Presse Presse garantiert Wertschöpfung

Die Relevanz von Zeitungen und Zeitschriften wird im Lebensmittelhandel oft noch unterschätzt. Dabei ist das Sortiment nicht nur ein Frequenz-, sondern auch ein Umsatzbringer.

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Zeitungen und Zeitschriften haben bei manchen Lebensmittelhändlern keinen leichten Stand. Einige Kaufleute bieten auf engstem Raum nur noch die wichtigsten Titel an. Andere haben – besonders, seit Discounter wie Lidl und Netto Marken-Discount ebenfalls ein Presse-Basisangebot haben – ihre Regale verbreitert und an Sortimentsbreite sowie -tiefe gearbeitet, um sich zu profilieren und von den Wettbewerbern abzusetzen.

Im vergangenen Jahr wurden laut Einzelhandelsstrukturanalyse des Bundesverbandes Presse-Grosso deutschlandweit mehr als 17.000 Lebensmittel-Einzelhändler versorgt. Dazu kamen noch ca. 1.900 belieferte Großformen des Einzelhandels und mehr als 13.000 Discounter. „Bei allen drei genannten Geschäftsarten verzeichnen wir im Durchschnitt pro Outlet eine Zunahme der Bordmeter, und zwar kontinuierlich seit 2009“, sagt Dr. Frank Hoffmann, Marketing-Vorstand des Bundesverbandes Presse-Grosso. „Die Anzahl der Lebensmittelhändler mit großen Sortimenten, d.h. zwischen 750 und 1.000 Titeln, ist in den vergangenen zwei Jahren wieder gewachsen“, bestätigt Marco Graffitti, Leiter Geschäftsbereich Handelsmärkte im DPV Deutscher Pressevertrieb. Und je breiter das Sortiment, desto höher sei der Umsatz.

Christian Böttcher, Vertriebsleitung Retail, Bauer Vertriebs KG, ergänzt: „Presse sorgt nicht nur für Schlagzeilen und Umsatz, sondern bringt auch Gewinn auf der Verkaufsfläche.“ Laut einer Studie des Europäischen Handelsinstituts (EHI) erzielen Einzelhändler mit Zeitungen und Zeitschriften eine Flächenproduktivität von rund 7.300 Euro pro qm und Jahr. Die Flächenproduktivität des Pressesortiments ist damit doppelt so hoch wie bei anderen Warengruppen aus dem Nonfood-Bereich (z. B. Papier-/Büro-/Schreibwaren, Haushaltswaren, Drogerieartikel). Auch der Flächenertrag, also die erwirtschaftete Spanne pro qm, liegt dem EHI zufolge bei Presse mit 1.300 Euro pro qm und Jahr über den Vergleichsgruppen. „Presse garantiert dem Einzelhandel eine Spanne von mehr als 18 Prozent ohne Warenrisiko“, rechnet Böttcher vor. Außerdem entscheidend ist für Dirk Petzel, Gesamtvertriebsleiter Einzelhandel Bild-Gruppe und Zeitschriften bei der Axel Springer AG, dass die Profitabilität der Kategorie nicht durch Preis- und Aktionspreiskämpfe wie in anderen Warengruppen unterlaufen wird.

Presse ist laut Petzel ein Frequenzbringer und spricht zudem durch ihre Vielfalt alle Zielgruppen an. Durch die Aufnahme neuer Titel könne der Händler immer wieder neue Zielgruppen besonders ansprechen, betont Presse-Grosso-Vorstand Hoffmann. Und neue Titel gibt es genug. Seit 2009 hat sich nach Angaben des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) die Summe der Titel um 133 erhöht – auf die neue Höchstmarke von 1.511. „Die Relevanz der Zeitschriftenmarken ist größer denn je, nie wurde so viel Zeitschrifteninhalt gelesen, nie so viele Zeitschriften gegründet“, sagt VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer. Ein gut geführtes Pressesortiment bringt dem LEH aber nicht nur neue Stammkunden, sondern es werden auch weitere Kaufakte initiiert. „Rund 70 Prozent aller Zeitschriftenkunden kaufen gleichzeitig auch andere Artikel, vornehmlich Getränke und Lebensmittel“, hat Böttcher beobachtet.

Die Kritik mancher Händler, dass der Aufwand für Regalpflege nicht im Verhältnis zum Ertrag stehe, weist Tobias Mai, Geschäftsführer strategische Vertriebssteuerung bei Burda, zurück: „Der Aufwand für Regalpflege wird absolut überschätzt, zumal das Presse-Grosso das Warenhandling (z. B. durch Serviceremission) für den Einzelhandel vereinfacht hat und dies auch unterstützt.“ Der Einsatz von EDI-Verfahren bei Rechnung und Lieferschein könne den Handlingsaufwand zusätzlich senken, ist Presse-Grosso-Vorstand Hoffmann sicher.

Der Umsatzanteil des Presse-Sortiments – der, so schätzt Petzel von Axel Springer, zwischen 05, und 1,5 Prozent liegt – könne bei richtiger Regalpflege und Platzierung noch gesteigert werden. Das Presse-Grosso empfiehlt ein bundeseinheitliches Belegungsschema, um Suchzeiten am Regal zu vermeiden. Bei der Orientierung könnten Regalschalen oder Top-Titel-Finder helfen. „Wir erachten den Einsatz dieser verkaufsfördernden Hilfsmittel ab zwei Regalmetern und hier mit maximal zwei Regalschalen pro Regalmeter als sinnvoll“, sagt Hoffmann. Laut Tobias Mai von Burda sollten die großen Umsatzträger und Neuerscheinungen in Vollsicht angeboten werden. Schließlich machen nach Angaben von Bauer die Top-100-Titel etwa 50 Prozent des Presseumsatzes im LEH aus. Bewährt hat sich Christian Böttcher von Bauer zufolge die Präsentation in vertikalen Blöcken, aufgeteilt in sieben Objektgruppen: Motor, Computer, Wirtschaft, TV-Presse, Freizeit, Jugend sowie Frauen. Petzel hält Zweitplatzierungen für ausgewählte absatzstarke Objekte für sinnvoll, etwa für Tageszeitungen in der Vorkassenzone. Immer wichtig ist zudem, auf ausreichenden Warenbestand zu achten, vor allem an umsatzstarken Tagen wie donnerstags und freitags und das Regal gerade in den Hauptzeiten beim Zeitschriftenkauf, zwischen 10 und 11 Uhr sowie zwischen 16 und 17 Uhr, im Blick zu haben, um Out-of-Stock-Situationen zu vermeiden.