Interview mit Dr. Jürgen Steinmaßl Eine teure Wissenslücke

Die Studie „Steckerfertige Kühlmöbel im LEH“ der Dr. Steinmaßl Managementberatung zeigt: Händler wissen oft nicht, wie hoch die Lebenszykluskosten ihrer Kühlmöbel sind. Das kann teuer werden.

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Kühlung kostet den Handel richtig Geld: Nach der jüngsten Erhebung des EHI fallen im Lebensmittelhandel knapp 63 Euro pro qm Verkaufsfläche pro Jahr für Energie an, wobei die Kühlung mit 41 Prozent der größte Energieverbraucher ist. Und dennoch wissen viele Händler nicht, welchen Strombedarf die Kühlmöbel in ihren Märkten eigentlich haben. Diese Wissenslücke will die Dr. Steinmaßl Managementberatung mit ihrer Studie „Steckerfertige Kühlmöbel im LEH“ schließen und dem Händler einen Leitfaden für die Praxis, zumindest was steckerfertige Truhen angeht, an die Hand geben. Dr. Jürgen Steinmaßl über Sparpotenziale, klassische Fehler und einfache Maßnahmen zur Energieeinsparung.

Warum haben Sie sich für Ihre Studie auf steckerfertige Kühlmöbel konzentriert?
Dr. Jürgen Steinmaßl: Im Rahmen unserer Beratungstätigkeit hat sich herausgestellt, dass es genau in diesem Sektor häufig zu Fehleinschätzungen hinsichtlich des Strombedarfs dieser Geräte bei den Einzelhändlern kommt. Auch unser Beraterteam war von den Strombedarfs-Bandbreiten überrascht.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Am krassesten waren die Unterschiede bei geschlossenen TK-Truhen mit elektrischer Abtauung. Wir sind von minimalen Abweichungen in dieser Kühlmöbelkategorie ausgegangen. Tatsächlich kann den Einzelhändler ein Kubikmeter gekühltes Raumvolumen 340 Euro oder 3.500 Euro pro Jahr kosten. Das ist mehr als das Zehnfache!

Umfragen zeigen, dass für den Handel die Energiekosten und vor allem deren Senkung im Fokus stehen. Und dennoch stellten Sie bei Ihrer Erhebung fest, dass viele Händler gar nicht wussten, welche Energiefresser sie mitunter im Laden stehen haben. Warum?
In einem Supermarkt mit 35 m NK-Kühlregalen und 20 lfd. Metern TK-Truhen, wer denkt da an die sieben steckerfertigen Truhen und vermutet gar dort erhebliche Einsparpotenziale? Das bedeutet einerseits das Kostensegment der steckerfertigen Kühlmöbel liegt nicht im Fokus des Händlers, andererseits weisen zahlreiche Hersteller von steckerfertigen Kühlmöbeln den Strombedarf pro 24 Stunden nicht aus und erschweren dadurch eine Abschätzung der Kosten.

Welches Energiesparpotenzial gibt es Ihrer Ansicht nach im LEH?
Wir haben überschlägige Berechnungen auf der Basis unserer Marktbesuche durchgeführt und sind bei vorsichtiger Schätzung auf ein Einsparpotenzial von 400 Mio. kWh pro Jahr im deutschen LEH gekommen.

Und was sind die klassischen Fehler bei der Auswahl der steckerfertigen Truhen für Plus- und Minus-Kühlung?
Aus meiner Sicht treffen zwei Faktoren zusammen: Nur die wenigsten Einzelhändler machen sich Gedanken über die Lebenszykluskosten eines Kühlmöbels. Dabei kann ein Getränkekühler 3.000 Euro Strom in zehn Jahren kosten oder 11.500 Euro. Bei drei Energiefressern können so schnell 25.000 EUR zusammenkommen. Der zweite Faktor ist der Einsatzort im Markt. Ein Bespiel: Gerne werden vierseitig verglaste TK-Truhen gekauft und später drei Seiten mit Aktionsständern oder anderen Truhen verbaut. Der Vorteil der Verglasung, der mit hohen Energiekosten verbunden sein kann, ist dahin, aber die Kosten bleiben.

Gibt es Maßnahmen, die sich mit wenig Aufwand umsetzen lassen und die helfen, Energie zu sparen?
In unserer Studie haben wir detailliert und mit Messergebnissen untermauert dargestellt, was z. B. eine Wochenzeitschaltuhr, das Einhalten der maximalen Füllhöhe oder die Beachtung der optimalen Temperaturen an Stromeinsparung bringt.

Auf welche Faktoren sollte der Händler bei der Neu-Bestückung seines Geschäfts mit Kühlmöbeln achten, um maximale Energieeffizienz zu erreichen?
Keinesfalls pauschalen Aussagen zu steckerfertigen Kühlmöbeln glauben, die ungeprüft aus der Vergangenheit übernommen und immer wieder veröffentlicht werden. Es ist eine Mär, dass energieeffiziente steckerfertige TK-Truhen einen höheren Strombedarf aufweisen als ein moderner Verbund. Ebenso ist es eine Mär, dass energieoptimierte steckerfertige TK-Möbel hauptursächlich für eine Klimaanlage im Markt verantwortlich sind. Unsere Szenarien führten zu dem Ergebnis, dass effiziente Kühlmöbel maximal 12 Prozent zum Wärmeeintrag eines Marktes beitragen. Die Vorteile dieses Kühlmöbels wie geringe Investitionskosten und hohe Flexibilität müssen gegen die Nachteile wie ungenutzte Abwärme und geringer Wärmeeintrag in den Markt abgewogen werden. Wenn die Entscheidung für steckerfertige Lösungen gefallen ist, sollten vor dem Hintergrund einer optimalen Verkaufsstrategie die energieeffizientesten Kühlmöbel ausgewählt werden.

Die Studie

Seit 2009 führt die Dr. Steinmaßl Managementberatung regelmäßig Messungen im Lebensmittel-Einzelhandel sowohl in Drehstrom-Unterverteilungen als auch bei steckerfertigen Kühlmöbeln durch. Über die Jahre stellte sich laut Dr. Jürgen Steinmaßl bei den Energieberatungen zudem heraus, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz der selbstständigen Einzelhändler eine konkrete Vorstellung über den Strombedarf der eigenen Kühlmöbel hat. Zum einen fehlten, so Steinmaßl, Studien zum Thema, zum anderen gäben die wenigsten Hersteller den Strombedarf in Kilowattstunden pro 24 Stunden an. Seine Idee: mittels einer Basisstudie diese Wissenslücke zu schließen und vor allem einen Leitfaden für die Praxis zu erstellen. Dieser sollte Marktinhaber sowohl den tatsächlichen Strombedarf verdeutlichen als auch Einsparmöglichkeiten und Entscheidungshilfen bei Umrüstung oder Neuanschaffungen geben.

Insgesamt 146 Messungen bei selbstständigen Händlern flossen in die Studie ein. Die Studie „Steckerfertige Kühlmöbel im LEH“ kann kostenlos im PDF-Format von der Seite der Managementberatung heruntergeladen werden www.steinmaszl.com.