Bayern

Blau-weißes Genusserbe

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Das Geschäft der bayerischen Nahrungsmittelindustrie brummt im In- und Ausland. Damit dies so bleibt, unterstützt der Freistaat die Wirtschaft nach Kräften. Ein Projekt ist das Weltgenusserbe Bayern.

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Regionalität ist derzeit Trumpf bei deutschen Verbrauchern. Ein Ende diesen „gesunden" Trends ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: Je mehr Lebensmittel– und Umweltskandale die Welt erschüttern, desto mehr wollen die Verbraucher wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen und was in ihnen steckt. Der Freistaat und die dort ansässige Industrie tun einiges, um den Status als „eine der aktivsten deutschen Spezialitäten-Regionen" – so heißt es aus dem Staatsministerium – zu erhalten und zu stärken. „Regionale Produkte mit nachvollziehbarer Herkunft werden bei den Verbrauchern immer beliebter. Transparenz in der Erzeugung und Verarbeitung wird zunehmend zum Kaufkriterium", unterstreicht Helmut Brunner, Landwirtschaftsminister in Bayern. Dies sei eine erfreuliche Entwicklung und eine Chance für ein Spezialitätenland wie Bayern.

Unternehmen aus Bayern

Den Worten lässt der Freistaat auch Taten folgen. So trat Bayern am 26. November 2010 sein „Weltgenusserbe" an. Dabei handelt es sich um eine von der EU geförderte Imagekampagne zur besseren Vermarktung von geschützten Spezialitäten. Nur traditionsreiche, hochwertige Produkte, die untrennbar mit einer bestimmten Region verknüpft sind, dürfen sich die Gütesiegel „geschützte geografische Angabe" und „geschützte Ursprungsbezeichnung" ans Revers heften. In Bayern sind dies derzeit „Allgäuer Emmentaler" und „Allgäuer Bergkäse", „Bayerisches Bier", „Nürnberger Bratwürste" und „Bayerischer Meerrettich". Diese fünf kulinarischen Botschafter aus dem Freistaat werden noch bis 2012 mit einem ganzen Paket an Maßnahmen unterstützt. Damit hat der Freistaat einen echten Coup gelandet, denn das „Weltgenusserbe Bayern" ist „als einziges deutsches Absatzförderungsprogramm von der EU-Kommission genehmigt worden", freut sich Brunner. Im europäischen Ausland gibt es solche von der EU geförderte Kampagnen für herkunftsgeschützte Produkte wie beispielsweise den „Südtiroler Alpenapfel" oder den „Grana Padano".

Für die europaweite Kampagne stehen über die Laufzeit von drei Jahren insgesamt 1,1 Mio. Euro bereit: 550.000 Euro kommen aus Brüssel, 330.000 vom Freistaat, den Rest steuern die beteiligten Wirtschaftsverbände bei. Damit werden Events im In- und Ausland finanziert – etwa bei Veranstaltungen wie der Fußball-EM 2012 in Polen. Zustande kam die Werbeoffensive auf Initiative des Ministeriums gemeinsam mit den Schutzverbänden dieser fünf Spezialitäten. Neben Events sind eigene „Weltgenusserbe-KulTouren" und Auftritte bei verschiedenen Verbrauchermessen geplant. „Im Lebensmittelhandel werden wir bei  Verkostungsaktionen europaweit auf das Projekt hinweisen", sagt Brunner, „die Maßnahmen werden durch Internetkooperationen sowie spezielle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ergänzt."

Ziel der Aktivitäten: Diese Leitprodukte international noch stärker bekannt zu machen und über den Herkunftsschutz zu informieren. Brunner: „Der Herkunftsschutz unterstreicht die Einzigartigkeit unserer Spezialitäten. Und er schützt unsere Produkte vor Nachahmern." Ein „Allgäuer Emmentaler" beispielsweise, muss im Allgäu hergestellt sein. Darauf kann sich der Verbraucher bei seinem Einkauf verlassen.
Langfristig soll das Projekt zur Plattform für den Schutz weiterer bayerischer Spezialitäten ausgebaut werden. Denn neben den derzeit 19 geschützten Produkten befinden sich weitere 20 bayerische Spezialitäten im Antragsverfahren – beispielsweise der Fränkische Karpfen.

Neben Regionalität ist Bio ein weiterer Verbrauchertrend. Und auch hier ist Bayern gut aufgestellt. Aktuell werden mehr als 6.300 Betriebe mit mehr als 192.000 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche ökologisch bewirtschaftet. Damit ist nahezu ein Drittel aller deutschen Ökobetriebe in Bayern beheimatet. Brunner: „Allein in den beiden vergangenen Jahren sind die ökologisch bewirtschaftete Fläche und die Zahl der Öko-Betriebe in Bayern insgesamt jeweils um mehr als 17 Prozent gestiegen." Und auch bei den Verarbeitern von Ökoerzeugnissen gab es im gleichen Zeitraum einen überproportionalen Anstieg auf mittlerweile mehr als 2.500 Unternehmen. Dabei spielen sich Regionalität und Bio gegenseitig in die Hände: „Gerade im Bio-Bereich ist für den Verbraucher die regionale Herkunft von besonderer Bedeutung", beschreibt der Minister die Querverbindungen.

Dazu wurde bereits 1996 mit dem Öko-Zeichen „Öko-Qualität garantiert – Bayern" (siehe Interview auf S. 62) ein Programm geschaffen, das dem Verbraucher freiwillig höhere Qualitätsstandards und nachvollziehbare bayerische Herkunft garantiert. Mehr als 120 bayerische Lebensmittelhersteller nutzen das Zeichen.

Und wie sieht es auf der Exportseite aus? Schließlich steht das Thema „Exportoffensive" im Freistaat ebenfalls ganz oben auf der Agenda. Allein im vergangenen Jahr wurden Nahrungsmittel im Wert von insgesamt 6,9 Mrd. Euro ausgeführt. Am bekanntesten und beliebtesten sind Milch und Käsespezialitäten – traditionelle Käse wie der Allgäuer Bergkäse ebenso wie die vielen innovativen Milchfrischprodukte. Im Ausland ist besonders das bayerische Bier gefragt. Entgegen dem Inlandstrend konnten die Brauereien beim Export sogar noch einmal um 10 Prozent zulegen.

Brunner ist überzeugt, dass der Markenname Bayern sowohl für den Export als auch für die regionalen Märkte in Zukunft noch wichtiger wird. Zur besseren Vermarktung bayerischer Agrarprodukte und Lebensmittel hat der Minister daher auch die Gründung einer Marketingagentur initiiert. In den nächsten drei Jahren werden dafür insgesamt Haushaltsmittel in Höhe von 6,5 Mio. Euro bereitgestellt. Brunner: „Damit wollen wir unter anderem ein Netzwerk in zukunftsträchtigen Exportmärkten aufbauen, die traditionell vorhandenen Märkte im Ausland noch besser bedienen, aber auch die Chancen auf neuen Märkten wie dem Mittleren Osten und Asien erfolgreich nutzen."