Kids-Analyse Fleisch- und Wurstkonsum bei Jugendlichen analysiert

Ingo Barlovic von Iconkids & Youth International Research forscht zur Jugend. Für die LP hat er Verzehr und Image von Fleisch untersucht.

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Metzgereien und oft auch die Bedienungstheken für Fleisch und Wurst im LEH haben Probleme bei Teilen der jungen Generation: Es scheint vor allem an den wichtigen Elementen „Wohlfühlen“ und „Convenience“ zu hapern. Nicht selten fühlen sich die jungen Verbraucher zudem regelrecht überfordert. Das sind die wesentlichen Feststellungen, die Ingo Barlovic, Geschäftsführer der in München ansässigen Iconkids & YouthInternational Research GmbH, in seiner exklusiv für die LEBENSMITTEL PRAXIS angefertigten Studie zum Konsum und Image von Fleisch bei Jugendlichen gemacht hat. Online wurden bundesweit 198 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 24 Jahren befragt. Zusätzlich fanden qualitative Befragungen von einzelnen Jugendlichen statt.

Für einiges, was die Befragten störte, hatten sie selbst Lösungsvorschläge: Sie wünschen sich, dass die Thekenauslage strukturierter präsentiert wird und Themeninseln Einzug halten. Außerdem hätten sie gerne prägnante Produkterklärungen. Um den Einkauf zu beschleunigen, sollten Möglichkeiten wie Eil- oder geschaffen werden. Generell vermissen die Jugendlichen eine Art Wohlfühl-Atmosphäre und wünschen sich mehr Erlebniswelt.

Zwar stehen Fleisch und Wurstwaren immer noch hoch im Kurs, aber immer mehr junge Menschen denken über eine Reduktion ihres „fleischlichen“ Konsums nach. Für Hersteller und Vermarkter von Fleisch und Wurstwaren ist es deshalb heute noch wesentlich wichtiger als vor einigen Jahren, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, denen es oft an Kochkompetenz fehlt, zu zeigen, wie leicht und gut mit Fleisch gekocht werden kann. Denn generell wertet die Jugend Fleisch und Wurst als Genuss (79 Prozent) sowie als einen wichtiger Teil für eine ausgewogene Ernährung (81 Prozent). 69 Prozent stimmten der Aussage zu, sich eine Ernährung ohne Fleisch nicht vorstellen zu können. 68 Prozent gaben an, sich nach dem Essen von Fleisch länger satt zu fühlen. Zwar machen sich 47 Prozent beim Fleischverzehr keine Gedanken über eine gesunde Ernährung, allerdings denken 35 Prozent dabei an Tiere, die dafür sterben mussten, und 24 Prozent haben beim Verzehr von Fleisch ein schlechtes Gefühl.

Aufhorchen lassen sollten auch diese Angaben: 90 Prozent hören häufig von Fleisch- und Wurstskandalen, 83 Prozent glauben, dass vielen Herstellern der eigene Gewinn wichtiger sei als die Gesundheit des Verbrauchers. 37 Prozent haben Vertrauen und glauben, dass das Fleisch sicher ist. 32 Prozent finden, dass Fleisch zu wenig kostet und teurer sein sollte. Das Verhältnis der Jugend zu Biofleisch ist ambivalent: 38 Prozent gaben an, Fleisch schmecke besser, wenn es Bio sei. Aber ebenfalls 38 Prozent trauen Biofleisch nicht über den Weg.

Bei den Aspekten, die Jugendlichen beim Fleisch- und Wursteinkauf wichtig sind, belegt eine „gepflegte Bedienung“ (90 Prozent) Rang 5, gefolgt von „Wohlfühlen im Geschäft“ auf Rang 6 (85 Prozent). Angeführt wird das Ranking von „Sauberkeit/Hygiene“ (98 Prozent), Frische und „gute Qualität“ (je 96 Prozent) und „appetitlichem Aussehen“ (93 Prozent).

Einstellungen und Erfahrungen aus der Kindheit können auch für das Leben als Erwachsener prägend bleiben, das haben Untersuchungen zur „Generation Golf“ oder Marken wie Nutella gezeigt. Ingo Barlovic rät deshalb der Fleischbranche, sich möglichst frühzeitig um die Jugend zu kümmern. Denn je länger man warte, desto schwerer würden Verhaltensänderungen.