Bier:Marketing-Gag oder lukrative Einnahmequelle?

Bildquelle: GettyImages, Carsten Hoppen, Mirco Moskopp, Edeka Hieber

Bier Marketing-Gag oder lukrative Einnahmequelle?

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Bier ist langweilig und austauschbar! Spätestens seit Craft Bier auch bei den großen Konzernen auf Interesse stößt, sollte diese Aussage so pauschal nicht mehr getroffen werden. Doch schon lange vor diesem Trend haben Händler auf eigene Faust versucht, ihr Sortiment mit hauseigenen Bieren aufzupeppen. Die LP sprach mit vier von ihnen, ob sich damit auch Geld verdienen lässt.

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„Nichts zum reich werden“, gibt Dieter Hieber unumwunden auf diese Frage zu. Der baden-württembergische Händler kennt sich bestens damit aus, was es heißt, sein eigenes Bier zu vermarkten. 2006 zögerte sein Vater und Firmengründer Jörg Hieber nicht lange, als die Brauerei Reiter den Geschäftsbetrieb aufgeben musste und erwarb die stillgelegte Brauanlage. Nach kurzen Umbauarbeiten im Hieber‘s Frische Center in Lörrach präsentieren sich seitdem die auffallenden Kupferkessel, in denen das Markt-Bier frisch gebraut wird. Das Hieber-Bier wurde in diesem Jahr also zehn Jahre alt und ist damit unten den Eigenmarken selbstständiger Lebensmittel-Einzelhändler bereits ein Oldie. „Wir haben in diesem Jahr ein doppeltes Jubiläum gefeiert: 50 Jahre Hieber und zehn Jahre Marktbier-Brauerei“, erzählt Hieber Junior .

Hallertauer Blanc

Ausgefallene Hopfensorten wie der neue Hallertauer Blanc spielen eine wichtige Rolle bei der Schaffung besonders aromatischer Biere.

Aus diesem Anlass hätten die Braumeister das Jubiläumsbier „1966“ kreiert, ein untergäriges Vollbier aus regionalen Zutaten und mit dezentem Aroma. Das Standard-Sortiment umfasst Pils-, Weizen- sowie saisonales Bier, insgesamt rund 1.100 hl im Jahr. Abgefüllt wird es in Bügelverschlussflaschen oder Partyfässern bis zu 50 Litern Fassungsvermögen.

Positiv überrascht ist Hieber nach wie vor über die Käuferschicht. „Bei einem vergleichsweise hohen Preis spricht das Bier natürlich Best Ager an, die sich etwas Besonderes gönnen möchten. Aber auch Jugendliche, die am Wochenende feiern wollen, greifen gerne zu unserem Marktbier“, so der selbstständige Edekaner. Trotzdem bleibt sein Fazit: Eher gutes Marketingobjekt als lukrative Gewinnquelle.

Eine etwas andere Meinung vertritt Uli Budnik. Der selbstständige Rewe-Händler aus Dortmund ist durch sein breites und tiefes Sortiment sowie zahlreiche Schulungen und Verkostungen (u. a. mit der Bieragentur Dortmund) bekannt für seine Bier-Kompetenz. Seit 2011 bietet Budnik in Zusammenarbeit mit der Bolten Brauerei das eigene „Homberg’s Landbier“ an. „Die Kalkulation passt und wir verdienen schon Geld. Wir machen das nicht, um uns nur darzustellen“, sagt Budnik.

Allerdings gibt es bei der Vermarktung auch Grenzen: „Ursprünglich wollten wir eine eigene schöne Kiste mit unserem Logo haben, dieses Vorhaben mussten wir aber aus Kostengründen lassen“, erklärt der Händler, der sein Bier jetzt in dem 0,33 x 24-Gebinde der Brauerei verkauft. Die Flasche mit Bügelverschluss wird auch im Sixpack angeboten und soll mit seinem süffigen Geschmack Männer wie Frauen gleichermaßen ansprechen. Diese würden auch die kleinen Flaschen bevorzugen.

Auch eine andere Aktion sorgt für Aufmerksamkeit für das Budnik-eigene Bier: 5 Cent je Flasche spendet der Reweianer für einen guten Zweck. Dabei konzentriert er sich auf lokale Projekte, die von den Kunden mitbestimmt werden. „In einem örtlichen Kindergarten oder einer Schule kann man mit solch kleineren Summen, die da zusammenkommen, schon mehr bewegen als beispielsweise bei einem Projekt in Afrika “, ist Budnik überzeugt.