. „Genau dann müssen wir die jungen Menschen für den Handel begeistern“, fordert der Personaler und begründet das mit folgenden Erfahrungen aus Bewerbergesprächen: Er bekommt häufig die Rückmeldung, dass sich Kandidaten bei Real bewerben, weil sie dort schon praktische Erfahrungen gemacht haben. Das Team war nett, die Arbeit vielseitig – wenn das Traineeprogramm dann noch gut strukturiert daher kommt, ist der Schritt zur Bewerbung nah. Solche persönlichen Eindrücke sind nachhaltig, sie bewirken Emotionen, die keine perfekt gestaltete Homepage jemals hervorrufen kann.

Begeisterung wecken“ gilt auch für den Umgang mit Praktikanten, die meist noch die Schulbank drücken oder gerade die Schule verlassen haben. „Praktikanten nicht als reine Palettenschieber missbrauchen!“, lautet sein Credo. Junge Menschen, die gut ins Tagesgeschäft eingebunden werden und die Vielfalt im Handel hautnah erleben, lassen sich häufig für eine Ausbildung im Handel gewinnen. Wer dann „von der Pike auf“ ausgebildet wird und die Weiterbildungsmöglichkeiten wahrnimmt, trägt ebenso großes Potenzial in sich wie ein Hochschulabsolvent. Teilweise kann er sogar in noch jüngeren Jahren die Karriereleiter hinauf klettern als ein Student, der jahrelang Theorie gebüffelt hat.