Alkoholfreie Getränke Generation Start-up

Der Markt der alkoholfreien Erfrischungsgetränke lockt nach wie vor viele Start-ups an, die mit innovativen Konzepten den Durchbruch schaffen wollen. Doch nur selten gelingt der große Erfolg.

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„Wir hatten ein neues Produkt, das niemand kannte. Außerdem hatten wir keine Ahnung von den Spielregeln im Handel, und die Entscheider haben uns nicht eingeladen“, fasst Inga Koster, Geschäftsführerin Produktion & Finanzen der True Fruits GmbH, die Situation des Bonner Start-ups im Jahr 2007 zusammen. Koster ist 2006 gemeinsam mit Marco Knauf während eines Auslandssemesters in Schottland auf den Geschmack von Smoothies gekommen, jenen dickflüssigen Frucht- und Gemüsedrinks, die wenig später Dank True Fruits auch Deutschland erobern sollten. Doch zunächst wollte im deutschen Handel niemand etwas von dieser Neuheit wissen. Was den blauäugigen, aber entschlossenen Studenten letztlich geholfen hat, waren Fleiß und Überzeugungsarbeit. „Die ersten selbstständigen Händler mussten wir im persönlichen Gespräch überreden, uns die Flaschen abzukaufen. Das ist natürlich bei einem völlig unbekannten Produkt nicht selbstverständlich. Als dann aber der erste Handelspartner nach vier Wochen 1.000 Flaschen absetzen konnte, hat uns das zusätzlich motiviert, weitere selbstständige Händler direkt anzufahren und zu überzeugen.“ Mit den guten Verkaufszahlen stieg auch das Vertrauen in die Marke, das durch gute unabhängige Bewertungen wie bei der Stiftung Warentest oder durch den deutschen Gründerpreis 2009 untermauert wurde. Heute verbindet man in der Branche mit dem Namen True Fruits eine der größten Erfolgsstories im Bereich alkoholfreie Getränke. Auf die Frage, was sie jungen Start-ups im hart umkämpften Markt raten würde, gibt Koster eine eindeutige Antwort: „Sich nicht verbiegen lassen. Es gibt viele vermeintliche Experten in diesem Markt. So wurde uns abgeraten, die Smoothies im Glas zu verkaufen. Aber ich denke, es ist wichtig, sein eigenes Ding zu machen und seine Idee nicht zu sehr zu verwässern. Denn nur so hebt man sich ab“, ist die Unternehmensgründerin überzeugt.

True Fruits
  • 2006 im Rahmen eines interdisziplinären Studentenprojekts an der FH Bonn-Rhein-Sieg gegründet.
  • Besonderheit: individuelle Glasflasche.
  • Sortiment: Frucht-, Green- und Chia-Smoothies.

Abgrenzung vom Massenmarkt ist oberste Pflicht
Eine Einstellung, die auch Patrik Krell so unterschreiben würde. „Es ist besonders wichtig, ein Produkt zu haben, was sich von der Konkurrenz abhebt“, sagt der Geschäftsführer der Liwo GmbH. Liwo, entwickelt von drei Studenten mithilfe von diversen Professoren, ist ein AfG-Produkt, das sinnvollen und gesundheitlichen Mehrwert bieten soll. „Durch unseren Slogan: Limo war gestern!, versuchen wir uns, in einem einfachen Satz abzugrenzen. Denn wir denken, dass der Konsum von großen Mengen an Haushaltszucker und künstlichen Süßstoffen nicht mehr zeitgemäß ist“, sagt Krell. Liwo will dem Problem mit der Süßung durch Isomaltulose begegnen. Seit einiger Zeit gibt es das Getränk nun im regionalen Handel, wie zum Beispiel bei Akzenta Wuppertal. Händler in Nachbarstädten wie Düsseldorf, Solingen oder Remscheid konnten ebenfalls bereits überzeugt werden. Dieses Wachstum soll in weiteren Schritten in NRW und bundesweit ausgeweitet werden. Krell ist fest davon überzeugt, im Handel erfolgreich sein zu können, denn vergleichbare Getränke gibt es derzeit noch nicht am Markt. „Eine gesunde Alternative zu den Zuckerbomben und Süßstoffcocktails anzubieten, ist auch für den Handel ein interessantes Feld. Besonders da sich der Trend zu gesunder Ernährung in den letzten Jahren stetig fortgesetzt hat“, sagt der Geschäftsführer des Start-ups.

Liwo
  • Gesundheitsorientierte Limo.
  • Besonderheit: Isomaltulose statt Industrie-Zucker.
  • Entwickelt mithilfe wissenschaftlicher Expertise.

„Und dann heisst es Ausdauer, Ausdauer, Ausdauer“
Einer der aufgrund seiner Produktidee nicht komplett auf Zucker verzichten möchte, ist Mirco Wolf Wiegert, Gründer von Fritz-Kola und Role-Model vieler junger Start-up-Unternehmer in der AfG-Branche. Um die Jahrtausendwende kam Wiegert gemeinsam mit seinem Freund Lorenz Hampl in der Küche, bei Tiefkühlpizza und Cola die Idee, eine Kola zu entwickeln, die besser als der Marktführer ist. Eine Kola mit „viel, viel Koffein, etwas weniger Süße und einem Hauch Zitrone“ (O-Ton Fritz Kola). Um den Kapitalbedarf des Projekts zu decken, wurden die Bausparverträge aufgelöst und mit etwa 7.000 Euro das Unternehmen Fritz-Kola gestartet.

Fritz-Kola
  • Gegrünet 2002 in Hamburg.
  • Kola mit einem erhöhtem Koffeingehalt, weniger Süße und einem Hauch Zitrone.
  • Mittlerweile vielfältiges Sortiment (neben Kola: Schorle, Limo und Mate).

Heute findet sich die Alternative zum US-Riesen in bundesweit nahezu jedem gut sortierten Getränke- oder Supermarkt. „Wir haben gerade am Anfang gute Erfahrung mit inhabergeführten Betrieben gemacht. Dort sind die Entscheidungswege sehr kurz, und es gab eine lokale Nachfrage“, sagt Wiegert und bestätigt damit ähnliche Erfahrungen von True Fruits und Liwo. Prinzipiell sei für Fritz-Kola ein nachhaltiger und gesunder Aufbau sehr wichtig. Ähnlich wie seine Bonner Kollegin, rät Wiegert Neulingen zu Abgrenzung und Fleiß. „Die ersten beiden Fragen müssen lauten: ‚Warum sollen Menschen meine Produkte kaufen?‘ Und: ‚Wie grenze ich meine Zielgruppe ein und sorge für Bekanntheit? Und dann heißt es: Ausdauer, Ausdauer, Ausdauer.“