Bildquelle: Mirco Moskopp

Käse Es darf etwas mehr sein!

Deutschlands Käse-Bedienungstheken verbuchen 2015 mehr Umsatz als im Jahr zuvor. Kunden sind bereit, für Service und Beratung etwas tiefer in die Tasche zu greifen als für SB-Ware.

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Trendwende an der Käsetheke : Die Kunden geben wieder mehr Geld für Käse an der Bedienungstheke aus. Man muss zwar genau hinschauen, um die Entwicklung aus dem Datenmaterial von Nielsen herauszulesen. Aber immerhin: Das Thekengeschäft verzeichnet ein Umsatzplus von 0,1 Prozent auf Basis der Verkaufszahlen des Jahres 2015 im Vergleich zu 2014. Und das soll tatsächlich eine Nachricht sein? Ja, in der Tat, denn während der vergangenen rund 20 Jahre gab es immer ein Minuszeichen für das Thekengeschäft, während die Selbstbedienung deutlich Anteile hinzu gewonnen hat. Als Konsequenz haben immer mehr Handelsunternehmen ihre Käse-Bedienungstheke komplett geschlossen oder zu einer Theke „für den eiligen Kunden“ umgebaut. So mancher Marktforscher hat schon das endgültige Aus für Käse in Bedienung vorhergesagt. Ganz anders die (meist selbstständigen) Händler, die die Gelbe Linie unbeirrt als eines ihrer Profilierungsfelder betrachtet haben und das auch weiterhin tun. Sie haben in Perso nal und Technik investiert und das Sortiment so differenziert, dass es sich deutlich vom Selbstbedienungsangebot unterscheidet. Diese Unternehmer profitieren nun besonders von der Bereitschaft der Verbraucher, für den Zusatznutzen der Beratung auch tiefer in die Tasche zu greifen. Das lässt sich aus den Zahlen herauslesen: Während der Absatz an der Theke leicht gesunken ist (minus 0,5 Porzent), stieg der Umsatz um 0,1 Prozent.

Zuwachs bei Selbstbedienung
Man sollte an dieser Stelle nicht unter den Tisch kehren, dass Käse in SB im vergangenen Jahr auch Zuwachs verzeichnet hat, das Plus fällt mit 1,6 Prozent sogar deutlich höher aus als am Tresen. Käse liegt also grundsätzlich im Trend. Wenn man sich die einzelnen Positionen anschaut, die letztes Jahr besonders gut verkauft wurden, fällt auf: Es handelt sich um Produkte, die als Basis für eine komplette Mahlzeit dienen: etwa Feta (und feta-ähnliche Erzeugnisse), die auf dem Grill oder im Backofen eine Alternative zu Fleisch darstellen. Ebenso Käse-Fondue, ein vegetarisches Gericht für eine gesellige Runde. Schließlich Mozzarella, der als Klassiker aus Büffelmilch oder Schnelldreher aus Kuhmilch mit Tomate und Basilikum im Handumdrehen einen Salat darstellt.

Aufs brot oder in der warmen küche
Dass Käse mehr als nur Brotbelag ist, zeigen auch die Renner an der Theke: Halbfester Schnittkäse liegt im Plus. Hierzu zählt – neben Morbier, Butterkäse und weiteren – auch Raclette, der in Pfännchen geschmolzen die Grundlage einer sättigenden Hauptmahlzeit bildet.

Ein direkter Vergleich zwischen SB- und Thekengeschäft zeigt, dass der Löwenanteil heute über die Selbstbedienung läuft. Ein Fakt, der unter anderem der Marktmacht der Discounter geschuldet ist. Das kostenintensive Bedienungsgeschäft sorgt zurzeit für rund 11 Prozent des gesamten Käse-Umsatzes. Doch bei einem Gesamtvolumen von 7,836 Mrd. Euro, die jedes Jahr über die Scannerkassen abgerechnet werden, sind auch 11 Prozent ein bedeutender Anteil von immerhin 873 Mio. Euro. Das Geschäft bietet ausreichend Potenzial für die Hersteller von Käse-Spezialitäten, die erklärungsbedürftige – und hochpreisige – Ware handeln. Diese besonderen Käse lassen sich gut verkaufen, wenn geschulte Thekenmitarbeiter sie im Kundengespräch empfehlen und im besten Fall sogar eine Kostprobe über die Glasscheibe reichen.